Görlitz: Zoll zieht erneut Gammelfleisch aus dem Verkehr

“Achtung, bei dieser Meldung könnte Ihnen der Appetit auf einen Döner vergehen.” So launig versucht SZ-Autor Jakubowsky seine Leser auf gleich zwei neue Gammelfleisch-Skandale einzustimmen. Auch der folgende Satz...

“Achtung, bei dieser Meldung könnte Ihnen der Appetit auf einen Döner vergehen.”

So launig versucht SZ-Autor Jakubowsky seine Leser auf gleich zwei neue Gammelfleisch-Skandale einzustimmen. Auch der folgende Satz “Glücklicherweise waren Behörden schneller als Transporteure” erhöht nicht gerade die Begeisterung – lässt er doch die Frage offen, wie oft die Behörden eben nicht schneller waren als die hungrige Kundschaft.

(Symbolfoto)

In der letzten Woche konnte das Hauptzollamt Dresden schlecht gekühlte Dönerspieße aus dem Verkehr ziehen. Sie wurden in Transportern entdeckt, die am Mittwochnachmittag auf einer Landstraße im Landkreis Görlitz aus Polen unterwegs waren. Ursprünglich aus Berlin kommend, sollte die Fahrt nach Dresden und dann weiter nach Tschechien gehen.

Während die Spieße mit einem Gesamtgewicht von 1.330 Kilogramm “nur” zu wenig gekühlt waren, wurde am Tag darauf bei Rothenburg (Oberlausitz) ein Kühltransporter mit knapp 600 Kilogramm gestoppt, bei dem das Kühlaggregat gleich ganz defekt war.

Fälle wie diese gibt es gleich reihenweise. Wir haben einmal ein paar weitere der letzten Zeit herausgesucht:

Im Juli 2018 konnte die Polizei in Husum 1.600 Kilo Gammel-Döner (70 Spieße) aus dem Verkehr ziehen. Geholfen hat es wenig, denn der gleiche Transporter wurde im August 2018 erneut mit knapp 1400 Kilogramm Döner erwischt.

Und weiter:

Im März 2019 machte die Polizei bei Marktredwitz einen “Ekelfund”. Die 28 Dönerspieße waren nicht nur ungekühlt, sondern wurden auch noch “offen in Plastikboxen” transportiert. Das Fleisch war bereits angetaut und lag teilweise offen auf der Ladefläche, weil die Verpackungen aufgerissen waren. Zudem besaß der Fahrer nicht die notwendigen Frachtpapiere.

Eine ähnliche Sachlage lag bei einem Fall vom Februar 2019 vor. Wie die LVZ berichtete, wollten zwei 28 Jahre alte Männer 72 Dönerspieße von Berlin nach Leipzig bringen, wurden aber auf der A9 bei Dessau angehalten. Das Fahrzeug verfügte ebenfalls nicht über eine Kühlmöglichkeit. “Es werde wegen Verstößen gegen die Regeln zum Umgang mit tiefgefrorenen Lebensmitteln ermittelt”, hieß es weiter.

Kurz darauf hieß es bei der Mitteldeutschen Zeitung: “Zweiter Fall in zwei Tagen – Schon wieder Gammel-Döner im Land gefunden!” Auf der B2 bei Pratau wurden diesmal “34 unzureichend gekühlte Dönerspieße auf der Ladefläche” festgestellt und “die Verpackungsfolie war teilweise aufgerissen”. Pikant: 16 Spieße waren bereits ausgeliefert worden. “Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz wurde eingeleitet. Die bereits belieferten Restaurants wurden informiert.” Über die Reaktionen der Betreiber der “Restaurants” wird nichts berichtet.

Im März 2018 stellte der SWR unter der Überschrift “Deutschland, Deine Döner” die Frage: “Was essen wir da eigentlich?” Heraus kam wenig Erfreuliches. Bestanden die Spieße ursprünglich aus geschichteten Lamm- und Rinderscheiben, so werden sie heute in den meisten Imbissen aus billigem Rind-, Kalb- und Putenfleisch hergestellt, die außerdem mit Wasser, Fett, Geschmacksverstärker und Phosphat gestreckt sind. “Guten Appetit” möchte man da lieber nicht sagen! (sp)

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