»Es sind doch die patriotischen Kräfte, die eine Vision für ein besseres Europa haben …«

Interview mit dem schwedischen Patrioten Stefan Jacobsson (APF)

Der Schwede Stefan Jacobsson ist seit November 2015 Generalsekretär der nationalistischen Europapartei Alliance for Peace and Freedom (APF), der auch die NPD angehört. Die DS wollte mehr über Arbeit und politische Zielsetzung der neuen Formation wissen und fragte nach. Dieses Gespräch wurde in der Januar-Ausgabe 2017 der DEUTSCHEN STIMME veröffentlicht. Diese Ausgabe können Sie hier nachbestellen bzw. als PDF herunterladen: Digital-Ausgabe Januar 2017

DS: Herr Jacobsson, gestatten Sie zunächst eine Frage zu Ihrer Person. Sie sind schon seit frühester Jugend politisch aktiv und waren in den Jahren 2013 bis 2015 Vorsitzender der nationalistischen »Partei der Schweden« (Svenskarnas parti, SVP). Welcher innere Impuls oder welche Erlebnisse haben Sie dazu bewogen, politisch in dieser Richtung aktiv zu werden?

Diese Frage habe ich mir selbst viele Male gestellt, und ich kann eigentlich keine einzelne Begebenheit oder ein spezielles Ereignis benennen, das als Auslöser angeführt werden könnte, sich der nationalistischen Politik zuzuwenden. Ich wuchs jedoch auf einer kleinen Insel abseits der Küste Göteborgs auf, und seit ich mich erinnern kann, war da dieser deutliche Kontrast zwischen der gewachsen- übereinstimmenden Gesellschaft, in der ich aufwuchs, und der multikulturellen Großstadt. Und für mich war von Anfang an klar, welche Gesellschaftsform ich bevorzugte. Darüber hinaus hatte ich, solange ich zurückdenken kann, bereits ein Gefühl sowohl für Identität als auch das Empfinden eines Stolzes auf das Erbe meines Volkes, was die Inspiration hinter meinem Bekenntnis ausmachte. DS: Wie würden Sie folglich Ihre politischen Zielsetzungen für Ihr Land und für Europa beschreiben? Zusammenfassend ausgedrückt arbeite ich für die Idee eines Europas freier und unabhängiger Nationen – getragen von freien und unabhängigen Völkern. Ein Europa frei von EU-Bürokratie und Einmischungen seitens NATO, Vereinten Nationen (UN) oder anderen überstaatlichen Einrichtungen. Ein Schlüsselelement dieser Souveränität ist nicht allein die Hoheit über die Grenzen, ebenso wichtig ist auch die Frage des Geldsystems: nicht nur sollte jedes Land über seine eigene Währung verfügen, sondern die Geldschöpfung sollte vor allem beim Staat liegen – und nicht bei privaten Finanzinstituten und Banken.

DS: Sie sind Generalsekretär der am 4. Februar 2015 gegründeten Alliance for Peace and Freedom (Allianz für Frieden und Freiheit, APF), haben sich also für den Weg der Kooperation der nationalen Kräfte in Europa entschieden. Welche Zielsetzung verfolgen Sie damit? Wollen Sie uns den Gründungsgedanken der APF etwas näher erläutern?

Unsere politischen Gegner begannen bereits vor vielen Jahren, auf globaler Ebene zu arbeiten, weil sie die Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit erkannt hatten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dies ist etwas, woran es innerhalb der nationalistischen Gruppen und Parteien in Europa mangelte, und wenn es sicherlich auch einige kleinere Initiativen und Versuche gegeben hatte, fehlte dennoch eine geeignete Plattform dafür, eine solche Arbeit in der Praxis duchzuführen. Mit der Alliance for Peace and Freedom haben wir einen Weg gefunden, wie wir wirkungsvoll zusammenarbeiten, uns gegenseitig unterstützen sowie Erfahrungen und Fachwissen austauschen können. Im Guten wie im Schlechten leben wir in dieser »globalen Welt« und haben unsere Strategien und Methoden dem 21. Jahrhundert anzupassen. Wir sehen uns alle den gleichen Bedrohungen ausgesetzt, haben die gleichen Probleme in unseren Ländern, und nur wenn wir zusammenarbeiten, sind wir überhaupt in der Lage, einen nachhaltigen Wandel in ganz Europa zu vollziehen.

