Alfa-Tierchen

Bernd Lucke ist wieder Parteichef. Gestern gründete er mit siebzig auserlesenen Mitgliedern seines „Weckruf 2015“ in Kassel unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“. Schon das...

Bernd Lucke ist wieder Parteichef. Gestern gründete er mit siebzig auserlesenen Mitgliedern seines „Weckruf 2015“ in Kassel unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“. Schon das Kürzel „Alfa“ klingt eher nach Pleiten griechischer Machart als einer zukunftsweisenden Bewegung. Auch der Chef des Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner, sieht kaum Chancen für die neue Partei. Gegenüber der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen meinte Güllner: „Im liberalen Milieu kann er aber nicht punkten. Er hat überhaupt keine Chance, Erfolg mit seiner womöglich neuen Partei zu haben“. Im liberalen Milieu sei immer noch die FDP bestimmend. Was er nicht sagte aber jeder weiß: Auch die FDP braucht eigentlich niemand mehr und deshalb kämpft sie seit Jahren mit der 5%-Hürde.

Lucke gibt sich dennoch optimistisch. Glücklich darüber, endlich alleiniger Vorsitzender einer Partei zu sein, fantasierte er etwas von „Wiedergeburt der AfD“ und beschimpfte seine ehemaligen Weggefährten als „Karrieristen“, „Intriganten“, „Rechtsausleger“ und „Islamfeinde“. Nützen wird ihm dieser Ausfluss von Charakterschwäche nicht. Vom stellvertretenden SPD-Vorsitzende Ralf Stegner gab es via „Handelsblatt“ den Spruch: „Für demokratische Parteien können solche Rechtspopulisten und Wirrköpfe niemals Partner sein.“ Der unvermeidliche Volker Beck (Grüne) meinte gar vor einem „Ressentiment-Partei-Projekt“ warnen zu müssen. Der selbst für seine Ressentiments gegenüber Andersdenkenden bekannte Innenpolitiker rief zum Kampf für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde auf, der „jeden Tag im Netz, am Stammtisch und auf der Straße“ geführt werden müsse.

Da hilft es auch nichts, dass der neuen Partei strenge Richtlinien als Korsettstangen eingezogen werden sollen. Ehemalige Mitglieder „möglicherweise extremistischer“ Parteien sollen ferngehalten werden ebenso wie bestimmte AfD-Anhänger, für die extra eine Liste der unerwünschten Personen erstellt werden soll. Neu ist eine Gastmitgliedschaft, die für ein Jahr gelten soll und jegliches Stimmrecht ausschließt. Verlangt wird ein klares Bekenntnis zur Westbindung Deutschlands und eine weitgehende Zustimmung zu den derzeit praktizierten Einwanderungs- und Asylregeln unter dem Deckmantel der „Nächstenliebe“.

Spätestens an diesem Punkt weiß eigentlich jeder, dass diese Parteineugründung überflüssig ist. Wusste man bei der AfD schon oftmals nicht, ob es bei ihrer Politik um das sprichwörtliche „Fisch oder Fleisch“ handelt, so kann man sich diesmal sicher sein, das hier nichts von beidem vorhanden ist. Diese „Wiedergeburt“ riecht deshalb eher nach einer Totgeburt.

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