Islamischer Terror: Putin in der Zwickmühle?

Putin wird den Hintermännern des Anschlags gehörig auf die Finger klopfen.

Noch sind nicht alle Einzelheiten geklärt, die den Bombenanschlag in der russischen Metropole Sankt Petersburg vom Montag betreffen. Sicher ist vorerst nur, dass sich die Zahl der Opfer inzwischen auf 14 erhöht hat. Als Attentäter wurde ein 23-jähriger russischer Staatsbürger namens Akbarzhon Jalilov identifiziert. Er wurde 1995 in der westkirgisischen Großstadt Osh geboren und soll laut der Nachrichtenagentur Interfax mit islamistischen Kreisen in Verbindung gestanden haben.

Präsident Putin befand sich am Montag in St. Petersburg, wo er am späten Abend an der betroffenen Metrostation Blumen niederlegte. Die Situation ist für ihn problematisch. Die Ausbreitung des Islam ist – im Gegensatz zu den meisten Ländern Europas – keine Folge einer verfehlten Einwanderungspolitik. Durch den mittelalterlichen Mongolensturm aber auch durch die Vergrößerung des Russischen Reiches sind millionenfach Moslems Untertanen der Zaren und später Sowjetbürger geworden. Trotz des Zerfalls der Sowjetunion sind viele von ihnen weiterhin ein Teil der Bevölkerung Russlands – mit steigender Tendenz.

Die bedeutende Rolle des Islam kam im September 2015 zum Ausdruck, als im Beisein von Wladimir Putin eine der größten Moscheen Europas in Moskau eröffnet wurde. Die „Juma-Moschee“ bietet 10.000 Menschen Platz und ist mit fast 19.000 Quadratmetern 20-mal so groß wie der zuvor abgerissene, 1904 errichtete Vorgängerbau.

Russlands Staatspräsident kam damals nicht umhin zu betonen, dass der Islam „eine der traditionellen russischen Religionen“ sei. Die „majestätische“ Moschee passe zur „Hauptstadt eines geeinten, multinationalen und multikonfessionellen Landes“. Der Vorsitzende des russischen Muftirats, Rawil Gainutdin, war ganz begeistert von dem „entscheidenden Meilenstein“ für die Muslime und das Land.

Ob sich Putin wirklich sicher war bei seinen Worten, dass das Gotteshaus ein Ort der „Aufklärung“ sein werde, an dem „humanistische Ideen“ vermittelt würden, ist schon für 2015 zu bezweifeln. Schließlich hatte er zwei Jahre zuvor anlässlich einer Rede vor der Duma ganz andere Töne angeschlagen.  An die Moslems in seinem Land gerichtet sagte er: „Wenn Sie die Gesetze der Scharia bevorzugen, dann empfehlen wir Ihnen solche Plätze aufzusuchen an denen diese Gesetz ist.“ Und weiter: „Die russischen Traditionen und Bräuche sind nicht kompatibel mit dem Mangel an Kultur oder den primitiven Möglichkeiten der meisten Minderheiten.“ Eindringlich warnte er vor einem „Selbstmord“, vor dem u.a. Frankreich, England und Holland stehen würden.

Es ist sicher nicht zu erwarten, dass das Russland von heute zu den drastischen Mitteln vergangener Zeiten greift und ganze Völker aus ihren angestammten Wohnsitzen vertreibt. Im Gegensatz zu Deutschland und einigen Staaten der Europäischen Union wird jedoch dem Gesetz Genüge getan werden, falls es jemand bricht. Putin wird den Hintermännern des Anschlags gehörig auf die Finger klopfen. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Unterstützer des islamischen Terrors westwärts wandern (zahlreiche Tschetschenen haben es vorgemacht) und „Asyl“ beantragen werden. Angela Merkels Arme und unsere Grenzen sind immer noch offen.

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