DS: Die APF bekam in diesem Jahr erstmalig Geld vom Europäischen Parlament. Welche Voraussetzungen waren hierfür zu erfüllen und wie setzen Sie diese Mittel ein?

Der Anerkennung als politische Partei auf europäischer Ebene liegen zahlreiche Auflagen zugrunde. Man muß beispielsweise den »Europäischen Werten« genügen, über mindestens einen Europaabgeordneten und sieben Parlamentarier eines National- bzw. Regionalparlaments aus wiederum sieben verschiedenen Ländern verfügen, um nur einige wenige der vielen Anforderungen zu nennen. Betreffend der finanziellen Mittel, die uns seitens des Europäischen Parlaments gewährt werden, müssen diese für APF-bezogene Aktivitäten, wie Versammlungen, Konferenzen, Informationsmaterial und ähnliches verwendet werden. 2016 eröffneten wir einen Hauptsitz in Brüssel, organisierten mehrere Konferenzen, gaben Bücher heraus, führten Erkundungsmissionen, sowohl in Syrien als auch in Weißrußland und viele andere Aktivitäten durch.

DS: Der politische Gegner wird die Verwendung von Geldern der Europäischen Union sicherlich kritisieren und die Frage stellen, wie nationalistische Kräfte überhaupt auf den Gedanken kommen, die Bühne des Europäischen Parlaments zu nutzen und Geldmittel von diesem in Anspruch zu nehmen. Die Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek, beklagte kürzlich: »Europas Feinde werden unterstützt.« Was entgegnen Sie ihr?

Ja, ich weiß, doch ist dies natürlich völliger Unsinn! Es sind doch Ulrike Lunacek und ihresgleichen aus den Altparteien, die Europa zerstört haben. Wir brauchen doch nur die Entwicklung der letzten 15 bis 20 Jahre anzusehen. Wer möchte denn ernsthaft behaupten, daß es heute besser wäre als damals? Diejenigen sind doch verantwortlich für den Niedergang, dessen Augenzeuge wir wurden. Und es sind doch die patriotischen Kräfte, die noch Ideen haben, eine Vision für ein besseres Europa, und die erkannt haben, was getan werden muß, um die Sicherheit für ein freies Europa zu gewährleisten. Die wahren Feinde Europas sind doch diejenigen, die für die Masseneinwanderung und Zerstörung traditioneller Werte verantwortlich sind, diejenigen, die uns Gender-Theorien und radikalen Feminismus aufzwingen und die Auflösung der Familien betreiben.

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DS: Mittlerweile wird aufgrund des öffentlichen Drucks gegen die APF ermittelt, wohl mit dem Ziel, ihr die Finanzmittel abzuerkennen. Wie haben wir dieses Verfahren und seine Erfolgsaussichten einzuschätzen?

Seit ich denken kann, war ich stets ein Optimist. Man muß dies bei dieser Art von Arbeit vermutlich auch sein. Diese Ermittlungen gegen die APF sind rein politischer Natur und entbehren jeglichen substanziellen Inhalts. Unsere Gegner bedienen sich jeglicher Mittel, um uns zu schwächen. Sie fürchten, daß der Nationalismus an Stärke gewinnt, wenn uns die gleichen Möglichkeiten gewährt würden wie allen anderen auch. Jedoch aus objektiver und streng gesetzlicher Sicht haben wir nichts falsch gemacht. Wir halten uns in allem an die Regeln und Bestimmungen und erfüllen sämtliche Kriterien des Europäischen Parlaments. Natürlich wird man von den Versuchen, uns zu sabotieren, nicht ablassen, aber ich denke, daß es dennoch realistisch ist, davon auszugehen, auch 2017 die Finanzierung zu erhalten. Doch unabhängig davon haben wir im Augenblick eine gute Plattform und werden unsere Arbeit fortsetzen – so oder so. Wenn wir auf das Jahr 2015 zurückblicken, leisteten wir tatsächlich mehr Arbeit als einige der anderen politischen Europaparteien, obwohl wir damals noch keine Finanzierung erhielten. Wir sind daran gewöhnt, unsere politische Arbeit auch mit kleinen Budgets umzusetzen.

DS: Die APF ist bislang vor allem durch die Veranstaltung sehr interessanter Kongresse in die Öffentlichkeit getreten. Der letzte fand am 12. November 2016 unter dem Titel »United against Immigration and Terrorism« (»Vereint gegen Einwanderung und Terrorismus«) statt, der mit 400 Teilnehmern sehr gut besucht war. Worum ging es dabei genau und was wollen Sie mit diesen Veranstaltungen konkret erreichen?

