Emanzipation und Mütterlichkeit

In einem Beitrag Benjamin Kaisers über Jane Austen wird der Verlust des Status „ganz Mutter, ganz weibliche Frau zu sein“, allein auf den Einfluss der Emanzipation zurückgeführt.

Dem hat unsere Autorin Ariane Meise etwas entgegenzusetzen:

Die Emanzipation der Frau hat nicht erst mit der Antibabypille eingesetzt, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt. Als im letzten Jahrhundert der 2. Weltkrieg seinen Höhepunkt erreichte und danach im Bombenterror waren es die Frauen, die die Familie ernährt und geschützt und später tatkräftig am Wiederaufbau mitgewirkt haben. Die Männer sind im Krieg geblieben oder waren in Gefangenschaft. Die Frauen mussten vielfach Verantwortung und damit die männliche Rolle übernehmen. Damit war im Bewusstsein dieser Frauen und ihrer Töchter eine Grundlage gelegt für das, was später als Emanzipationsbewegung in Erscheinung trat.

gemeinfrei; Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Pettie#/media/Datei:Two_Strings_to_her_Bow,_by_John_Pettie,_1887.JPG

Emanzipation in ihrer eigentlichen Bedeutung meint die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit, Unterdrückung oder Bevormundung mit der Folge der Gleichberechtigung. In Bezug auf die Geschlechter also gleiche Teilhabe am beruflichen, gesellschaftlichen, politischen und familiären Leben. Hiergegen ist nichts einzuwenden und zu begrüßen.

Westliche Frauen sind hierdurch keineswegs grundsätzlich zum Konsumgut verkommen, wenn sie selbst bestimmt darüber entscheiden, wie sie leben und mit wem sie schlafen wollen. Das in dieser Hinsicht konträre Frauenbild bietet der Islam. Hier wird die Frau degradiert und auf die Funktion sexuelle Verfügbarkeit, Kinder gebären und Haushalt beschränkt. Ein solches Frauenbild ist abzulehnen.

Kritikwürdig sind die Auswüchse der Emanzipation. Denn Gleichberechtigung meint nicht die Unterordnung des einen unter das andere Geschlecht, sondern ein Zusammenwirken im Interesse der Gemeinschaft und sich hierbei auch einmal (!) zurückhalten zu können. Das gegenseitige Geben und Nehmen ist das, was eine Gemeinschaft aufrechterhält. Wo dieses Prinzip verletzt wird, entsteht Chaos im Kleinen wie im Großen.

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Die Auswüchse der Emanzipation werden im Beitrag ausschließlich den Frauen angelastet. Ganz so ist dies aber nicht. Ja, wir kennen Frauen, die männlicher als der Mann sein wollen. Es wäre interessant hier den psychologischen Hintergrund aufzuarbeiten, der vermutlich damit zusammenhängt, dass viele Männer mit dem Rollentausch und der Abgabe von Verantwortung an die Frau eigentlich ganz zufrieden sind. Wenn man sich so umschaut, stellt man dann noch zusätzlich fest, dass viele Männer ganz gern in die Rolle der „besseren Mutter“ bei Versorgung, Erziehung und Betreuung der Kinder hineinschlüpfen und völlig ohne Not die Frau im Haus aus ihrer Mutterrolle verdrängen. Der Rollentausch aus wirtschaftlichen Gründen ist davon zu unterscheiden.

Wir sollten uns aber fragen, ob Emanzipation im positiven Sinne der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Politik, Gesellschaft, Beruf und Familie unter den derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überhaupt in der Realität möglich ist.

Richtig ist, dass gerade das einvernehmliche Zusammenwirken der männlichen und weiblichen Eigenschaften es ist, was eine Gemeinschaft zusammenhält. Den Extremen gilt es entgegenzuwirken. Hierzu bedarf es aber politischer Grundlagen, die überhaupt eine eigenständige Entscheidung der Frau ermöglichen, für welche Lebensgestaltung sie sich entscheidet, ausschließlich Beruf oder ausschließlich Familie/Mutter oder beides. Die derzeitige politische Ausgangssituation lassen eine solche freie Entscheidung aus tatsächlichen, insbesondere wirtschaftlichen Gründen nicht. Bevor man die Emanzipation verteufelt, sollte man die Grundlagen schaffen, dass Emanzipation überhaupt in freier Entscheidung stattfinden kann und nicht als eine gesellschaftspolitische Worthure verkommt, die von den eigentlichen Problemen ablenkt. (siehe auch)

 Ariane Meise

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