Die Saat geht auf: Taliban greifen deutsches Konsulat an

Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!

Vor dem deutschen Generalkonsulat im nordafghanischen Mazar-i-Sharif ist gestern eine Sprengladung hochgegangen. Die in einem Lastwagen versteckte Bombe forderte mindestens sechs Todesopfer. Nach Polizeiangaben kam auch ein Attentäter ums Leben, mehr als 120 Menschen wurden bei der Explosion verletzt. Glück im Unglück hatten die deutschen Mitarbeiter des Konsulats, die laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes „sicher und unverletzt“ blieben.

talibanDie Taliban bekannten sich zu der Tat und begründeten sie mit einer „deutschen Mitverantwortung“ an einem US-Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kunduz, bei dem Anfang November mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Bundeswehr hätte den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen.

Merkel_RauteDie Bundesregierung bestreitet die Beteiligung an dem fraglichen Luftangriff. Es ist aber letztlich egal, ob die Bundeswehr in diese spezielle Aktion involviert war. Ein altes Sprichwort lautet: „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!“ Seit immerhin 15 Jahren läuft das militärische Engagement in Afghanistan, wird die „Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland“ auch „am Hindukusch verteidigt“, wie der einstige Verteidigungsminister Struck meinte.

Warnende Stimmen wurden im Vorfeld der Invasion ignoriert, so dass sich die bekannten Fehler aus der Geschichte wiederholen mussten. Die Briten holten sich bereits im 19. Jahrhundert eine blutige Nase, die Sowjets scheiterten in den 1980er Jahren. Für letztere trugen die militärischen Niederlagen ganz erheblich zur Destabilisierung des eigenen Imperiums bei, das bald darauf ganz zerfiel.

E.Honecker, L. Breschnew

E.Honecker, L. Breschnew

Aber immerhin war die DDR-Regierung unter Erich Honecker nicht so dumm, sich mit eigenen Truppen an dem Konflikt zu beteiligen. Dafür streckten die USA schon damals ihre Fühler aus und unterstützten die antikommunistischen Kämpfer, aus denen sich anschließend die Taliban entwickelten – womit wir wieder in der Gegenwart angekommen wären.

Heute ist es zu einem weiteren Zwischenfall gekommen. Deutsche Soldaten schossen auf drei Motorradfahrer und töteten zwei von ihnen. Ein weiterer Kämpfer wurde schwer verletzt, wie ein Sprecher des Provinzgouverneurs mitteilte.

Donald Trump

Donald Trump

Den Taliban wird es egal sein, dass es Warnschüsse gab. Die Getöteten vergrößern ihre Galerie der Märtyrer und Helden, der fanatische Wille zum Kampf wird weiter beflügelt. Sicher ist auch, dass die Vorkommnisse die ohnehin schon zaghafte Abschiebung von Afghanen in ihr Heimatland noch schwieriger macht und die Gefahr von Anschlägen in Deutschland weiter wächst. Und zuletzt  bleibt die Frage, wie sich Donald Trump positionieren wird, wenn er im Januar 2017 Platz im Sessel des amerikanischen Präsidenten genommen hat. Lässt Ursula von der Leyen die Bundeswehr auf dem dann endgültig verlorenen Posten stehen?

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