AfD: Boateng als Innenminister?

Dreht André Poggenburg jetzt völlig frei? Der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen Anhalt kann sich den dunkelhäutigen Fußballspieler Jérôme Boateng als Bundesinnenminister vorstellen. Und für ihn wäre es auch...

Dreht André Poggenburg jetzt völlig frei? Der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen Anhalt kann sich den dunkelhäutigen Fußballspieler Jérôme Boateng als Bundesinnenminister vorstellen. Und für ihn wäre es auch kein Problem, wenn „eine Landes- oder Bundesregierung in zehn Jahren so bunt aussieht wie jetzt die National-Elf“.

PoggenburgZugegeben: Es waren nicht Poggenburgs Ideen, sie wurden von den Journalisten Michael Bock und Hagen Eichler von der „Magdeburger Volksstimme“ als Fragen in ein Interview eingebaut, dem sich der Landeschef der AfD gestellt hat. Ziel war es natürlich, den Fraktionschef der Alternative für Deutschland in die Rassismus-Falle tappen zu lassen. Zumindest das konnte Poggenburg vermeiden.

Bedenklich ist es aber schon, wenn ein Politiker einer vorgeblichen „Alternative“ in vorauseilendem Gehorsam absurde Zukunfts-Szenarien unterstützt, für die er ganz gewiss nicht gewählt wurde. Wichtiger wäre es gewesen, in diesem Zusammenhang auf die Fehlbesetzungen der aktuellen Ministerriegen hinzuweisen. Beispiele hierfür gibt es genug.

Zwar gelingt es ihm im weiteren Verlauf des Interviews recht gut, zwischen dem „griechischen Gastwirt“ und der Massenzuwanderung zu unterscheiden. Leider kann er in seiner Argumentation nicht mit Fakten punkten, sonst hätte er dem Einwurf, dass die Masseneinwanderung „längst vorbei“ sei, mit konkreten Zahlen begegnen können.

Auch sonst lässt sich der Fraktionsvorsitzende auf Themen ein, die er besser mit den betroffenen Fraktionskollegen besprechen und nicht vor der Presse ausbreiten sollte. Ob es die Bezeichnung „zionistische Agentin“ für Angela Merkel, die der Abgeordnete Volker Olenicak auf Facebook von sich gegeben haben soll oder die inhaltlichen und taktischen Querelen mit dem parlamentarischen Geschäftsführer Daniel Roi sind – solche Dinge gehören intern geklärt. Dem Sprecher der Patriotischen Plattform (PP), Hans-Thomas Tillschneider legt Poggenburg sogar nahe, Landtagsmandat und Vorstandsposten aufzugeben.

Wenn Begriffe wie „parteischädigendes Verhalten“ fallen, von „angeschlagenem Vertrauen“ geredet wird und auch noch Nachfolgedebatten um die eigene Person ins Spiel gebracht werden, dann sägt jemand an dem Ast auf dem er sitzt. Der Satz „Wir haben es geschafft, dass die Fraktion als Ganzes erhalten bleibt…“ klingt nach schweren Zerwürfnissen. Dazu passt auch der überraschende Abgang der Landesschatzmeisterin Yvonne Sturm, die erst im Mai in ihr Amt gewählt worden war.

Es ist gewiss nicht einfach, einen Landesverband und eine neue Fraktion zu führen. Deshalb sollte man sich es vorher überlegen, ob man dazu in der Lage ist. Bei André Poggenburg sind Zweifel angebracht.

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