Zum „Tag der Republik“: Rückkehr der Pionierleiter?

„Gelungene Aktion gegen Rechts“ oder „politischer Kindesmissbrauch“?

Heute vor 28 Jahren feierte die DDR das letzte Mal Geburtstag. Die „Freie Deutsche Jugend“ demonstrierte im Blauhemd gemeinsam mit den Thälmann-Pionieren in Berlin. Auf den Schulhöfen wurde in Fahnenappellen des 40. Jahrestages gedacht. Michail Gorbatschow kam auch zu den Feiern und sprach sein berühmtes „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

ADN-ZB/Mittelstädt 5.5.86

Wenige Wochen später war endgültig Schluss mit der Allmacht der SED. Die Bürger glaubten, künftig frei entscheiden zu können, was sie sagen und wen sie wählen. Schule sollte ohne politische Beeinflussung von außen stattfinden können. Doch die Hoffnungen wurden nicht ganz erfüllt.

Ein exemplarisches Beispiel für die Lenkung der kindlichen Gedankenwelt im Sinne der etablierten Parteien lieferte kürzlich das Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg. Das Regionalblatt Altmarkzeitung (AZ) konnte eine „gelungene Aktion gegen Rechts“ bejubeln, mit der „ein Zeichen gegen das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl“ gesetzt worden sei.

Die Reaktionen aus der Zielgruppe ließen nicht lange auf sich warten. AfD-Landeschef André Poggenburg fand deutliche Worte für die Aktion: „Lehrer betreiben bewusst Gehirnwäsche an Kindern, um politisch Andersdenkende verächtlich zu machen, wie wir es aus dunkler deutscher Geschichte kennen.“ Ferner warf er den Lehrern der Schule vor, ihre Neutralitätspflicht verletzt zu haben und forderte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) auf, einen Erlass gegen „antidemokratische Hetze“ herauszugeben. Inzwischen dürften auch Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die beteiligen Lehrkräfte unterwegs sein.

Bildungsminister wie Lehrkräfte versuchen abzuwiegeln. „Es lässt sich bisher nicht nachvollziehen, dass diese Veranstaltung eine problematische Qualität hatte“, sagt Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums gegenüber der Volksstimme. Als Beweis wird ein Video aufgeführt, das am Tag der Aktion aufgenommen wurde. Eine Partei wurde tatsächlich nicht namentlich erwähnt. Wenn aber laut AZ die „meisten der 700 Schüler … im Halbkreis um Oberstufenkoordinator Alexander Dankert (standen), der in der großen Pause auf dem Schulhof zum Mikrofon griff“, dann hat die Sache schon eine ziemlich Ähnlichkeit mit den Appellen zu DDR-Zeiten.

Margot Honecker

Der Aufruf, in Kleidung „so bunt wie möglich“ zum Unterricht zu erscheinen, soll angeblich von den Schülern selbst gekommen sein. Merkwürdig ist es nur, dass Religionslehrerin Michaela Steinke, Leiterin der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ und keiner der Schüler im Bericht der AZ zu Wort kommt. Und selbst wenn: Pädagogen können Kinder auch in die gewünschte Richtung lenken, wenn sie es nur geschickt genug anstellen. Nicht umsonst spricht die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach in diesem Zusammenhang von „politischem Kindesmissbrauch“.

Margot Honecker würde (wenn sie noch am Leben wäre) sicher ihre Freude an den „engagierten“ Lehrern haben!

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