Franz Joseph I.: Ein Kaiser als Mythos

Vor gut 100 Jahren starb der österreichische Kaiser Franz Joseph I., der sein Reich fast 68 Jahre regierte

Eine leicht gekürzte Version dieses Beitrages erschien in der Druckversion der Januar-Ausgabe der Deutschen Stimme:

Wer sich auch nur oberflächlich mit Kaiser Franz Joseph I. beschäftigt, der bleibt sofort an zwei Zahlen hängen: Der am 18. August 1830 auf Schloss Schönbrunn nahe Wien geborene Monarch regierte vom 2. Dezember 1848 bis zu seinem Tod am 21. November 1916, also fast 68 Jahre lang. Selbst der Ende vergangenen Jahres verstorbene kubanische Diktator Fidel Castro brachte es zwischen 1959 und 2006 „nur“ auf eine Regierungszeit von 47 Jahren, und gilt damit als der Herrscher, der in neuerer Zeit am längsten regierte.

Arne Schimmer

Die enorm lange Regentschaft von Franz Joseph I. wurde nur möglich, weil er schon im Alter von 18 Jahren im Thronsaal der fürstbischöflichen Residenz von Olmütz zum Kaiser proklamiert wurde. Zuvor war der kaiserliche Hof wegen der Revolution von 1848 aus Wien geflohen, und auch die frühe Inthronisation von Franz Joseph war nur unter dem enormen Druck der Verhältnisse denkbar. Zwischen 1835 und 1848 hatte Ferdinand I. den Titel eines österreichischen Kaisers innegehabt. Dieser Onkel von Franz Joseph war zwar nicht schwachsinnig, aber er war den Ansprüchen seines Amtes nicht gewachsen, weshalb für ihn eine Geheime Staatskonferenz, die aus seinem Bruder Erzherzog Franz Karl, dem Staatskanzler Klemens von Metternich und dem für die Innenpolitik zuständigen Staatsminister Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky bestand, regierte.

Großdeutsche Träume

Um Ferdinand I. ranken sich zahlreiche Anekdoten. Die berühmteste ist die aus den Anfangstagen der Revolution im März 1848, als er mit Kanzler Metternich die aufgebrachte Menge aus einem Fenster der Hofburg betrachtete und schließlich fragte: „Was mach’n denn all die viel’n Leut’ da? Die san so laut!“ Als Metternich antwortete: „Die machen eine Revolution, Majestät“, soll Ferdinand daraufhin erstaunt und konsterniert erwidert haben: „Ja, dürfen s’ denn des?“ Es war jedenfalls klar, dass Ferdinand den Umbrüchen und Revolutionen, die an vielen Stellen seines Reiches ausbrachen, nicht gewachsen war. Franz Joseph I., der vor seiner Inthronisierung den Titel „Erzherzog Franz Joseph Karl von Österreich“ trug, war hingegen die Hoffnung der Familie. Schon anlässlich seines 13. Geburtstages wurde er zum Oberst des Dragonerregiments Nr. 3 ernannt, und schon hier hatte das Kind immer ein gutes Wort für jeden Soldaten übrig, „mit einer Natürlichkeit, einem Anstand und einer Würde, die man in seinem Alter nicht erwartet hätte“, wie Eberhard Straub in seiner Arbeit „Drei letzte Kaiser“ feststellte.

Franz Joseph I., um 1885

Franz Joseph I., um 1885

Vom ersten Tag seiner Thronbesteigung an – das war zumindest der Eindruck der Zeitgenossen – regierte mit Franz Joseph I. ein erwachsener Mann. Das war auch nötig, denn die Habsburger hatten wesentlich größere Probleme, ihr Reich zusammenzuhalten, als beispielsweise die Hohenzollern. Die Revolution brach nicht nur in Deutsch-Österreich aus, sondern mit voller Wucht auch in Böhmen, in Ungarn und den italienischen Besitzungen Österreichs. Im Verlauf des Jahres 1848 schien es für eine kurze Zeit so, als sollte sich der großdeutsche Traum verwirklichen. Im April 1848 hatte man auch in Wien auf dem Stephansturm und der Hofburg die schwarz-rot-goldene Fahne gehisst und sang Ernst Moritz Arndts Lied „Was ist des Deutschen Vaterland“.

