Völkermord in Afrika?

Die Bundesregierung als Chef-Ankläger gegen das eigene Land

Ein marxistischer »Wissenschaftler« liefert Zeitgeist-Historikern bis heute Stichworte und falsche Zahlen

Die Bundesregierung ergeht sich wieder einmal in selbstanklägerischem Schuld-und-Sühne-Pathos und schmückt sich nun auch noch offiziell mit einem »Völkermord« an den Herero im früheren Deutsch-Südwestafrika. Durch die fortgesetzte Vorhaltung tatsächlicher oder angeblicher Verbrechen soll jedes deutsche Selbstbewußtsein unterdrückt und ein ganzes Volk neurotisiert werden. Vor allem sollen die Deutschen die Landnahme von Millionen Ausländern widerstandslos hinnehmen und ihre Selbstmarginalisierung noch als gerechte Strafe für ihre angebliche historische Schlechtigkeit begrüßen.

Jürgen Gansel

DS-Redakteur Jürgen Gansel

DS-Redakteur Jürgen Gansel

Der konservative Publizist Johannes Gross formulierte einmal: »Die Verwaltung der deutschen Schuld und die Pflege des deutschen Schuldbewußtseins sind ein Herrschaftsinstrument. Es liegt in der Hand aller, die Herrschaft über die Deutschen ausüben wollen, drinnen wie draußen.«

So überrascht es nicht, daß der Bundestag selbst die Verurteilung des türkischen Völkermords an den Armeniern (1915/1916) nutzte, um Deutschland eine Mitschuld anzudichten, weil es mit dem Osmanischen Reich verbündet war. Nirgendwo sonst kämen Spitzenpolitiker auf die Idee, die eigene Nation noch für die Verbrechen kurzzeitiger Verbündeter in Mithaftung zu nehmen.

Der türkische Präsident Erdogan nutzte die Armenien-Resolution umgehend, um Deutschland das moralische Recht zur Kritik am Armenier-Völkermord abzusprechen. Das verband er nicht nur mit dem Verweis auf den Holocaust, sondern auch auf das Geschehen im früheren Deutsch-Südwestafrika und heutigen Namibia, wo Tausende aufständische Herero im Kampf gegen die deutschen Kolonialtruppen starben.

Linke bejubelt deutsche Selbstanklage

Die Linksfraktion im Bundestag nahm den Ball des neuen Sultans gerne auf und richtete eine Anfrage an die Bundesregierung, um ihr eine Bewertung im Sinne eines Genozids zu entlocken. Nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die deutschen Handlungen bereits im Juli 2015 als »Völkermord« klassifiziert hatte, zog die Bundesregierung nun nach und sprach erstmals in einem offiziellen Dokument von einem »Völkermord« an den Herero.

Damit macht sich die Bundesregierung einen Kampfbegriff antideutscher Schuldankläger zu Eigen, den selbst der grüne Außenminister Joschka Fischer in seiner Amtszeit trotz Drängens Namibias sorgsam vermied.

Niema Movassat

Niema Movassat

Die Freude der Bundestags-Linken kannte keine Grenze, daß sich das offizielle Deutschland nun mit einem weiteren »Völkermord« schmückt und so weiterhin an der Umfälschung der eigenen Geschichte in ein Verbrecheralbum arbeitet. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat erklärte, es sei »gut, daß die Bundesregierung sich der Meinung der wissenschaftlichen Fachwelt anschließt und besser spät als nie von Völkermord spricht. Es wurde auch höchste Zeit sich von der unhaltbaren Position zu verabschieden, daß der Genozid-Begriff nicht für die Einschätzung historischer Ereignisse vor 1948 anwendbar wäre.«

Ausgerechnet ein marxistischer DDR-Historiker liefert Zeitgeist-Historikern noch heute die Interpretationsfolie für das Geschehen in Deutsch-Südwest. Nach ihrer Lesart beging die deutsche Schutztruppe einen Völkermord, als sie das Wüstengebiet der Omaheke abriegelte, in das die Aufständischen nach der Schlacht am Waterberg am 11. August 1904 geflohen waren. Zehntausende Herero – darunter Frauen und Kinder – sollen verhungert und verdurstet sein, obwohl 6000 Stammeskriegern nur 1.600 deutsche Soldaten gegenüberstanden. Mit ihrer Partisanentaktik setzten die Herero die Deutschen mächtig unter Druck und statt eines klaren Schlachtverlaufs ist in den Kriegsberichten der »Deutsch-Südwestafrikanischen Zeitung« von Angriffen und Gegenangriffen, taktischen Rückzügen und Scharmützeln die Rede.

