Die Bundesregierung vergeht sich an der deutschen Geschichte

Ein kollektiver Pranger

In jedem Land der Welt ist es das Normalste überhaupt, stolz auf die eigene Geschichte und die Leistungen der Ahnen zu sein. Es gibt kaum ein Volk, das nicht Narrative und Mythen pflegt, um auch die Jugend zu gesundem Nationalbewusstsein zu erziehen.

Doch in Deutschland ist das Gegenteil der Fall. Hier gibt es Straftatbestände, die das staatlich verordnete Geschichtsbild zementieren sollen. Hier werden Zahlen eigener Opfer bewusst herunter gerechnet. Hier wird der 8. Mai 1945, der den Beginn der Vertreibung Millionen Deutscher aus ihrer jahrhundertealten Heimat einläutete und in dessen Folge laut seriösen Schätzungen des Historikers Hellmut Diwald noch nach Kriegsende etwa 4,4 Millionen Deutsche durch Vertreibung, Kriegsgefangenschaft und alliierte Lebensmittelverknappung ihr Leben verloren, zum „Tag der Befreiung“ umgedeutet.

Das neueste Opfer der bundesdeutschen Vergangenheitsbewirtschaftung ist nun die Bundeswehr geworden. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen warf der Bundeswehr Haltungsprobleme und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vor. Nach der Festnahme eines Bundeswehrangehörigen geriet die ganze Truppe unter „Rechtsextremismus“-Verdacht. So werden nun alle Kasernen der Bundeswehr auf Andenken an die Wehrmacht durchsucht. Bis zum 16. Mai soll die flächendeckende Untersuchung abgeschlossen sein.

Die Tageszeitung „Welt“ titelte nun, dass von der Leyen ganz offensichtlich fremd in der eigenen Truppe sei. Während viele Soldaten durchaus Sachzeugnisse der deutschen Geschichte sammeln und in den Kasernen aufbewahren, schlägt ihnen nun der Vorwurf der Verherrlichung der NS-Zeit entgegen.

Faktisch ist es so, dass viele heutige Bundeswehrkasernen einst für die Wehrmacht errichtet wurden und dementsprechend heute unter Denkmalschutz stehen, weshalb dort nicht selten noch Reichsadler, historische Wandgemälde und Stahlhelmreliefs zu sehen sind. Der Soldatenberuf ist einer, der Traditionen braucht. Und natürlich setzen sich viele Bundeswehrsoldaten auch mit den Armeen auseinander, die vor ihnen gewirkt haben. Gerade um diese Auseinandersetzung zu ermöglichen, wurde im Jahr 1982 ein Traditionserlass verkündet, in dem es heißt: „Das Sammeln von Waffen, Modellen, Urkunden, Fahnen, Bildern, Orden und Ausrüstungsgegenständen ist erlaubt. Es dient der Kenntnis und dem Interesse an der Geschichte und belegt, was gewesen ist.“

Bundesarchiv, Bild 101I-784-0212-34 / Otto / CC-BY-SA 3.0

Während es im Ausland völlig normal ist, von taktischen und strategischen Fähigkeiten der Wehrmacht zu lernen – noch heute steht beispielsweise die Panzertaktik General Guderians in den USA auf dem Lehrplan und wird der „Wüstenfuchs“, Feldmarschall Rommel, in britischen Militärkreisen verehrt – soll hierzulande ein kompletter Traditionsbruch stattfinden. Die Wehrmacht dürfe laut von der Leyen „in keiner Form traditionsstiftend sein“. Bundeskanzlerin Merkel hat sich nun demonstrativ hinter ihre Ministerin gestellt.

Dass von der Leyen ausgerechnet von der Linken Beifall erhält, sollte auch dem letzten Konservativen in der Union zu denken geben. Laut dem stellvertretenden Linken-Fraktionsvorsitzenden, Klaus Ernst, sei von der Leyen die erste Nachkriegsministerin, „die die Probleme in den Streitkräften offen benennt.“ Linken-Chef Bernd Riexinger sprach sich nun für die Einführung eines „Demokratieführerscheins“ für Soldaten aus, der Vergangenheitsbewältigung und politische Bildung enthalten solle.

Es darf nicht länger zugelassen werden, daß Soldaten, die ihren Kopf für sinnlose und zum Teil völkerrechtswidrige Einsätze im Ausland hinhalten sollen, nun kollektiv an den Pranger gestellt werden. Und es ist völlig inakzeptabel, wie unsere Nationalgeschichte zu einem Verbrecheralbum umgelogen wird. Es ist beschämend, wie sich hochrangigste Politiker dieser Republik heute aus ihren bequemen und wohltemperierten Büros erdreisten, die gesamte Soldatengeneration unser Väter und Großväter zu Verbrechern abzustempeln.

Wie sagte schon der große deutsche Historiker Leopold von Ranke: „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es seine Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt.“

Ronny Zasowk

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