Frankfurter Buchmesse: Auf zum letzten Gefecht?

Linker Zeitgeist in der Krise

Die Zeit, in der sich man mit einem guten Buch in der Hand ungestört zurücklehnen konnte, scheint vorbei zu sein. Die Sinnkrise des linken Zeitgeistes lässt fruchtbare Diskussionen um Inhalte und Formen nicht mehr zu. Allein die Anwesenheit einiger Verlage aus dem „rechten Spektrum“ mit eigenen Ständen treibt die Altgenossen und ihre missratenen Enkel zur Raserei.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte die Zulassung dieser Verlage (hörbar zähneknirschend) mit der Meinungsfreiheit begründet und zur „aktiven Auseinandersetzung“ aufgerufen. Das ließen sich die Vertreter des „Fortschritts“ nicht zweimal sagen. Während die Krawatten-Fraktion mit Pappschildern durch die Gänge flanierte und sich dabei von Geschrei wie „Nazis raus“ begleiten ließ, wurden in der Nacht zum Freitag 130 Bücher und 50 Zeitschriften eines Gemeinschaftsstandes (Zeitschrift Tumult, Verlag Manuscriptum) von „Unbekannten“ gestohlen.

Wes Geistes die mutmaßlichen „Aktivisten“ sind, zeigten ihre Hinterlassenschaften in den Regalen. Neben Milchtüten und Bierflaschen fanden sich obszöne Schmierereien, wie man sie eher auf Schultoiletten erwarten würde. Auch tagsüber gingen die Tumulte weiter, diesmal am Stand des Wochenblattes Junge Freiheit. Dabei soll sich (nach eigenen Angaben) der Verleger eines linken Musikverlags einen Schlag auf die Lippe eingehandelt haben, nachdem er mit flapsigen Anmerkungen provoziert hatte. So kann jetzt zumindest ein „Opfer“ auf der „linken“ Seite vorgezeigt werden. (Ein Video allerdings weckt Zweifel an der Darstellung.)

Am Sonnabend wurde der Antaios-Verlag Ziel weiter „Proteste“. Bei der Präsentation des Buches „Mit Linken leben“ wurde die Anwesenheit Björn Höckes (AfD) genutzt, um sich in den üblichen Krawallszenarien zu ergehen. Übrigens: Rein zufällig (?) hatten die Organisatoren der Buchmesse den Stand der staatlich besoldeten Amadeu-Antonio-Stiftung genau gegenüber plaziert!

Dass all diese Vorkommnisse unter den Augen eines „Wachdienstes“ geschahen, lässt tief blicken. Tief blicken lässt auch ihr anfängliches Verschweigen in den Qualitätsmedien. Damit hat es ein Ende und es könnte sogar sein, dass die zynische Bemerkung im (öffentlich rechtlichen) Sender 3sat, dass „zusätzliche Aufmerksamkeit auf die kontroversen Verlag“ gelenkt worden sei, die „als Werbung nicht ganz ungelegen“ kommen würde, einen positiven Effekt für die Betroffenen auslöst. Die Blockwarte eines kriselnden Zeitgeistes haben sich jedenfalls bis auf die Knochen blamiert, darüber können auch die halbseidenen Distanzierungsversuche des Börsenvereins nicht hinwegtäuschen.

Print Friendly, PDF & Email

verwandt mit:

Watch Dragon ball super