»Tötet alle Deutschen!«

Der Kolonialkrieg brach aus, als Herero-Krieger Deutsche töteten, Farmen zerstörten, Eisenbahnlinien kappten und Handelsstationen verwüsteten. Am 12. Januar 1904 hatte der Stammesobere Samuel Maharero befohlen: »Tötet alle Deutschen!« Sofort wurden 123 deutsche Farmer, Händler und Soldaten ermordet. Die Antwort des Kaiserreichs fiel so aus wie bei jeder anderen europäischen Kolonalmacht: Die Aufständischen sollten bestraft und unschädlich gemacht werden.

15909837_717340398416651_1497260236_nDie deutsche Schutztruppe umfaßte zu dieser Zeit nur 2000 Mann, während die Herero 8000 Krieger zählten. Neutrale Historiker halten es nicht nur aufgrund dieser Zahlenverhältnisse, sondern auch wegen des Zustandes der Schutztruppe für unvorstellbar, daß diese zu einer Völkermord-Maschine mutieren konnte.

Walter Nuhn, ein Kenner der deutschen Kolonialzeit in Afrika, berichtet in seinem Buch »Sturm über Südwest« von einem beklagenswerten Zustand der Schutztruppe. Diese habe weder Afrika-erfahrene Offiziere noch tropentaugliche Ausrüstung gehabt. Die Munition sei knapp gewesen, das Kartenmaterial ungenau, die Gesundheitsversorgung schlecht, die Nahrung für die Reit- und Zugtiere unbrauchbar und die Kommunikation zwischen Truppenteilen störanfällig.

Die Nationalarchivarin Brigitte Lau wertete den fast viertausendseitigen »Sanitätsbericht über die kaiserliche Schutztruppe für Südwestafrika« aus und stellte fest, daß dieser Regierungsbericht ein »Bild des Elends, der Unfähigkeit, des Leidens und der Schwäche« zeigt – gemeint sind die Deutschen und nicht die Herero.

Berüchtigtes »Blaubuch« der Briten

drechslerMan hält es kaum für möglich, daß die Folie der offiziellen Kolonialgeschichtsschreibung noch heute vom DDR-Historiker Horst Drechsler stammt, dessen oberster Antrieb es war, die BRD in eine böse deutsche Kolonialtradition zu stellen. In einem 1966 erschienenen Buch stützte sich dieser »Wissenschaftler« auf das »Blue Book« der Briten von 1918. Das war eine üble Propagandaschrift, die den Deutschen in Südwestafrika besondere Grausamkeiten andichtete, um ihnen bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag jede moralische Eignung als politische Führungsmacht absprechen zu können.

Obwohl Drechsler den Zweck des Pamphlets kannte, stützte er seine These von deutschen »Methoden des Genozids« genau darauf. Die britische Regierung ließ das »Blaubuch« übrigens 1926 aus dem Verkehr ziehen, weil es ihr zu peinlich wurde und es seinen Diffamierungszweck erfüllt hatte. Die auf einem britischen Lügenwerk beruhenden Urteile Horst Drechslers wurden von den meisten deutschen Kolonialhistorikern übernommen und nicht selten als Vorspiel zum Holocaust hochstilisiert. Das irre Motto: von Deutsch-Südwestafrika nach Auschwitz.

Eine rühmliche Ausnahme bildet die schon erwähnte Historikerin Brigitte Lau, die ab 1991 das namibische Nationalarchiv in Windhuk leitete und jahrelang zum Herero-Krieg forschte. Das angebliche Belastungsmaterial fand sie »erschreckend unvollständig« und stellte fest, daß es für eine »in die Tat umgesetzte Kolonialpolitik des Genozids« keine Beweise gebe.

