Köthen: Anklage erhoben

Verhindert "Jugendrecht" eine öffentliche Verhandlung?
Tatort in Köthen

Wie die Regionalpresse mitteilt, hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen und zwei afghanische Asylforderer angeklagt. Ihnen wird gemeinschaftliche Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Gedenken in Köthen

Die Ermittlungen sind erstaunlich rasch vorangekommen. Ob der Druck der Proteste dabei eine Rolle gespielt hat, kann nur vermutet werden – eigentlich sollte es aber immer so schnell gehen. Das gilt übrigens auch für Asylverfahren. Zumindest einer der Täter hätte (wie so oft) längst abgeschoben sein müssen.

Erfreulich ist zunächst auch, dass die Täter sich immer noch in Untersuchungshaft befinden. Damit dürften sich gewisse Verlautbarungen, in denen das Geschehen in die Nähe eines tragischen Unfalls gerückt wurden, erledigt haben. “Körperverletzung mit Todesfolge” ist kein Kavaliersdelikt, auch wenn geringere Strafen als bei Mord oder Totschlag zu erwarten sind. Auf die Auswertung des Herzschrittmachers des Opfers dürften künftige Zeugen des Prozesses gespannt sein – wenn es denn welche geben wird!

Wie jetzt bekannt wurde, sind die Tatverdächtigen nicht 18 und 20 Jahre alt, sondern 18 und 17. Das hätten die Ermittlungen ergeben. Wie die MZ schreibt, wurde aber laut Staatsanwaltschaft ein Altersbestimmungsgutachten nicht in Auftrag gegeben, weil “erfahrungsgemäß in der Wachstumsphase eines Jugendlichen beziehungsweise Heranwachsenden kein konkretes, aussagekräftiges Ergebnis zu erwarten ist“. Damit würde Jugendrecht zur Anwendung kommen, die Öffentlichkeit müsste ausgeschlossen werden.

Es bleibt also ein unguter Beigeschmack, was dieses Verfahren angeht. Es ist kaum zu erwarten, dass zumindest bei dem 18-Jährigen eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht erfolgt. Eine Abschiebung nach Verbüßung einer (möglichen?) Haftstrafe steht ebenso in den Sternen. (sp)

 

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