Messerstecherei in Wittenberg: Eine schwere Körperverletzung und ihre medialen Folgen

Etwas läuft verkehrt in diesem Land!

Ein Mann hat eine Stichverletzung erlitten. Er lädt ein Bild davon bei Facebook hoch (Nicht empfehlenswert!) und löst eine heftige Debatte aus, die auch bei der Regionalpresse registriert wird. Erstaunlich ist, was ein Lohnschreiber der MZ in einen recht sachlichen Beitrag unter dem Foto hineininterpretiert. Hier erst einmal der Kommentar selbst:

„Hallo Jim, mit der Lügen- und Hetzpresse von der Mitteldeutschen Zeitung würde ich Dir nicht empfehlen zu telefonieren. Diese Refugee-Welcome-Schreiber sind mit Schuld an dem, was momentan passiert im Land bzw. mittlerweile bei einem selbst. Mit journalistischer Arbeit hat das nichts zu tun. Anzeige bei der Polizei machen, wenn nicht schon geschehen. Und erst einmal gute Besserung an dieser Stelle. Auch im Namen des NPD Kreisverband Wittenberg!“

Thomas Lindemann

Weil der Beitrag von Thomas Lindemann, Mitglied im Landesvorstand der NPD kommt, beflügelt er die Phantasie des Redakteurs dermaßen, dass er sich zu der Behauptung hinreißen lässt, unter den Kommentatoren des FB-Eintrags seien “auch einige, die sich offenbar ein Szenario des messerstechenden ,Kanacken’ regelrecht wünschen – und für deren Zwecke eine Aufklärung des Falles wahrscheinlich sogar eher unschön wäre.”

Spätestens an dieser Stelle weiß jeder, warum der Hinweis zum Umgang mit Medienvertretern seine Berechtigung hat. Thomas Lindemann selbst äußerte sich zu dem Vorgang (vollständig nachzulesen auf der Facebook-Seite des Kreisverbandes Wittenberg) wie folgt:

“Hiermit widerspreche ich der Unterstellung des Herrn Alexander Baumbach (MZ-Wittenberg) aufs Schärfste. Niemand wünscht oder sehnt sich solche schweren Straftaten herbei oder ist an einer Nichtaufklärung interessiert.” Ferner weist Lindemann auf die Verantwortung von Politik und Medien für die Masseneinwanderung und ihre Folgen hin, die sich nicht zuletzt auch in der Berichterstattung der MZ über zahlreiche “Einzelfälle” widerspiegelt.

Der Vorgang zeigt exemplarisch, dass nicht die rasant steigende Zahl der Verbrechen (oft unter Messer-Einsatz) das Problem von Politik und Medien ist, sondern die Berichte darüber. Besonders ärgerlich scheint die Tatsache zu sein, dass mit den sozialen Medien alternative Nachrichtenkanäle entstanden sind, die den Konsum der “Tagesschau” oder den Kauf einer Zeitung am Kiosk zunehmend verdrängen. Das Bedauern über diese Entwicklung hält sich allgemein in Grenzen und lässt auf weitergehende Veränderungen hoffen.

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