In den Teilen des Kaiserreichs Österreich, die zum Deutschen Bund gehörten, wählte man die Frankfurter Nationalversammlung mit, in der am 29. Juni 1848 mit Erzherzog Johann ein Österreicher zum „Reichsverweser“, also zum Regierungschef, der die Minister ernannte, gewählt wurde. Vertreten waren in Frankfurt dann allerdings nur 33 österreichische Abgeordnete deutscher Muttersprache aus Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien. Der tschechische Historiker František Palacký hingegen lehnte eine Einladung, sich mit tschechischen Abgeordneten an der Frankfurter Nationalversammlung zu beteiligen, ab, da er sich als Tscheche nicht mit dem großdeutschen Staatsgedanken befreunden könne. Die Paulskirchenabgeordneten wiederum lieferten sich erregte Verfassungsdebatten, ohne zu erkennen, dass es in dieser Situation eigentlich viel wichtiger war, eine tatsächliche, bewaffnete Zentralgewalt zu schaffen. Im Oktober 1848 wurde der Wiener Oktoberaufstand durch die beiden kaiserlichen Generäle Alfred zu Windisch-Graetz und Joseph Jelačić niedergeschlagen. Die Hinrichtung des Abgeordneten der Frankfurter Paulskirche, Robert Blum, am 9. November 1848 nach der Einnahme der Stadt, der eigentlich parlamentarische Immunität genoss, war ein Zeichen für die faktische Machtlosigkeit des Frankfurter Parlaments, aber wohl auch abgesehen davon selbst nach den strengen Bestimmungen des Standrechts ein Justizmord, da Blum in die vorhergehenden Kämpfe weder eingegriffen noch zu längerem Widerstand aufgerufen hatte.

Solferino und Königgrätz

Doch auch nach der Niederschlagung der Revolution in den deutschen Teilen des Kaiserreichs und der Proklamation Franz Josephs waren Teile der Habsburgermonarchie – insbesondere Ungarn und Österreichisch-Italien – weiter in der Hand der Aufständischen, so dass der junge Kaiser größte Probleme hatte, seinen Machtanspruch durchzusetzen. In der Schlacht bei Novara am 23. März 1849 siegte dann allerdings der über 80 Jahre alte Heerführer der Habsburger, Josef Wenzel Radetzky, gegen die italienische Revolutionsarmee. In Ungarn war die Situation für Franz Joseph nochmals schwieriger. Hier hatte der Nationalrevolutionär Lajos Kossuth die Republik ausgerufen und regierte mit diktatorischen Vollmachten. Franz Joseph konnte die Kontrolle über Ungarn nur mit Hilfe russischer Truppen zurückgewinnen, die Zar Nikolaus I. dem schwer in Bedrängnis geratenen jungen Habsburger schickte. Die fortschrittliche „Oktroyierte Märzverfassung“, die am 4. März 1849 von Franz Joseph erlassen wurde und das Kaiserreich Österreich für kurze Zeit in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte, wurde vom Kaiser dann schon wieder am 31. Dezember 1851 mit dem Silvesterpatent außer Kraft gesetzt.

Franz Joseph regierte nun für 16 Jahre in der Ära des sogenannten Neoabsolutismus tatsächlich ganz alleine und ohne jede Gewaltenteilung – auch ohne die Mitspracherechte der Landstände, die in Österreich teilweise schon im Hochmittelalter entstanden waren. Er machte aber nicht alle Errungenschaften der 1848er-Revolution rückgängig, behielt beispielsweise die Bauernbefreiung bei, und nutzte seine fast vollkommene Verfügungsmacht vor allem zum Ausbau der Verwaltung. In die Zeit des Neoabsolutismus fällt auch die Zeit des Umbaus Wiens zu einer modernen Groß- und Weltstadt, auf den Franz Joseph großen Wert legte, und der mit dem Abriss der alten Stadtmauern und dem Beginn des Baus der Ringstraße im Jahr 1858 begann. Es kam in der Folge allerdings zu zwei Ereignissen, die das Schicksal Österreichs völlig veränderten und die eine Beendigung der neoabsolutistischen Ära notwendig machten. Das erste dieser Ereignisse war die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859, bei der die österreichischen Armeen eine Niederlage gegen das Königreich Sardinien und dessen Verbündeten, den französischen Kaiser Napoleon III., erlitten, und die den Weg für die italienische Einigung freimachte.