Es ist aus mehrerlei Hinsicht wichtig, solche Konferenzen zu organisieren. Hauptsächlich zeigt dies die Einigkeit unter den patriotischen Kräften Europas – und dies stärkt uns einerseits, während es gleichzeitig unsere Gegner schwächt. Für die Teilnehmer solcher Konferenzen ergibt sich die Möglichkeit, sich mit anderen Nationalisten zu vernetzen, neue Beziehungsgeflechte aufzubauen und in Zukunft zusammenzuarbeiten. Aber auch die Inspiration durch die Vorträge in einer solchen Atmosphäre darf nicht unterschätzt werden. In Zeiten wie diesen ist es – wenn wir sehen, was in unseren Heimatländern vor sich geht – oftmals wichtig, seine »Batterien wieder aufzuladen«, um neue Kraft zu schöpfen. Und Versammlungen dieser Art sind wirklich etwas Besonderes. Für die APF sind diese Konferenzen aber auch aus der finanziellen Perspektive von Bedeutung. Selbst wenn eine Konferenz, wie wir sie veranstalten, einmal ein finanzielles Verlustgeschäft darstellen sollte, ist es grundsätzlich wichtig, eigene Einnahmen zu generieren, allein weil es eine der Anforderungen für eine öffentliche Bezuschussung einer Europapartei ist, über eigene Einnahmen zu verfügen. Hierfür ist es erforderlich, 15 Prozent des Gesamtbudgets aus eigenen Einkünften zu erzielen, da ansonsten Teile der erhaltenen Finanzzuschüsse zurückerstattet werden müssen.

DS: Abgesehen von der beschriebenen Netzwerkarbeit, die Sie da leisten: Ist es denkbar, daß die APF irgendwann auch an Wahlen teilnehmen wird?

Ja, eine der Herausforderungen ist, daß wir darauf abzielen müssen, gegebenenfalls auch an Europawahlen teilnehmen zu können. Ob es uns gefällt oder nicht, müssen wir auf allen vorhandenen Ebenen agieren – und so lange es diese Europäische Union gibt, müssen wir versuchen, unsere Positionen dort auszubauen. Denn sollte es eines Tages dazu kommen, daß Europawahlen allein über Europaparteien zu erfolgen haben, dann sollten wir bereits mit einer funktionierenden Organisationsstruktur am Start sein, um vielleicht sogar einen Vorsprung zu haben. Aber gegenwärtig liegt der Fokus noch nicht auf Wahlteilnahmen. Vielmehr sind wir eine weltanschauliche Denkfabrik, ein Netzwerk und ein europäischer Koordinator. Wir konkurrieren nicht mit den nationalistischen Parteien auf nationaler Ebene, sondern suchen nach Wegen, wie wir mit Blick auf unser gemeinsames Ziel helfen und unterstützen können.

DS: Sie betreiben derzeit eine Mitgliederkampagne in ganz Europa; in Deutschland haben Sie schon mehr als hundert Mitglieder. Was sind die Voraussetzungen, um Mitglied werden zu können?

Ja, das Interesse Mitglied zu werden, ist in Deutschland zunehmend vorhanden, und ich bin froh, daß viele Patrioten bereit sind, uns zu unterstützen. Es gibt zwei Arten der Mitgliedschaft: Zum einen gibt es die individuelle Vollmitgliedschaft – diese ist gegenwärtig nur für Personen offen, die bereits Mitglied einer unserer Mitgliedsparteien im jeweiligen Land sind, in Deutschland ist dies beispielsweise die NPD. Als solches Vollmitglied verfügt man über ein Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung bzw. über das Recht, für ein Amt im Vorstand zu kandidieren. Diejenigen, die nicht Mitglied einer der nationalen APF-Mitgliedsparteien sind, haben dennoch die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft zu einem geringeren Beitrag. Diese verfügen zwar über kein aktives und passives Wahlrecht innerhalb der APF, werden aber ebenso zu Aktivitäten, Versammlungen und Konferenzen der APF eingeladen. Zudem ist erstmalig für 2017 vorgesehen, allen APF-Mitgliedern vierteljährlich eine kostenlose Mitgliederzeitschrift zukommen zu lassen.

