Unser „täglich Adolf“ gib uns heute

Hitlers Geburtshaus soll künftig „vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein".

„Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis. Und hilft auch dieser Kreis nicht mehr, muss der Adolf Hitler her!“

Wolfgang Sobotka

Wolfgang Sobotka

So oder ähnlich muss der derzeitige österreichische Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) gedacht haben, als er die Meldung über einen Abriss des bekannten Geburtshauses in Braunau am Inn an die Presse gab. Der studierte Musikschullehrer hat im Laufe seiner politischen Laufbahn bereits viel Prügel einstecken müssen. Als Verantwortlicher für die Finanzen des Bundeslandes Niederösterreich stand er desöfteren wegen Verschwendung in Millionenhöhe in der Kritik. Innenminister wurde er im April 2016 auch nur, weil der neue Bundeskanzler Kern (SPÖ) irgendwie sein Kabinett zusammenstellen musste. Besondere Erfolge hat Sobotka seither nicht vorzuweisen. Wie schon im Juli versucht er deshalb erneut mit diesem Thema zu punkten, von dem er anscheinend glaubt, leicht Lorbeeren gewinnen zu können.

Wie allgemein üblich, wurde die Meldung in den Medien kritiklos übernommen. Adolf auf der Titelseite bringt Quote auch für schwindsüchtige Blätter! Wer erwartet hatte, dass die verbliebenen Anhänger des Führers nun zum Marsch auf Braunau rüsten würden, sieht sich getäuscht. Es gibt kein Protestlied der „Hagen-Kreutz-Combo“, auch die „Wildecker Glatzbuben“ halten sich zurück. In der Pension „Zum Schwarz-Weiß-Roten Himmelbett“ wurden die Laken bisher nicht straff gezogen.

Und jetzt hat sich auch noch herausgestellt, dass die Kommission, auf die sich der Innenminister bei seinem Vorschlag berufen hatte, den Abriss überhaupt nicht vorgeschlagen hatte. Es sieht also so aus, als wenn die kleine Stadt am Inn nicht von Touristenströmen profitieren kann, die ein letztes „Selfie“ vor dem historischen Gebäude schießen möchten.

Heute ist Sobotka nach Protesten zahlreicher Historiker zurückgerudert. Das Haus dürfe künftig „vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein“. Wie das Ganze vonstatten gehen soll, ist bislang nicht bekannt. Ob das Haus unter einem Sack versteckt, von „alternativen Kräften“ bewohnt (und beschmiert) oder mit einem Minarett „verschönert“ werden soll, wird die Zukunft zeigen. Das einfachste wäre es, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu erhalten. Dann wäre ausreichend Zeit, sich den wirklichen Problemen unserer Tage zu widmen.

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