Das zweite, noch erschütterndere Ereignis für die Habsburgermonarchie war dann der Deutsche Krieg des Jahres 1866, den Preußen gegen Österreich gewann. „Casca il mondo“ – „Die Welt stürzt ein“ – das war die berühmte Reaktion von Giacomo Antonielli, des Kardinalstaatssekretärs im römischen Kirchenstaat, auf den Sieg der preußischen Truppen in der Schlacht von Königgrätz, denn nun war endgültig klar, dass die Habsburger nicht länger mehr über die Mitte Europas herrschten. Aber wie war es zum Bruderkrieg gekommen? Im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 waren preußische und österreichische Truppen noch als Verbündete und Führungsmächte des Deutschen Bundes in die beiden Elbherzogtümer Schleswig und Holstein einmarschiert, um so die faktische Annexion Schleswigs durch Dänemark zu verhindern. Nach dem Krieg einigten sich die beiden Siegermächte Österreich und Preußen in der Gasteiner Konvention auf eine Verwaltung der beiden Elbherzogtümer in der Form eines Kondominiums, also einer gemeinschaftlich ausgeübten Herrschaft. Doch diese Lösung hatte nicht lange Bestand.

Streit um die Führung des Deutschen Bundes

So entzündete sich der Deutsche Krieg des Jahres 1866 vordergründig an der Schleswig-Holstein-Frage, im Kern war allerdings klar, dass es um die Führungsrolle innerhalb des Deutschen Bundes ging. Am 1. Juni 1866 hatte der österreichische Vertreter in der Frankfurter Bundesversammlung den Vorschlag gemacht, die Schleswig-Holstein-Frage einer endgültigen Regelung durch den Bund zu überlassen, was Preußen als Bruch der Gasteiner Konvention und des darin vereinbarten Kondominiums interpretierte. Schon am 7. Juni rückten preußische Truppen in Holstein ein. Die beiden Gegner behandelten sich hier noch in ausgesuchter Höflichkeit: Eine österreichische Brigade verließ Kiel unter den Klängen der habsburgischen Kaiserhymne, die von der Kapelle eines preußischen Seebataillons gespielt wurde. Doch stärker denn je drohte nun ein heißer Krieg. Es ging vor allem um die meistdiskutierte Frage der damaligen Zeit, nämlich die Reform des Deutschen Bundes, und seine mögliche Weiterentwicklung zu einem deutschen Nationalstaat. am 9. April 1866 hatte der preußische Gesandte in der Bundesversammlung, Karl Friedrich von Savigny, im Auftrag von Bismarck den Antrag gestellt, künftig ein deutsches Nationalparlament wählen zu lassen. Besonderes Aufsehen an diesem preußischen Bundesreformplan des Jahres 1866 erregte der preußische Vorschlag, als Wahlgesetz das 1849 vom revolutionären Paulskirchenparlament beschlossene Reichswahlgesetz zu verwenden, das eine allgemeine, gleiche und direkte Wahl vorsah. Der preußische Urkonservative Bismarck hatte als „weißer Revolutionär“ (so der Titel der Bismarck-Biographie von Lothar Gall) einmal mehr alle Gegner überrascht und sich eine Forderung des liberalen und nationalrevolutionären Deutschlands zueigen gemacht. Am 10. Juni, nach dem preußischen Einmarsch in Holstein, präzisierte Savigny den Reformplan noch und schlug vor, dass der neue Bund aus den alten Ländern bestehen sollte, mit Ausnahme Österreichs sowie der niederländischen Gebiete Luxemburg und Limburg, und der neue Bund ein „gemeinsames und einheitliches Zoll- und Handelsgebiet“ bilden sollte, wobei die deutschen Landesteile Österreichs „mit besonderen Verträgen“ angebunden werden sollten. Am 14. Juni 1866 stimmte freilich schon eine Mehrheit der Bundesversammlung dem österreichischen Antrag der Mobilisierung von Bundestruppen gegen Preußen wegen dessen Einmarschs in Holstein zu.

