Ein vergessener Brandanschlag

Ein lückenhafte Aufzählung politisch motivierter Brandanschläge in Sachsen-Anhalt

Unter der Überschrift „Vier heiße Fälle und viele kalte Spuren“ erinnerte die „Magdeburger Volksstimme“ kürzlich an unaufgeklärte politisch motivierte Brandanschläge in Sachsen-Anhalt. Laut LKA sollen es 25 sein, rechts- und linksextremistische Motive sollen sich dabei die Waage halten. In vier Fällen konnten die Täter bisher nicht ermittelt werden.

Hauptbahnhof

Darunter befinden sich der Anschlag auf Polizei- und Bahnfahrzeuge am Magdeburger Hauptbahnhof vom 8. September 2016, für den eine „Autonome Gruppe“ die Urheberschaft reklamierte oder der vom 27. Juli 2013, wo auf dem Gelände der Bundeswehr-Kaserne in Havelberg 16 Spezialfahrzeuge in Flammen aufgingen. Schaden hier allein: rund fünf Millionen Euro. Am 23. Januar 2012 war das Autohaus City in Magdeburg Ziel eines Anschlages, dem dreizehn für die Auslieferung bestimmte Polizeifahrzeuge zum Opfer fielen. Ein Zusammenhang mit linksextremen Aktivitäten und Anschlägen in Dessau (Stichwort: Oury Jalloh) wurde vermutet, konnte letztlich aber bislang nicht bewiesen werden.

Natürlich darf auf der Liste die unaufgeklärte Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus in Tröglitz nicht fehlen, die seit dem 4. April 2015 manche Statistik über „rechtsextreme“ Vorfälle bereichert. Wenn hier der Autor der „Volksstimme“ schreibt, dass der „Dachstuhl des leerstehenden sanierten Mehrfamilienhauses (…) in Flammen“ aufgegangen sei, so fehlt hier ein wichtiges Detail: Es gab sehr wohl Bewohner, die von den Flammen überrascht wurden!

Ein Brandanschlag aber fehlt völlig: Der auf das Landeskommando der Bundeswehr in der Magdeburger Innenstadt!

Aufräumungs- und Reparaturarbeiten nach dem Anschlag

Am frühen Morgen des 21. Dezembers 2016 hatten bislang unbekannte Täter zwei Brandsätze auf einen zweigeschossigen Flachbau geworfen. Laut „Volksstimme“ soll einer der Soldaten „in den verqualmten Raum gelaufen und den Brandsatz zurück auf die Straße geschleudert“ haben, um anschließend den Brand im Büro zu löschen.

Da in diesem Fall auch Menschenleben in Gefahr gerieten, könnte eine Anklage wegen „besonders schwerer Brandstiftung“ oder gar wegen versuchten Mordes erhoben werden. Doch dazu wird es vermutlich auch hier nicht kommen. Bislang liegt nicht einmal ein Bekennerschreiben vor.

Dennoch kann man von einem politischen Motiv ausgehen. Anschläge auf Einrichtungen der Bundeswehr gehen eigentlich immer von linksextremen Kreisen aus. Allerdings vermeiden diese es in der Regel, bei ihren Brandstiftungen oder Schmierereien Angestellte und Soldaten körperlich anzugreifen, um die Legende von der „Gewalt nur gegen Sachen, nicht gegen Menschen“ aufrecht zu halten. Von der Verlogenheit dieser Argumentation einmal abgesehen – politische Gegner dürfen sehr wohl mit schwersten Verletzungen rechnen – haben die Täter beim Landeskommando der Bundeswehr wohl nicht mit Personen gerechnet, die im Gebäude schlafen.

Ob ihnen ein Rest von „Gewissen“ die Lust genommen hat, sich zur Tat zu bekennen oder ein Anruf aus dem Büro gewisser Funktionäre, sei dahingestellt. Fakt ist, das (mutmaßlich) politische Motiv hätte es geboten, den Fall in die Liste aufzunehmen. Vielleicht hat aber auch der fast gleichzeitig in Berlin verübte Terroranschlag mit islamischem Hintergrund die Wahrnehmung in eine Richtung gelenkt, die schon jetzt eine immer größere Rolle einnimmt.

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