Paul von Hindenburg: Erinnerung an den Helden von Tannenberg

170. Geburtstag des einzigen jemals vom deutschen Volk gewählten Staatsoberhauptes: Reichspräsident von Hindenburg.

Vor 170 Jahren, am 02. Oktober 1847, erblickte in Posen ein großer Deutscher und ein mustergültiger Exponent preußischen Pflichtbewusstseins das Licht der Welt: die Rede ist von keinem geringeren als dem Helden von Tannenberg des Ersten Weltkrieges und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

Sascha A. Roßmüller

Paul von Hindenburg entstammte väterlicherseits einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht, der Familie von Beneckendorff und von Hindenburg. Mütterlicherseits kann man sagen, daß sich in ihm altes Adels- und gutes Bürgerblut verbanden. Welch ein Mensch Hindenburg war, läßt sich nicht allein an seinen großen militärischen Schlachten oder staatsmännischen Taten ablesen, sondern nicht weniger an seiner ersten großen Liebe. Zunächst war Paul von Hindenburg nämlich mit Irmengard von Rappard aus Sögeln verlobt, die jedoch vor der Hochzeit mit 17 Jahren an Schwindsucht verstarb. An ihr zeigt Paul von Hindenburg, welche hingebungsvolle und gefühlstief empfundene Treue in auszeichnet. Bis zu seinem Lebensende sandte er an jedem Todestag einen Kranz ans Grab seiner einst Geliebten. Dieselbe Treue sollte er Zeit seines Leben dann nicht nur der am 24. September 1879 geheirateten Gertrud von Sperling, sondern auch seinem deutschen Volke gegenüber an den Tag legen.

Die Schlacht von Königgrätz: Erster Entwurf des Malers Josef Emil Hünten in Düsseldorf zu dem von ihm in der Feldhalle des königl. Zeughauses in Berlin ausgeführten Wandgemälde.

Als Sohn eines preußischen Offiziers beschritt Hindenburg ebenfalls die militärische Laufbahn. Von früh an war sein Leben von Begegnungen mit der Geschichte gekennzeichnet. 1865 wurde der noch junge Hindenburg Königin Elisabeth, der Witwe des verstorbenen preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., als Leibpage zugeteilt. Im April 1866 wurde er bereits als Leutnant in das 3. Garderegiment aufgenommen und nahm an der berühmten Schlacht von Königgrätz teil. Hindenburg nahm, nachdem Frankreich am 19.07.1870 dem Norddeutschen Bund den Krieg erklärt hatte, auch am französisch-deutschen Krieg 1870/71 teil. Am 18. Januar 1871 repräsentierte Hindenburg sein Garderegiment bei der Kaiserproklamation im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. Von 1873 bis 1876 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin, die er mit der Qualifikation für den Generalstab verließ. Im März 1888 gehörte Hindenburg den Offizieren an, die am aufgebahrten Leichnam Kaiser Wilhelms I. Totenwache hielten. Seine Militärkarriere führte ihn bis zur Beförderung zum Generalleutnant am 09. Juli 1900 sowie fünf Jahre später zum General der Infanterie. Im März 1911 wurde er unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens dann in den verdienten Ruhestand verabschiedet.

Generalfeldmarschall Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, März 1916.

Doch nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges traf dann am 22. August 1914 eine telegraphische Anfrage aus dem Großen Hauptquartier bei Hindenburg ein, ob er bereit wäre, ein Kommando zu übernehmen. Seine Antwort war seiner soldatischen Art entsprechend kurz und präzise – sie beschränkte sich auf die beiden Worte: „Bin bereit.“ Diese verantwortungsvolle, bedingungslose nach keinem Wie, Wo oder Warum fragende Pflichtbereitschaft zeichnete diesen großen Mann aus. Ein zweites Telegramm selbigen Tages übermittelte daraufhin seine Ernennung zum Oberkommandierenden der 8. Armee, die in Ostpreußen einem zahlenmäßig mehr als zweifach überlegenen Gegner auf Leben und Tod gegenüberstand. Am 24. August um 4.00 Uhr morgens war Hindenburg bereits unterwegs. Nur acht Tage später wurde unter Ludendorffs und Hindenburgs Führung bei Tannenberg eine der glänzendsten Schlachten der Weltgeschichte siegreich geschlagen. Im August 1916 wurde Hindenburg zum Chef des Generalstabs und zum Chef der Obersten Heeresleitung ernannt. Zu Kriegsende führte Hindenburg trotz raffinierter, jedes Gelingen nach menschlichem Ermessen kaum vorstellbarer Bedingungen des Feindes das Heer ungefährdet und fest geschlossen in die Heimat. Am 25. Juni 1919 trat er als Chef des Generalstabes des Heeres zurück und verließ seinen letzten Dienstort im historischen Kolberg.

Auch nach diesem Lebensabschnitt ergriff den bereits über 70-Jährigen keine Weltflucht. Für den vom Scheitel bis zur Sohle pflichtbewussten Preußen gab es kein bequemes Ausruhen oder Hadern mit dem Schicksal. 1925 stellte sich der Feldmarschall erneut in den Dienst des Vaterlandes. Nachdem beim ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl am 29. März 1925 kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreicht hatte, fragten die Rechtsparteien bei dem parteilosen Hindenburg um eine Kandidatur an. Der 77-Jährige äußerte sich zunächst zögerlich, stimmte jedoch schließlich zu, sich in die Pflicht nehmen zu lassen – und erhielt das Vertrauen des Volkes. Und weil er „seinen Posten in schwerer Zeit nicht eigenmächtig verlassen wollte“, stellte er sich 1932 zur Wiederwahl – mit Erfolg, wie wir wissen. Damit ist er bis heute auch das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das je vom Volk direkt gewählt wurde. Sein Vorgänger Friedrich Ebert wurde von einer Nationalversammlung gewählt und die Präsidenten der Bundesrepublik werden von einer fragwürdigen Bundesversammlung gewählt. Der Held von Tannenberg und Reichspräsident verstarb – mehr oder weniger während des Dienstes – am 02. August 1934 auf Gut Neudeck in Ostpreußen.

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