Den Deutschen ist zum Glück ein blutiger und jahrelanger Sezessionskrieg im Stile des Amerikanischen Bürgerkriegs, der von 1861 bis 1865 tobte, erspart geblieben. Zum bodenlosen Entsetzen Napoleons III., der auf ein langsames, jahrelanges Ausbluten der beiden mächtigsten deutschen Staaten gesetzt hatte, um dann ausgeruht mit seinen Truppen die Bühne betreten und Deutschland nach seinen Vorstellungen neu ordnen zu können, war der Bruderkrieg dann schon am 3. Juni 1866 mit der Schlacht bei Königgrätz, der zweiten großen Massenschlacht des 19. Jahrhunderts nach der Völkerschlacht bei Leipzig, militärisch entschieden.

Der Weg zur k. u. k. Doppelmonarchie

Wappen Kaiser Franz Josephs I. von Österreich mit dem Wappenspruch Viribus Unitis (»Mit vereinten Kräften«)

Wappen Kaiser Franz Josephs I. von Österreich mit dem Wappenspruch Viribus Unitis (»Mit vereinten Kräften«)

Am Ende setzten sich die technische Überlegenheit Preußens in Form des schnell nachladbaren Zündnadelgewehrs und seine modernisierten Führungsmechanismen durch. Bismarcks Bravourstück war es nun, seinen König Wihelm I. von allen Annexionsplänen abzubringen. Im Hauptquartier der preußischen Armee in Nikolsburg äußerte er zu Wilhelm die prophetischen Worte: „Was soll an die Stelle Europas gesetzt werden, welche der österreichische Staat von Tirol bis zur Bukowina bisher ausfüllt? Neue Bildungen auf dieser Fläche könnten nur dauernd revolutionärer Natur sein. Deutsch-Österreich könnten wir weder ganz noch teilweise brauchen, eine Stärkung des preußischen Staates durch Erwerbung von Provinzen wie Österreich-Schlesien und Stücken von Böhmen nicht gewinnen, eine Verschmelzung des deutschen Österreichs mit Preußen würde nicht erfolgen, Wien als ein Zubehör von Berlin aus nicht zu regieren sein.“

Mit der Gewährung eines äußerst milden Friedens rettete er auch das Reich Franz Josephs. Erst mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich des Jahres 1867, der Ungarn eine so umfassende Autonomie gewährte, dass beide Reichshälften nur noch durch die beiden Klammern des Kaisers und des Heers verbunden waren, wurde Franz Joseph zu einem Reformkaiser, der den Vergleich mit den größten deutschen Monarchen nicht zu scheuen braucht. In die Geschichtsbücher ging er ein als Herrscher über die durch den Ausgleich im Jahr 1867 entstandene k. u. k. Doppelmonarchie, die er als österreichischer Kaiser und ungarischer König regierte.

Die notwendigen Reformen seines Reichs konnte er nur mit Hilfe der eisernen Disziplin durchführen, die ihm gegeben war. Er war ein Preuße auf dem Habsburgerthron. Sein Biograph Eberhard Straub berichtet über seinen Arbeitsalltag: „Um halb vier Uhr morgens wurde er geweckt und sprang sofort mit einem Morgengruß aus dem Feldbett. […] Um fünf Uhr gab es ein kleines Frühstück, anschließend begannen Aktenstudium und Berichterstattung. […] Spätestens um 23.00 Uhr ging er zu Bett. […] Für sich selber war Franz Joseph anspruchslos. Nur Wäsche und Socken wurden sofort erneuert, wenn sie einen kleinen Schaden aufwiesen. Sehr großzügig erwies er sich stets anderen gegenüber.“ Diese Disziplin half ihm wohl auch über zahlreiche Schicksalsschläge hinweg: Sein Sohn Rudolf brachte sich in einem Doppelselbstmord mit seiner Geliebten im Jagdhaus der Familie um, seine Frau Elisabeth – die später in den berühmten „Sisi“-Filmen von Romy Schneider verkörpert wurde – wurde am Ufer des Genfer Sees von einem italienischen Anarchisten erdolcht, sein Bruder Maximilian in Queretaro hingerichtet, nachdem das Wagnis misslang, ihn zum mexikanischen Kaiser krönen zu lassen, sein Neffe Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger, und seine Frau wurden 1914 in Sarajevo vom Terroristen Gavrilo Princip erschossen.

