Festung Europa oder afrikanische Völkerwanderung?

Fast sechs Millionen Menschen warten rund um das Mittelmeer auf die Weiterreise nach Europa.

Wer glaubt, dass die Asylflut des Jahres 2015 schon der Höhepunkt der politisch geduldeten Massenzuwanderung war, könnte schon bald eines Besseren belehrt werden. In Spanien haben sich nun über mehrere Tage hinweg Ereignisse abgespielt, die in ihrer Intensität und Dramatik an den Roman „Das Heerlager der Heiligen“ erinnern. Waren es in dem bekannten Roman unzählige Inder, die an der Südküste Frankreichs landeten, verschafften sich nun hunderte Afrikaner gewaltsam Zugang zum spanischen Territorium.

Bereits am vergangenen Freitag hatten über 1.000 Afrikaner versucht, über den Zaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta zu klettern, um auf europäischen Boden zu gelangen. 500 Menschen ist der illegale Grenzübertritt gelungen, weil die marokkanischen Grenzkräfte offenbar kaum noch Anstrengungen unternehmen, um die Masseninvasion nach Europa zu verhindern.

Der „Bild“-Zeitung soll nun ein interner Bericht der deutschen Sicherheitsbehörden vorliegen, dem zufolge in den Mittelmeeranrainerstaaten fast sechs Millionen Menschen auf die Weiterreise nach Europa warten. So harren in der Türkei 2,93 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern aus, in Jordanien sind es 710.000. Im nordafrikanischen Libyen wollen 1,2 Millionen Migranten nach Europa übersetzen, in Ägypten sollen es rund 500.000 sein. In den Maghreb-Ländern Tunesien, Algerien und Marokko kommen darüber hinaus noch 610.000 Menschen hinzu.

Die Fähigkeit und Bereitschaft der genannten Staaten, die Menschenmassen an der Weiterreise nach Europa zu hindern, ist kaum noch vorhanden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nutzt die potentiellen Zuwanderer als Druckmittel für internationale Verhandlungen und hat schon mehrfach damit gedroht, die Menschen in Busse zu setzen und nach Europa zu schicken. Auch die nordafrikanischen Regierungen versuchen immer öfter, mit dem Zuwanderungsdruck weitere Entwicklungshilfezahlungen seitens der europäischen Staaten zu erpressen. So beläuft sich die Höhe der deutschen Entwicklungshilfe allein im Fall Marokkos auf jährlich 486 Millionen Euro.

Es rächt sich nun, dass die EU den Schutz der europäischen Grenzen über Jahre hinweg stiefmütterlich behandelt hat. Statt die Bundeswehr in unzählige sinnlose Militäreinsätze in aller Welt zu verzetteln, hätte sie bereits längst an der Sicherung der europäischen Außengrenzen mitwirken müssen. Statt die Grenzkontrollen abzuschaffen, hätten sie auch weiterhin als Garant der inneren Sicherheit und als wirksamer Schutz vor illegaler Massenzuwanderung wirken müssen. Statt Entwicklungshilfezahlungen in Milliardenhöhe an Staaten zu verpulvern, die die Weiterreise von Zuwanderern nach Europa nicht verhindern und sich beharrlich weigern, abgelehnte Asylbewerber zurückzunehmen, sollte dieses Geld in die Wiedereinführung eines Bundesgrenzschutzes, die Verhinderung illegaler Zuwanderung und die Sicherung der Außengrenzen Europas investiert werden.

Wir brauchen die Festung Europa, wenn unser Kontinent nicht von einer afrikanischen Völkerwanderung überrollt werden soll.

 

Ronny Zasowk

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