Drei „Einzelfälle“ auf einen Streich

Vergewaltigung einer Schülerin: Täter befinden sich auf freiem Fuß und wurden in einen anderen Landkreis verlegt.

Laut MDR SACHSEN-ANHALT ermittelt die Staatsanwaltschaft Halberstadt gegen drei ausländische Jugendliche, die ein 13-jähriges Mädchen aus Thale vergewaltigt haben sollen.

Thale im Harz

Thale im Harz

Die Evangelische Stiftung Neinstedt (ESN), bei der die Täter untergebracht waren, teilte hierzu in einer Pressemitteilung mit, dass sie „im Laufe des Vormittags des 1. September (…) erstmalig Kenntnis von diesem Vorwurf“ erhielt und umgehend darüber die Polizei informierte, „die daraufhin am Nachmittag die Jugendlichen vorläufig festnahm“. Weiter heißt es: „Auch im weiteren Verlauf wird die Stiftung weiterhin alles unternehmen, um die Ermittlungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft zu unterstützen, bittet jedoch um Verständnis dafür, dies nicht in der Öffentlichkeit (oder durch öffentliche Stellungnahmen) zu tun, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, bei dem alle Beteiligten Jugendliche sind.

Dem betroffenen Mädchen, dem laut ESN ein „psychisch ein großer Schaden entstanden“ sei, wird wie ihren Eltern und Mitschülern „unser großes Mitgefühl“ ausgesprochen und „im Rahmen unserer Möglichkeiten psychologische Hilfe“ angeboten. Zugleich beschwert man sich darüber, dass man die „derzeit über die sozialen Medien gegen die Stiftung verbreiteten Hasstiraden und die hiermit einhergehenden Aufrufe zur Gewalt“ zurückweise und juristisch prüfen würde.

MDR in Magdeburg

MDR in Magdeburg

Nun ist es tatsächlich nicht immer fein, was von einigen Leuten im Netz abgelassen wird. In früheren Zeiten hätte man es in kirchlichen Kreisen als „Fluchen“ verdammt und den Sündern mit dem Fegefeuer gedroht. Die Leitung der ESN muss sich jedoch nicht darüber wundern, wenn die Gerüchteküche überkocht. Schließlich hat man mit der Pressemitteilung vier Tage gewartet. Hinzu kommt, dass zwischen Tat und öffentlicher Reaktion ein Wochenende lag und auch die Medien zunächst Stillschweigen bewahrten. Die Meldung des MDR stammt gar erst vom 6. September 2016!

Dafür muss man dem öffentlich-rechtlichen Sender zubilligen, dass er es bei der eigentlichen Nachricht beließ. Die Lohnschreiber der „Mitteldeutschen Zeitung“ meinten jedoch, in ihrer Berichterstattung einen Schritt weiter gehen zu müssen. Sie stellten deshalb unter der reißerischen Überschrift „Lynch-Stimmung bei Facebook nach Sex-Vorwurf“ die „Welle des Hasses“ die „gegen die Evangelische Stiftung Neinstedt und Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) durch die sozialen Netzwerke“ rollen würde, in den Mittelpunkt ihrer Meldung. Hinter den Vorwurf der Vergewaltigung setzten sie – wie könnte es anders sein – ein Fragezeichen.

Immerhin dürfen sich die Leser der MZ in den Kommentaren Luft machen. Mit Aussagen wie „täglich grüßt das Fummeltier“, „wohl wieder ein bedauerlicher Einzelfall“ oder einem knappen „Danke, Muddi“ wird die Verantwortung für das Geschehen einer Politik zugewiesen, für die Angela Merkel mehr als nur symbolhaft steht. Ferner wird das Alter der „Jugendlichen“ in Frage gestellt oder vermutet, dass ihre Bestrafung nicht allzu hart ausfallen werde.

Tatsache ist, dass die Täter sich bereits wieder auf freiem Fuß befinden und in einen anderen Landkreis verlegt worden sein sollen. Mit einer späteren Abschiebung ist kaum zu rechnen. Sollte es sich um sogenannte „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (UMA) handeln, ist eher mit dem Nachzug der Verwandtschaft im Rahmen der „Familienzusammenführung“ zu rechnen.

Die „Denkzettel“, die die Bürger bei vergangenen Wahlen erteilt haben, scheinen noch lange nicht zu genügen!

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