DS: Im letzten Frühjahr wurde das Hauptquartier der APF in Brüssel eröffnet, gegen das sich starke Gegenaktivitäten seitens Ihrer Gegner richten. Welche Arbeit wird in Brüssel geleistet, und wie kann man sich diese dort unter den Augen der Brüsseler EU-Bürokratie dort vorstellen?

Das »Georgios-und-Manos-Zentrum«, wie die APF-Hauptniederlassung im Andenken an die 2013 vor dem Büro der »Goldenen Morgenröte« ermordeten Mitglieder unserer griechischen Mitgliedspartei genannt wurde, ist für uns sehr wichtig. Es bedeutet eine Präsenz im Herzen der europäischen Nachbarschaft, vor allem aber die Gelegenheit, uns regelmäßig zu treffen und gemeinsam arbeiten zu können. Selbstredend wurden dort regelmäßig Vorträge, Schulungen und kleinere Konferenzen organisiert, wodurch sich diese Adresse schnell zu einem selbstverständlichen Treffpunkt für Nationalisten entwickelte, die uns besuchen, um unsere Arbeit im Brüsseler Areal kennenzulernen. Unter der Brüsseler Bürokratie zu wirken, ist jedoch eine permanente Herausforderung. Es existiert eine Fülle von Regularien, mit denen es gilt, vertraut zu werden. Doch denke ich, daß wir in diesem Jahr viel Erfahrung gesammelt und uns dahingehend weiterentwickelt haben, um für 2017 noch besser gerüstet zu sein, nicht nur weiter voranzuschreiten, sondern viele entscheidende Schritte zur Erreichung unserer Ziele zu tun.

DS: Herr Jacobsson, lassen Sich uns abschließend noch eine offene Frage stellen, deren Beantwortung aber sicherlich mit am interessantesten für unsere Leser sein dürfte: Wie würde – oder wird – das Europa des 21. Jahrhunderts aussehen, wenn es nach den Prinzipien der Alliance for Peace and Freedom aufgebaut würde?

Wir leben in aufregenden Zeiten. Eine Folge verblüffender Wahlniederlagen für das liberalistische Establishment sind Symptome eines Bürgerprotests gegen die selbsternannten Eliten und deren Demokratiedefizit. Wir sehen in ganz Europa, daß Parteien wie die AfD oder die Schwedendemokraten an Popularität gewinnen. Doch diese zwar kraftvollen, aber brüchigen bürgerlichen Empörungen sind buchstäblich reaktionäre Antworten auf die Globalisierung. Diese Millionen von Bürgern, die dem Establishment ins Gesicht schlugen, wissen zwar wogegen sie sind, verfügen allerdings über kein Leitbild dessen, wofür sie stehen. Diese Richtungslosigkeit ist sehr gefährlich. Die Globalisten wurden bis in die Knochen erschüttert, aber sie gruppieren sich bereits neu und planen ihre Gegenschläge. Und hier haben die APF und die nationalistischen Kräfte Europas eine wichtige Aufgabe vor sich. Der Gefahr ist nur zu begegnen, wenn traditionalistische und identitäre Kräfte eine schlüssige und positive Vision einer besseren Zukunft entwickeln. Die bisherigen Bürgerproteste reichen nicht aus! Um eine dauerhafte Veränderung sicherzustellen, müssen sie in einen weltanschaulichen Nationalismus einmünden. Einem Nationalismus, der die unterschiedlichen Völker und deren Recht auf ihre eigenen Länder anerkennt. Ein Nationalismus, der die Einrichtung der traditionellen Familie zu schätzen weiß. Auf lange Sicht muß es uns gelingen, eine europäische Kulturhoheit zu erzeugen, die sich über das gesamte politische Tableau erstreckt. Unser Ziel darf nicht weniger sein, als das gesamte politische Spektrum grundlegend zu ändern – die gesamte Kultur –, so daß unabhängig davon, welche politische Partei dereinst Wahlen gewinnt, unsere Völker nie wieder um ihr Überleben bangen müssen. Das ist der Weg, wie wir eine dauerhafte tatsächliche Wende erreichen wollen.

Herr Jacobsson, wir danken Ihnen recht herzlich für das gute Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! Das Interview führten DS-Chefredakteur Peter Schreiber und DS-Autor Sascha A. Roßmüller, der auch die Übersetzung besorgte.

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