REZENSION: Auch in ihrem neuen Buch »Reichtum ohne Gier« erweist sich Sahra Wagenknecht als echte Querdenkerin

»Nationale Regelungen sind vernünftig« - Beitrag von Arne Schimmer in der September-Ausgabe der Deutschen Stimme

»Wenn die Fraktionsvorsitzende einer Partei, die sich selbst ›Die Linke‹ nennt, mit den Parolen der Trumps, Seehofers und Petrys Stimmung macht, muß man sich fragen, ob eine Partei mit einer solchen Frontfrau wirklich noch das Label Links für sich beanspruchen kann … Ähnlich wie die AfD schmeißt sie die Hetzmaschinerie an und spekuliert damit auch auf den eigenen Vorteil an der Wahlurne. Dass sie dafür kurzerhand im original CSU-Entmutiger-Populismus die Aufnahme von Geflüchteten pauschal für falsch und die Geflüchteten selbst allesamt zu einem (Sicherheits-) Problem erklärt, ist ihr dabei herzlich egal.« Dieses Zitat stammt aus einem Artikel, den die Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte (sic), und macht deutlich, welchen Haß Sahra Wagenknecht mittlerweile auch vor allem innerhalb des linken Spektrums hervorruft.

Arne Schimmer

DS-Autor Arne Schimmer, wirtschaftspolitischer Sprecher der NPD

DS-Autor Arne Schimmer, wirtschaftspolitischer Sprecher der NPD

Unmittelbar nach dem islamistischen Attentat von Ansbach hatte Wagenknecht erklärt, dass die »Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und

Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ›Wir schaffen das‹ uns im letzten Herbst einreden wollte«. »Der Staat« müsse nun »alles dafür tun, dass sich die Menschen in unserem Land wieder sicher fühlen können«.

Realpolitik von Links

Solche Stellungnahmen machen deutlich, dass Wagenknecht zu den wenigen linken Politikern gehört, die im Zuge der Asylkrise wenigstes realpolitische Positionen vertreten. Wer sich aber ein Bild von den politischen Positionen Wagenknechts abseits einiger skandalisierter Einzeläußerungen machen möchte, der kann auf mittlerweile mehr als ein Dutzend Bücher zurückgreifen, die von Wagenknecht entweder als Autorin oder Herausgeberin veröffentlicht wurden. Seit ihrem im Jahr 2011 veröffentlichten Buch Freiheit statt Kapitalismus gilt Wagenknecht als Querdenkerin, die abseits typisch linker Beißreflexe auch an ordoliberale Theoretiker wie Ludwig Erhard, Walter Eucken und Alfred Müller-Armack anschließt und insbesondere deren Hinweise auf die Gefahren der Zusammenballung wirtschaftlicher Macht aufgreift. Dieser Leitgedanke zieht sich auch durch Wagenknechts neues Buch Reichtum ohne Gier, das in diesem Jahr im Campus- Verlag erschienen ist.

Dieser Beitrag erscheint demnächst in der September-Ausgabe der Monatszeitung Deutsche Stimme (DS). Die DS können Sie ganz bequem hier abonnieren:

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Der heutige Kapitalismus ist nach Wagenknecht durch starke Monopolbildungstendenzen gekennzeichnet und erlaubt es einigen weltweit agierenden Großkonzernen, jedem potentiellen aufstrebenden Konkurrenten entweder durch Übernahme, das Ausspielen der eigenen Marktmacht oder durch Ausnutzung von Patentgesetzen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wagenknecht stellt fest: »Ein Drittel des Welthandels findet im Innenraum einzelner Konzerne statt, ein weiteres Drittel zwischen den großen Multis. Rechnen wir deren enge Verflechtung ein, bedeutet das, dass Märkte in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen nur noch am Rande eine Rolle spielen.« Dies hat nach Wagenknecht auch zur Folge, dass sich häufig nicht mehr der bessere, sondern der mächtigere Anbieter durchsetzt, was den ungezügelten Kapitalismus »schnell zum Innovations- und Qualitätskiller« mache. Und tatsächlich: Gerade die schöne neue Netzwelt ist praktisch frei von Wettbewerb, was Wagenknecht am Beispiel der Suchmaschine Google nachweist, die einen globalen Marktanteil von 90 Prozent besitzt und an die mittlerweile zehn Prozent aller Werbeausgaben weltweit fließen.

Wagenknecht-Besprechung

Plädoyer für Regionalbanken

Die bestehenden Finanzierungsstrukturen begünstigen dabei die Herausbildung dieser neuen Unternehmensoligarchien, da der »viel gefeierte Wagniskapitalmarkt im Silicon Valley … ja vor allem auf dieser Perspektive« beruht, »junge Unternehmen mit erfolgreichen digitalen Geschäftsideen in fünf bis zehn Jahren an eines der großen Imperien weiterzuverkaufen. « Eine Reform der Wirtschaftsordnung will Wagenknecht deshalb auch im Finanzierungs- und Bankensektor beginnen lassen. Geld ist nach ihrer Auffassung ein öffentliches Gut, das »nicht in den Aufgabenbereich gewinnorientierter Privatunternehmen, sondern in die Hand gemeinwohlorientierter Institute, die in öffentlichem Auftrag arbeiten und strengen Regeln unterliegen« gehört. Vor allem sollen diese Institute in einem regionalen Rahmen arbeiten, weshalb Wagenknecht auch das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken und Sparkassen lobt, das »im Großen und Ganzen dem eines vernünftigen Finanzsektors« entspricht. Das klingt fast schon so, als hätte sie mal einen Blick in die diversen Aussagen der NPD zum Thema raumorientierte Volkswirtschaft geworfen, in denen die Bedeutung regional verwurzelter Finanzierungssysteme besonders hervorgehoben wird. Und weiter bemerkt Wagenknecht: »Wer vernünftige Regeln will, kann sie am besten auf nationaler Ebene einführen. Wenn das nach und nach auch andere Länder tun, weil es sich einfach als die bessere Lösung erweist, gibt es irgendwann eine vernünftige Finanzarchitektur in ganz Europa. Wer dagegen nur regelt, wozu sich von vornherein eine EU-weite Übereinstimmung herstellen lässt, der wird dieses Ziel nie erreichen.« Da ist sie also wieder, die gefürchtete Querdenkerin Wagenknecht mit ihrem »nationalbolschewistischen Kalkül« (so Mechthild Küpper am 2. August 2016 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), die auch in ihrem neuen Buch wieder eine Bildung und Belesenheit nachweist, wie sie unter deutschen Spitzenpolitikern einzigartig ist. Wer sich ernsthaft Gedanken über eine bessere Wirtschaftsordnung machen will, kommt jedenfalls an Reichtum ohne Gier nicht vorbei.

Literaturhinweis: Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten, 292 Seiten, gebunden, Campus Verlag Frankfurt a. M., 19,95 €.

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