Afrika den Afrikanern – und Europa auch?

Schockierende Berichte und Bilder, die Europa zum Handeln gegen die eigenen Interessen zwingen sollen.

Die Bilder schockieren nicht nur auf den ersten Blick. Zu sehen sind Szenen, die von Sklavenhandel, Folter und Tötungen in Libyen berichten. Das Ziel der „zambezi reporters“ ist klar: UN, EU und die Ecowas (Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft) sind „dringend aufgerufen“, diese „jungen Afrikaner“ zu befreien! Gemeint ist natürlich in erster Linie Europa.

Schockierende Bilder, die Europa zum Handeln zwingen sollen.

Angela Merkel und der französische Präsident Macron haben bereits reagiert. Am Rande einer Konferenz in der Elfenbeinküste haben sie einen neuen „Flüchtlings-Deal“ ausgehandelt. Dabei geht es darum, die in Libyen gestrandeten Migranten zu befreien.

In Libyen gestrandet.

Hierfür soll die Regierung (oder wer auch immer diesen Titel gerade beansprucht) in Libyen zunächst internationalen Organisationen Zugang zu den Lagern gewähren. Dort sollen Mitarbeiter des UN-Flüchtlingswerks und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) feststellen, wer ein „politischer Flüchtling“ ist und wer nur wirtschaftliche Gründe vorweisen kann.

Personen mit Flüchtlingsstatus (man rechnet mit 20 Prozent) sollen aus Libyen ausgeflogen werden. Nach einer Zwischenstation in den Nachbarländern Tschad oder Niger sollen sie in einem „Ansiedlungs-Verfahren“ („Resettlement“) in europäische oder außereuropäische Länder gebracht werden, die bereit sind, sie aufzunehmen. Die Erfahrung sagt, dass letztlich alle in Europa und davon die meisten in Deutschland landen werden.

“Konzentrationslager” in Libyen

Auf die verbleibenden achtzig Prozent wartet offiziell die Heimreise. Rückkehrhilfen und die bekannten Beratungszentren für „Jobs, Migration und Reintegration“ – einschließlich später möglicher legaler Einreise nach Europa – sollen den Weg von der libyschen Küste in die Heimat erleichtern.

Die Fotoserien der „zambezi reporters“ und anderer Berichterstatter dürften damit ihrem Ziel näher gekommen sein. Sie zeigen aber auch in aller Deutlichkeit, mit wem sich die europäische Politik einlassen muss, wenn sie ihren neuen „Flüchtlings-Deal“ umsetzen will. Und sie zeigen auch, wie Afrikanern mit Afrikanern bereit sind umzugehen. Heute in Afrika – und demnächst auch in Europa?

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