Wirtschaftswachstum und Reformen

Dabei hatten seine Untertanen keinen Grund zu klagen: Seit 1907 galt zumindest im österreichischen Landesteil das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht, das durch einen historischen Kompromiss zwischen Krone, Bürokratie und der vorwiegend durch die 1889 in Hainfeld gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) repräsentierten Arbeiterschaft erreicht wurde. Die elf amtlichen Nationalitäten des Reichs – Deutsche, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Kroaten, Serben Rumänen, Ruthenen, Polen und Italiener – genossen zumindest im deutschen, „cisleithanischen“ Reichsteil eine strenge Gleichberechtigung. Insbesondere im letzten Jahrzehnt vor dem Krieg wurde die Doppelmonarchie durch die kluge Politik seines Monarchen zu einem regelrechten „Tigerstaat“, dessen Wirtschaft stark wuchs. Der australische Historiker Christopher Clark bemerkte dazu in seinem Buch „Die Schlafwandler“: „Was die Monarchie insgesamt angeht, sind sich die meisten Wirtschaftshistoriker einig, dass die Phase 1887 bis 1913 eine ‚industrielle‘ Revolution‘ oder einen Aufschwung zu einem nachhaltigen Wachstum mit den üblichen Indikatoren einer Expansion erlebte: Der Roheisenverbrauch stieg zwischen 1881 und 1911 auf das Vierfache, das Gleiche galt für das Schienennetz zwischen 1870 und 1900. Die Säuglingssterblichkeit ging zurück, während die Anzahl der Grundschulen die von Deutschland, Frankreich, Italien und Russland übertraf. In den letzten Jahren vor dem Krieg war Österreich-Ungarn und insbesondere Ungarn (mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 4,8 Prozent), eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Europa.“ Franz Joseph hatte es kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschafft: Das Habsburgerreich, das bei seiner Thronbesteigung als anachronistisches Relikt, als das „China Europas“ galt, war um 1900 herum einer der wohlhabendsten Staaten der Erde.

Sarkophage Franz Josephs und seiner Familie in der Kapuzinergruft

Sarkophage Franz Josephs und seiner Familie in der Kapuzinergruft

Als schlimme Wendung des Schicksals muss es auch im Rückblick erscheinen, dass im Jahr 1903 das habsburgerfreundliche serbische Königspaar Obrenović in Belgrad bestialisch ermordet wurde und die österreichfeindliche Dynastie Karadjordjevic das Zepter übernahm, was zur Duldung antiaustriakischer terroristischer Untergrundgruppen auf serbischem Territorium und in der Folge zum Ersten Weltkrieg führte. Sein Tod am 21. November 1916 ersparte es Franz Joseph, auch noch den Untergang seines Reiches miterleben zu müssen. Über Franz Joseph kann auch heute noch das Urteil gefällt werden, das schon seinen Eintrag in der von der „Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ herausgegebenen „Neuen Deutschen Biographie“ beschließt: „Sein Reich zu erhalten, den Vielvölkerstaat nach den Grundsätzen des Rechtes und der Gerechtigkeit zu regieren, ohne große Ambitionen die Großmachtstellung der Monarchie zu erhalten, war das Programm seines Lebens. Solange er lebte, war er die Verkörperung der Reichseinheit und des monarchischen Prinzips.“

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