Türken führen Multikulti- und Integrationsphrasen ad absurdum

Die meisten Türken in Deutschland identifizieren sich politisch sowie kulturell nicht mit Deutschland, sondern mit der Türkei.

Die Mehrheit der Türken hat sich für das von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gewünschte Präsidialsystem ausgesprochen. Die Unterstützung für Erdogan belief sich insgesamt auf 51,4 Prozent.

Ronny Zasowk

Das Ergebnis ist zu respektieren, uns Deutschen steht es überhaupt nicht zu, den Türken zu erzählen, wie sie ihr Regierungssystem zu gestalten haben. Zumal es eine völlige Verzerrung des bundesdeutschen Medien-Mainstreams ist, dass ein Präsidialsystem auf eine Diktatur hinauslaufe. Das bekannteste Präsidialsystem herrscht seit Jahrhunderten in den USA – und wohl niemand der Hofschreiberlinge käme auf die Idee, Kennedy, Clinton oder Obama als Diktator zu bezeichnen.

Viel interessanter als das Gesamtergebnis ist allerdings das Abstimmungsergebnis bei in Deutschland lebenden Türken und sind die daraus resultierenden Reaktionen in Deutschlands Schreibstuben und Parteizentralen.

So stimmten mit 63,1 Prozent fast zwei Drittel der am Referendum teilnehmenden Türken in Deutschland für die Verfassungsänderung. Der „Spiegel“ schreibt über „das merkwürdige Wahlverhalten der Deutsch-Türken“, die „Bild“-Zeitung titelt „Warum leben die dann hier?“ und rätselt, welche Folgen das Ergebnis des Referendums für Deutschland und die Beziehungen zur Türkei haben wird.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisiert, dass viele der in Deutschland lebenden Türken nur der Fassade nach auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und CDU-Mann Wolfgang Bosbach nimmt zur Kenntnis, „dass bei Hunderttausenden bei uns in Deutschland lebenden Türken die ökonomische und soziale Loyalität in Deutschland liegt, politisch und ideologisch aber bei Erdogan.“

Man muss sich tatsächlich fragen, in welchem Land die Schreiberlinge von „Bild“ und „Spiegel“, aber auch Özdemir, Bosbach und andere sich nun lautstark empörende Politiker-Darsteller in den letzen Jahren gelebt haben. Auch wenn immer viel über multikulturelles Zusammenleben und Integration geredet wird, muss festgestellt werden, dass all das ideologisch aufgeladene Phrasen sind. Der Großteil der in Deutschland lebenden Türken lebt in einer türkischen Parallelgesellschaft, über Jahre hinweg wurde es seitens der herrschenden Parteien zugelassen, dass der türkische Staat mit zahlreichen politischen und religiösen Institutionen Einfluss auf hier lebende Türken ausübt. Es wurde akzeptiert, dass innertürkische Konflikte –zwischen Türken und Kurden, zwischen Erdogan-Anhängern und –Gegnern, zwischen Gülen-Anhängern und -Befürwortern – auf deutschem Boden ausgetragen werden. Auch hat man sich mit dem Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei von Ankara erpressbar gemacht, statt selbst für effektiven Schutz der eigenen Grenzen zu sorgen.

Die verantwortlichen Politiker schauten dabei zu, wie sich über Jahrzehnte hinweg in Deutschland ein Staat im Staate bildete. Das Einzige, was den überwiegenden Teil der in unserem Land lebenden Türken mit Deutschland verbindet, ist eine sozialstaatliche Versorgungsmentalität, die die Politiker, die sich jetzt künstlich empört zeigen, zugelassen haben.

Die meisten Türken in Deutschland identifizieren sich politisch sowie kulturell nicht mit Deutschland, sondern mit der Türkei. Und die Türkei ist nun einmal kein europäisches Land, was nicht nur an der Geographie, sondern auch an dort vertretenen Werten festgemacht werden kann (was überhaupt nicht negativ oder despektierlich verstanden werden soll).

Es ist nicht unsere Angelegenheit in Deutschland und Europa, mit dem erhobenen Zeigefinger und mahnenden Worten fremde Völker zu belehren und ihnen europäische Werte und irgendwelche demokratischen Normen beizubringen. Es darf aber auch nicht länger zugelassen werden, dass fremde Völker mit ihren Konflikten nach Deutschland importiert werden.

Ronny Zasowk

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