Asyl: Das Kreuz mit den Konvertiten

Wird mancher Glaubenswechsel nur vorgetäuscht?

Im Juni 2017 erschütterte ein Verbrechen die oberpfälzische Gemeinde Arnschwang. Ein Mann aus Afghanistan erstach in der Asylbewerberunterkunft einen fünfjährigen Jungen und verletzte dessen Mutter schwer. Hinterher stellte sich heraus, dass er ein verurteilter Straftäter war und eine elektronische Fußfessel trug. Mostafa K. war im Oktober 2009 vom Landgericht München I wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, die er komplett verbüßt hatte.

Zur geplanten Abschiebung kam es aber nicht. Er gab vor, zum Christentum konvertiert zu sein, hatte sich im Gefängnis taufen und auf seinen Rücken christliche Symbole tätowieren lassen. Die Richter des Verwaltungsgerichts München glaubten ihm und verhängten einen Abschiebestopp, weil K. in Afghanistan aufgrund seines neuen Glaubens der Tod drohe.

Ob der der Mann, von dem gerichtlich festgestellt wurde, dass von ihm eine „konkrete Gefahr für die Allgemeinheit“ ausgehe, den Glaubenswechsel nur vorgetäuscht hatte, konnte abschließend nicht mehr geklärt werden. Er wurde während des Polizeieinsatzes erschossen. Der Verdacht liegt jedoch nahe, dass Mostafa K. nicht der einzige war, der mittels Taufe eine Abschiebung verhindern wollte.

Hilfe gibt es in dieser Hinsicht genug. So locken einige Sekten Flüchtlinge, die sich vor einer Abschiebung fürchten, mit Blitztaufen. U.a. reisen Christen aus Taiwan extra zu diesem Zweck nach Frankfurt/Main, um in einer gewöhnlichen Badewanne die Taufe zu vollziehen. Generell gelten evangelikale Gemeinden als wenig wählerisch bei der Suche nach neuen „Schäfchen“. Aber auch in der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz konnten in den letzten Jahren mehrere hundert Iraner und Afghanen zum Christentum übertreten.

Nicht immer glückt die Verstetigung des Aufenthaltes. Die hektischen Maßnahmen, die eine Verschärfung des Asylrechts vortäuschen sollen, ändern zwar am Gesamtbild wenig, verhindern aber oft eine Anerkennung aus „religiösen“ Gründen. So werden „Begleiter“ der Religionsgemeinschaften, die als Zeugen dienen wollen, von den Behörden häufig nicht zugelassen. Ferner gibt es den Verdacht, muslimische Übersetzer würden absichtlich falsch arbeiten, um den Abtrünnigen die Tour zu vermiesen. Das trifft dann auch die, die angeben, schon in der Heimat konvertiert und vor der Verfolgung geflohen zu sein.

Die Medien-Berichte über die Probleme mit den Konvertiten – ob nun echt oder nicht – ergeben kein klares Bild der Gesamtlage. Eines scheint jedoch sicher zu sein: Es gibt zahlreiche andere, erfolgversprechendere Wege, um in Deutschland bleiben zu können. Und es werden immer mehr! (sp)

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