Den Phantasiezahlen sind trotzdem kaum Grenzen gesetzt: 60 000 bis 80 000 Herero sollen zwischen 1904 und 1908 ums Leben gekommen sein. Dabei gibt es glaubhafte Aussagen von Zeitzeugen, wonach es gar nicht so viele Stammesmitglieder gegeben hat wie umgekommen sein sollen. Der deutsche Missionar Friedrich Bernsmann teilte mit, daß die Zahl der Herero vor dem Krieg »nicht viel mehr als 35 000 betragen« habe und 1906 – also nach der Schlacht am Waterberg und der Flucht der Aufständischen durch Omaheke – »23 000 bis 25 000 vorhanden« waren. Der Kirchenmann resümierte: »Danach wären 10 000 bis 12 000 infolge des Aufstandes zugrunde gegangen.«

Genozid-These als »geschichtlicher Unsinn«

Schuldkonstrukteur Horst Drechsler behauptete, daß nur »ein verschwindend geringer Teil der 80 000 Herero« die Wüstenwanderung überlebt hat. Brigitte Lau sprach hingegen von einem »nationalen Exodus«, den die Stammesführer der Herero selbst beschlossen hatten. Die Historikerin bestreitet die landläufigen Zahlen zur Vorkriegsstärke der Herero und ihren Kriegsopfern. Aus diesen »ungewissen Gewißheiten« einen deutschen Genozid abzuleiten, sei »geschichtlicher Unsinn«.

Als Leibhaftiger muß immer wieder der Oberkommandeur der Schutztruppe, Generalleutnant Lothar von Trotha, herhalten. Er war ganz sicher ein »harter Hund«, der von der kulturellen Überlegenheit seines Landes überzeugt war und keinerlei Verständnis für die Aufständischen hatte. Damit unterschied er sich allerdings kein bißchen von britischen oder französischen Kolonialoffizieren.

15942300_717340228416668_1572813364_nDen 100. Jahrestag des Herero-Aufstandes feierte die Bundesregierung im Jahr 2004 natürlich mit. Die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) frohlockte in Namibia, daß ein General von Trotha heute wegen Völkermordes abgeurteilt würde: »Die damaligen Gräueltaten waren das, was heute als Völkermord bezeichnet würde – für den ein General von Trotha heutzutage vor Gericht gebracht und verurteilt würde.«

Bei allem Selbstbezichtigungswahn betont die heutige Bundesregierung ihrer Stellungnahme zum Herero-Krieg, daß ein Völkermord »in einer historisch-politisch geführten öffentlichen Debatte« auch in einem »nicht rechtlichen« Sinn definiert werden könne. Allein aus der Verwendung des Völkermordbegriffs entstünden keine Rechtsfolgen und damit auch keine finanziellen Wiedergutmachungspflichten.

Die feine Differenzierung dient der Abwehr weitergehender finanzieller Entschädigungsforderungen von Herero-Vertretern. Dabei hat Deutschland seit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 beträchtliche Entwicklungshilfegelder über dem Land ausgeschüttet. Seit 2007 machte Berlin außerdem 20 Millionen Euro für eine Sonderinitiative zur »Versöhnung« locker. Einer Geschichtsaufarbeitung mit gleichem Ziel widmet sich im Auftrag der Bundesregierung auch der ehemalige CDU-Abgeordnete Ruprecht Polenz. Dieser kündigte die Gründung einer »Zukunftsstiftung«, die Finanzierung von »Erinnerungsprojekten« und die Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung an, die den »Völkermord« der Deutschen auch so nenne. So weit, so erwartbar.

Während in puncto Holocaust von den Herrschenden eine absurde Kollektivschuld- und Erbschuld-Ideologie kultiviert wird, die noch ganze Nachkriegsgenerationen in Schuldknechtschaft halten will, weist Polenz im Falle der Herero dreiste Finanzforderungen der »Generation der Ururenkel« immerhin zurück.

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