Papst Franziskus und die Migration

„Papst fordert Bulgarien zur Hilfe für Migranten auf“ (Zeit) oder „Papst bittet um Aufnahme von Flüchtlingen“ (Tagesschau) – die Botschaft könnte nicht klarer sein, die Papst Franziskus anlässlich seines...

“Papst fordert Bulgarien zur Hilfe für Migranten auf” (Zeit) oder “Papst bittet um Aufnahme von Flüchtlingen” (Tagesschau) – die Botschaft könnte nicht klarer sein, die Papst Franziskus anlässlich seines Besuches in Bulgarien an das Gastland selbst und Europa gerichtet hat. Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, dass sich das Oberhaupt der katholischen Kirche in dieser Weise geäußert hat.

bulgarische Grenze zur Türkei

Die Botschaft ist klar – sie ist aber auch weltfremd und fordert letztlich die europäischen Völker dazu auf, den eigenen Untergang zu betreiben. Bulgarien gehört allerdings zu den Ländern Osteuropas, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Ein stabiler Grenzzaun sorgt dafür, dass die Zahl der Flüchtlinge, die in Bulgarien einen Asylantrag stellen, von 20.000 im Jahr 2015 auf 2500 im vergangenen Jahr gesunken sind.

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Doch war das alles, was der Papst gesagt hat? Und stimmt überhaupt der Wortlaut? Bei Blättern wie der Zeit sollte man vorsichtig sein und auch andere Quellen heranziehen.

Zwar hat Franziskus tatsächlich vorgeschlagen, “die Augen, das Herz und die Hände, wie es bei Ihnen Tradition ist, nicht vor denen verschließen, die an Ihre Türen klopfen.” Den Zusammenhang zu der Tatsache, “dass auch mehr als zwei Millionen Bulgaren als Auswanderer in anderen Staaten bessere Lebensmöglichkeiten suchten” hat ein Redakteur der Zeit jedoch eigenmächtig hergestellt.

Laut Vatican News hat der Pontifex stattdessen von einem “Drama der Auswanderung” gesprochen und die bulgarische Elite dazu aufgefordert, “die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass insbesondere junge Menschen nicht zur Auswanderung gezwungen sind”. Man dürfe „keine Mühen scheuen, um günstige Bedingungen zu schaffen, damit junge Menschen ihre frische Energie einsetzen und ihre persönliche und familiäre Zukunft planen können“. Franziskus hat zudem die Perspektivlosigkeit der westlichen Welt mit deutlichen Worten kritisiert: „Gleichzeitig hat Bulgarien – wie viele andere Länder des alten Kontinents – mit einer Art neuem Winter zu kämpfen, einem demographischen Winter, der sich wegen schwindenden Vertrauens in die Zukunft über weite Teile Europas gelegt hat.“

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Diese Botschaft fällt bei den Qualitätsmedien völlig unter den Tisch. Sie passt nicht in das Bild, das sich die weltweiten Befürworter der Globalisierung selbst gefertigt haben. Ebenso fehlt in den Meldungen, dass der Papst Bulgarien als „Brücke zwischen Ost und West“ gewürdigt und dabei betont hat, dass es wichtig sei, dass das Land „stabile Beziehungen zu Russland und zur Türkei“ unterhalte. Und es fehlen weitere Aussagen sowohl des Papstes als auch des bulgarischen Staatspräsidenten Radev zu historischen Ereignissen, die beide Seiten betreffen.

Als Folge der selektiven Berichterstattung bleibt letztlich nur der Appell des Papstes zugunsten einer wohlwollenden Aufnahme von Migranten in Erinnerung, die auf der Suche nach “neuen Existenzmöglichkeiten oder einfach einem sicheren Zufluchtsort” seien und Kriegen und Konflikten oder der Armut (Wie richtig!) entkommen wollten. So nachvollziehbar diese Wünsche auch sein mögen, sie sind aber nicht grenzenlos umsetzbar. Ansonsten folgt dem “demographischen Winter” in Europa ein stürmischer (islamischer?) Herbst, der auch den “Heiligen Stuhl” hinwegfegen könnte! (sp)

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