»Erst müssen wir die Hoheit über den öffentlichen Diskurs zurückgewinnen…«

DS-Gespräch mit dem schwedischen Buchautor Daniel Friberg in der Dezember-Ausgabe 2016

Interview mit dem schwedischen Buchautor und Mitinhaber des Arktos-Verlags, Daniel Friberg, über den »Freiheitlichen Kongreß«, den Trump-Effekt und die Bedeutung von Metapolitik und alternativen Medien für die patriotischen Bewegungen in Europa.

DS: Herr Friberg, welchen Eindruck konnten Sie vom ersten »Freiheitlichen Kongreß« der Stiftung Europa Terra Nostra (ETN) in Deutschland gewinnen?

friberg-ausspruchMeines Erachtens ist das eine großartige Initiative, es hat mir sehr gut gefallen. Der Kongreß wurde professionell organisiert, das Veranstaltungshotel war perfekt, und im Publikum befanden sich viele interessante Leute. Ich konnte während der Tagung eine Menge neuer Kontakte knüpfen – und deswegen bin ich sehr froh, daß ich eingeladen wurde, dort zu sprechen.

DS: Man kann also sagen, daß diese internationale Konferenz eine wichtige Arbeit zur Vernetzung europäischer Patrioten geleistet hat?

Ja, absolut. Und das ist nicht nur wichtig, sondern entscheidend, vor allem in dieser sehr, sehr schwierigen Zeit, in der die europäische Zivilisation zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt ist. Deswegen müssen wir in ganz Europa zusammenarbeiten, über alle Staatsgrenzen hinweg, um internationale Netzwerke zu bilden, damit wir uns gemeinsam den Herausforderungen stellen können.

DS: Sie treten regelmäßig im Ausland auf, bereisen nicht nur den europäischen Kontinent, sondern sind in der ganzen Welt unterwegs. Haben Sie beim »Freiheitlichen Kongreß« erstmals in Deutschland gesprochen?

Nein, ich habe vorher schon zweimal Vorträge auf Konferenzen in Deutschland gehalten. Es war also meine dritte politische Rede. Insgesamt war ich aber sicherlich schon dreißig-, vierzigmal in Deutschland. Schweden ist ja fast ein Nachbarland. Ich hatte schon oft die Gelegenheit, politische Veranstaltungen in Ihrem Land zu besuchen.

DS: Sie sind Autor des Buches The Return of the real Right (Die Rückkehr der echten Rechten), das im vergangenen Jahr im Arktos-Verlag erschienen ist und nun in einer deutschen Lizenzausgabe von der ETN-Stiftung veröffentlicht wurde. Können Sie kurz darlegen, was nach Ihrem Verständnis die »echte Rechte« ist und wie sich diese von einer »falschen Rechten« unterscheidet?

titelcover_rueckkehr-echte-rechteZunächst einmal können mit dem Begriff all jene rechten Strömungen, Bewegungen, Personen und Volksvertreter beschrieben werden, die sich zu traditionellen Werten, ethnischem Bewußtsein und der Bewahrung unserer Zivilisation bekennen. Es geht also um die originären rechten Standpunkte. Die »falsche Rechte« ist die liberale »Rechte«, die für Globalismus und gegen Nationalismus ist, die Einwanderung befürwortet und sich vor allem für die Wirtschaft, für freie Märkte und Freihandel stark macht. Das sind die heutzutage in Westeuropa dominanten sogenannten »konservativen « Parteien – und die müssen durch die Vertreter einer authentischen Rechten, die sich gerade im Aufwind befindet, ersetzt werden.

DS: Mit der »falschen Rechten« meinen Sie also beispielsweise die CDU unter Angela Merkel, die britischen Tories, bei Ihnen in Schweden die »Moderaten« oder auch das Establishment der Republikanischen Partei in Amerika?

Ja, genau, die gehören zur »falschen Rechten«, zur liberalen »Rechten«.

DS: Sie kommen aus Schweden, wo die »Schwedendemokraten« im Parlament vertreten sind. Würden Sie diese Partei der »echten Rechten« oder der liberalen »Rechten« zuordnen?

Die sind ein Grenzfall. Ich kenne viele ihrer Mitglieder persönlich – und sie teilen meine Ansichten nahezu vollständig. Genauso ist es bei Teilen der Führungsebene. Die »Schwedendemokraten« haben sich allerdings für eine Strategie entschieden, mit der ich nicht übereinstimme, das heißt, sie bemühen sich um Akzeptanz bei der liberalen »Rechten«, indem sie ihre Standpunkte aufweichen. Ich finde, daß sie dabei zu weit gegangen sind, um noch gänzlich der authentischen Rechten zugeordnet werden zu können. Sie befinden sich irgendwo dazwischen.

DS: Sie sagen also: Eine rechte Partei darf sich nicht als Juniorpartner der bürgerlichen Parteien zur Verfügung stellen, sondern in Opposition bleiben, bis sie stärkste politische Kraft ist, wie es sich etwa die FPÖ unter HC Strache in Österreich zum Ziel gesetzt hat?

Exakt, das ist genau die richtige Strategie – und auch die einzige Strategie, die funktioniert, wenn wir in unseren Ländern zeitnah eine grundlegende Wende in der Politik anstreben, um Europa vor Blutvergießen und Bürgerkrieg zu bewahren.

