Die Sprechblase im Hosenanzug – Angela Merkel im Sommer-Interview

Der Sommer 2016 neigt sich seinem Ende zu. Die Frage steht im Raum, wann diese Kanzlerschaft ihren Schlusspunkt finden wird.

„Sie ist die mit Abstand beliebteste deutsche Politikerin“ – so wurde das Sommer-Interview mit der Bundeskanzlerin in der ARD angekündigt. Allerdings nicht gestern, sondern bereits am 26. August 2013. Seither ist einige Zeit vergangen und von dem damals schon falschen Pathos ist wenig geblieben. Diesmal wurde ihre berüchtigte Formel „wir schaffen das“ an den Anfang gestellt, die echoartig von einigen Oppositions-Darstellern nachgeplappert wurde.

Wer das Interview verpasst hat, der hat nicht viel versäumt. Zu keinem der angesprochenen Themen kamen von Angela Merkel konkrete Aussagen. Es wurde aber von den Interviewern nicht ernsthaft Merkel_Rauteversucht, den sprichwörtlichen Pudding an die Wand zu nageln. So konnte sich der gelangweilte Zuhörer an zahlreichen Floskeln erfreuen, die dem gemeinsamen Kasten für Satzbausteine der etablierten Politiker entstammt haben dürften. In Sachen Einwanderung habe man „unablässig gearbeitet“ (ohne positive Ergebnisse allerdings) und „jeder Tag war gefüllt mit der Aufgabe…“ (Stunden, Minuten, Sekunden?).

Sprechblase reihte sich an Sprechblase. Der Brexit sei ein tiefer Einschnitt, nun dürfe es aber „keine hektischen Aktivitäten“ geben. Erwähnung fanden die innere und äußere Sicherheit in Europa und der Türkeipakt. Auch die Ursachen von Flucht und Vertreibung wurden kurz angesprochen. Zu diesen Problemen sollte man Lösungen finden, wofür jeder seinen Teil leisten müsse. Als „dienstälteste Regierungschefin Europas“ auf eine erneute Kandidatur angesprochen gab es selbst nach mehreren Nachfragen nicht mehr als ein „zum gegebenen Zeitpunkt“ als Antwort.

Merkel möchte an der „Bewältigung des Ukraine-Konflikts arbeiten“ und eine „politische Lösung“ in Syrien finden. Auf die Entwicklung nach dem Putsch in der Türkei angesprochen, meinte die Kanzlerin man hätte es „mit verschiedenen Entwicklungen zu tun“. Nachdem sie diesen Punkt selbst nach Meinung der fragenden Journalisten „geschickt umgangen“ hatte, wandte sie sich den Türken in Deutschland zu. „Ich bin auch deren Bundeskanzlerin“ meinte Merkel sagen zu müssen, um dann die Loyalität der Bürger „mit türkischen Wurzeln“ zu erbitten. Sie seien „herzlich willkommen“, müssten sich aber auch zu nichts verpflichtet fühlen. Die derzeitigen Konflikte in der Türkei möge man doch bitte nicht hierher tragen.

Erdogan1Dann bleibt nur zu hoffen, dass Erdoğan und seine Anhänger diese Wünsche auch in ihren weiteren Planungen berücksichtigen. Dagegen sprechen zwar alle Erfahrungen – aber schließlich ist Wahlkampf. Die angesprochenen Steuerentlastungen, die vielleicht in der nächsten Legislaturperiode Wirklichkeit werden könnten, dürften ebenso dem Ringen um Wählerstimmen für die (Noch-) Volkspartei CDU geschuldet und somit fern der Realität sein.

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Der Sommer 2016 neigt sich seinem Ende zu. Die Frage steht im Raum, wann diese Kanzlerschaft ihren Schlusspunkt finden wird. Vielleicht hat Merkel ungewollt die Richtung vorgegeben, als sie die „Flüchtlingskrise“ in ihrer Wirkung mit der deutschen Wiedervereinigung verglich. Wir erinnern uns: Noch im August 1989 meinte Erich Honecker, „den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs und Esel auf“. Dann ging alles sehr schnell. Zwei Jahre später waren die DDR Geschichte und das östliche Gegenstück zur EG und die Sowjetunion zerfallen. Die Tschechoslowakei und Jugoslawien folgten bald darauf. Zugleich nahm der kometenhafte Aufstieg der Angela Merkel seinen Anfang. Das Schicksal aller Kometen ist es jedoch, dass ihr Leuchten ein absehbares Ende findet. Manche verglühen sogar – oder sie verschwinden einfach und werden vergessen. Hoffen wir das Beste!

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