Bericht aus München: Kurioser PEGIDA-Auftritt

Kampf gegen die Islamisierung: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht!

Marienplatz

Gekommen waren an dem denk- oder besser: merkwürdigen Samstagnachmittag etwa 150 PEGIDA-Anhänger. Der ehemalige CSU-Pressesprecher und Münchner Islamkritiker Michael Stürzenberger eröffnete die Kundgebung und begrüßte die Gäste mit den Worten: “Ich bin Journalist und Wiedergründungsmitglied der Weißen Rose!”

Michael Stürzenberger

Anschließend verkündete er, dass er einen Neustart der PEGIDA in München anstrebt. “Wir sind die wahre PEGIDA!” rief er in die Menge und schwärmte auch von den Erfolgen der AfD. Stürzenberger weiter: “Wir sind gegen die Islamisierung Deutschlands!” Er vergaß natürlich nicht anzufügen, dass auch die Juden in Deutschland sich vom Islamterror bedroht fühlten. Ob Frau Knobloch über diesen (unfreiwilligen) Schulterschluss begeistert war, darf bezweifelt werden – falls sie überhaupt Notiz davon genommen hat.

Gleiches dürfte für die dann folgende – politisch überkorrekte – Reaktion Stürzenbergers gelten: Kaum hatte er die Münchner NPD-Chefin, Renate Werlberger, unter den Veranstaltungsteilnehmern erblickte, stürmte er von der Rednerbühne zu ihr herunter und herrschte sie an: “Verlassen Sie sofort die Kundgebung! Ich bin hier Veranstaltungsleiter und will keine NPD-Leute hier haben!” Renate Werlberger antwortete ihm, dass er sie nicht raus werfen kann und: “Wer sich in unser politisches Fahrwasser begibt, muss damit rechnen, daß wir da sind!” Und sie ist geblieben.

Als zweiter Redner der Veranstaltung berichtet der Nürnberger PEGIDA-Vorsitzende über die Aktivitäten im Frankenland. Lutz Bachmann indes, der Gründer der PEGIDA-Bewegung, zeigte sich bei der Auftaktkundgebung am Marienplatz überhaupt nicht. Er saß im Auto hinter verdunkelten Scheiben und war auch beim “Spaziergang” durch die Altstadt nicht zu sehen.

Gegendemonstranten

Mit Trillerpfeifen und Geschrei protestierte ein von der Stadt München organisiertes Aufgebot von ca. 2500 Teilnehmern gegen die Veranstaltung. Viele Gegendemonstranten, so auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, traten in weißen Arztkitteln auf, was ihr wenig geistreiches Motto: “Rassismus ist heilbar!” illustrieren sollte. Anscheinend fällt den Organisatoren nichts Gescheiteres mehr ein, um Demos gegen Rechts attraktiv zu machen.

Am “Spaziergang” durch die Altstadt, der gegen 16.00 Uhr stattfand, beteiligten sich noch gut 120 Personen. Auf dem Weg durch die Münchner Straßen waren immer wieder “Nazis raus” Sprechchöre zu hören. Sie kamen aber nicht etwa von den Gegendemonstranten, sondern wurden von Stürzenberger selbst intoniert und von seinen PEGIDA-Spaziergängern brav wiederholt.

Das verwundert nicht allzu sehr, denn der Islamkritiker Michael Stürzenberger ist bekannt für seine theatralische Distanzierung von angeblichen Neonazis. Das hindert ihn aber nicht, immer wieder die ultrarechte Demoparole “Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!” zu skandieren. Weiß der ehemalige CSU-Pressesprecher überhaupt noch was er will und wo er hingehört? Wer sich nach allen Seiten abgrenzt ist bekanntlich überall ausgegrenzt!

Lutz Bachmann

Zur Abschlussveranstaltung, bei der nur noch etwa 80 Kundgebungsteilnehmer anwesend waren, ließ sich schließlich auch Lutz Bachmann blicken. Er ging aber nicht auf die Rednerbühne, um sich seinen Gästen zu zeigen, sondern blieb in Deckung. Selbst bei einer kurzen Ansprache, die Lutz Bachmann dann doch noch hielt, war er kaum zu sehen. Schließlich endete die PEGIDA-Veranstaltung im Münchner Stadtzentrum um 18.00 Uhr und damit früher als geplant. Zurück blieb der Eindruck einer kuriosen Veranstaltung mit Michael Stürzenberger als Lachnummer.

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