DS: Ein anderes wichtiges Thema in ihrem Buch: Sie unterstreichen die Bedeutung der Metapolitik und schreiben, daß es sehr wichtig sei, sich ein starkes metapolitisches Fundament zu schaffen und theoretische Grundlagenarbeit zu leisten, bevor man sich in Wahlkämpfe begibt. Was bedeutet Ihrem Verständnis nach Metapolitik – und warum ist es für rechte und patriotische Parteien und Bewegungen so wichtig, sich damit zu beschäftigen?

friberg-zitatLassen Sie mich zunächst eines anmerken: Wir sollten von jenen Bewegungen in der Geschichte lernen, die erfolgreich waren. Die metapolitische Idee stammt ja nicht von mir, sondern geht auf den italienischen Marxisten Antonio Gramsci zurück, auf den ich mich beziehe. Gramsci hatte begriffen, warum die Kommunisten in Italien gescheitert waren. Der Grund dafür war, daß sie keine Kontrolle über die Kultur und jene Segmente der Gesellschaft hatten, die die Sprache definieren und die öffentliche Meinung beeinflussen. Wenn das nicht gegeben ist, kann man in den zumeist auch nicht politisch erfolgreich sein. Selbst wenn man versucht, ohne einen solchen Hintergrund politische Macht zu erringen, wie Trump in den USA, der sich gegen ein ihm zu 95 Prozent feindselig gesonnenes Medienestablishment zu behaupten hatte –, ist der metapolitische Aspekt zu berücksichtigen, der sich etwa im Falle des Trump- Phänomens in der extrem starken Unterstützung in den sozialen Medien gezeigt hat, die immer mehr an Bedeutung gewinnen und auf gutem Weg sind, die alten, dahinsiechenden Mainstream-Medien zu ersetzen. Oder denken sie an neue Medienkanäle wie zum Beispiel Breitbart. Ohne diese Unterstützung hätte Trump zweifelsohne nicht diesen Erfolg gehabt.

Metapolitik muß also an erster Stelle kommen, denn zunächst einmal müssen wir die Hoheit über den öffentlichen Diskurs zurückgewinnen, bevor wir politische Siege erringen können. Die Linke hat das verstanden, weshalb es in der gesamten westlichen Welt Phänomene wie die »Frankfurter Schule«, die Revolution der ’68er und die Infiltration der Medien durch linke Extremisten gab. Glücklicherweise hat sich für uns mit dem Internet der Spielraum erweitert und ermöglicht es alternativen Medien wie Ihrem oder auch meiner Seite RightOn, Arktos Media und vielen anderen, ein Gegengewicht zu den Mainstream- Medien zu schaffen und hier immer mehr aufzuschließen. Solche metapolitischen Ansätze bilden die Grundlage für politischen Erfolg.

DS: Die politischen Eliten in Schweden vertreten dieselbe multikulturelle Ideologie wie die herrschenden Kräfte in Deutschland oder übertreffen diese manchmal sogar noch darin. Was ist Ihrer Ansicht nach der Grund dafür, daß sich die bestimmenden Parteien und sozialen Gruppen Multikulturalismus, Islam- Appeasement und einer Bevorzugung von Fremden verschrieben haben, statt sich für die Bewahrung der eigenen kulturellen und nationalen Traditionen einzusetzen. Oder anders gefragt: Warum hassen sie ihre eigene Kultur und ihre eigenen Traditionen so sehr?

ds-tv-kongressIch denke, das hat hauptsächlich zwei Gründe. Zum einen sind alle Mainstream-Parteien in Schweden geradezu vom Kulturmarxismus durchtränkt – und der besagt, daß die westliche Kultur und der weiße Mensch für alle schlechten Dinge, die in der Geschichte passiert sind, verantwortlich sind. Dies hätten wir nun zu kompensieren, indem wir Millionen von Migranten aufnehmen, sozusagen als Wiedergutmachung für den Kolonialismus – an dem Schweden übrigens gar keinen Anteil hatte –, die Sklaverei und so weiter. Dieser ganze Schuldkomplex ist ein wichtiger Baustein des Kulturmarxismus. Zum anderen gibt es aber auch einen reinen Opportunismus der führenden Personen in den großen Parteien, die genau wissen, daß sie später dafür belohnt werden, wenn sie ihr Land verraten und dessen Ausverkauf betreiben, etwa mit hohen Positionen in internationalen Banken oder Institutionen wie den UN. Solche Leute handeln eher aus opportunistischen Motiven denn aus Haß auf ihr eigenes Volk. Ihr Volk ist ihnen schlichtweg egal, sie kümmern sich nur um sich selbst.

DS: Blicken wir abschließend nochmal über den großen Teich. Sie haben ja bereits das Phänomen Trump und die »konservative Revolution « in Amerika angesprochen. Glauben Sie, daß seine Präsidentschaft rechten Bewegungen und Parteien in Europa weiteren Aufwind verschafft und Regierungen wie in Polen oder Ungarn den Rücken stärkt?

Ich beginne mal beim letzten Punkt: Das sehe ich durchaus so, denn er stimmt ja beispielsweise mit der polnischen und der ungarischen Regierung in Fragen der Migrationspolitik vollkommen überein. Zum ersten Teil Ihrer Frage: Wir können ja schon jetzt die Effekte beobachten, die metapolitischen Effekte seiner erfolgreichen Kampagne, denn er hat die »Alternative Rechte« bekannt gemacht und uns weitere Legitimität verschafft, denn auf einmal werden wir mit einer Bewegung in Verbindung gebracht, die von nahezu der Hälfte der amerikanischen Bevölkerung getragen wird. Und da Amerika nun mal das kulturelle Zentrum der modernen Welt ist, hat alles, was in Amerika passiert, zweifelsohne einen großen Einfluß auf den Rest der Welt. Wir profitieren also definitiv vom Trump-Effekt.

DS: Herr Friberg, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch.

Das Interview führte DS-Redakteur Thorsten Thomsen, der auch die Übersetzung aus dem Englischen besorgte.

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