Zuwanderungsrekorde – ein Grund zum Feiern?

Die Eurokraten haben schon bessere Zeiten erlebt. Ihr Einfluss war ständig am wachsen. Größer, schneller, weiter – diese Vokabeln kennzeichneten den Rahmen des wuchernden EU-Monsters. Doch der Wind hat...

Die Eurokraten haben schon bessere Zeiten erlebt. Ihr Einfluss war ständig am wachsen. Größer, schneller, weiter – diese Vokabeln kennzeichneten den Rahmen des wuchernden EU-Monsters. Doch der Wind hat sich gedreht. Nicht mehr Wachsen sondern Schrumpfen steht auf dem Programm. Die Einschläge kommen Reichstag1näher und erfolgen in immer kürzeren Abständen. Der Schock des Brexit sitzt tief. Die herrschende Kaste in Brüssel und Berlin kann es nicht verwinden, dass das Volk anders will es die herrschenden Pseudo-Eliten und ihre Hintermänner in Wirtschaft und Finanzwelt vorgeben. Positive Meldungen müssen her – egal wie!

Auch in den Redaktionsstuben hat man nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat. Anders ist die (Fehl-)Interpretation des sogenannten Freizügigkeitsmonitorings des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht zu erklären. Der Statistik des BAMF zufolge wanderten im Jahr 2015 insgesamt 685 485 EU-Bürger nach Deutschland ein. Wenn man die Abwanderung von 303 036 berücksichtigt, bleibt ein Zuwachs von etwa 382 000. Achzig Prozent kommen aus osteuropäischen Staaten, wobei Rumänien, Polen und Bulgarien an der Spitze liegen. Weitere 15 Prozent stammen aus den südeuropäischen Krisenstaaten. Wie schön!

„Deutschland ist nicht nur aktuell der beliebteste Staat der laut Eurostat insgesamt 18,5 Millionen europäischen Migranten.“ So zumindest sieht man es bei der „Welt“, die als erste diese Statistik aufgriff. Die meisten Folge-Berichte im Blätterwald setzten diesen Jubel-Tenor fort. Die Tatsache, dass sich die insgesamt 4,1 Millionen EU-Bürger nicht aus Liebe oder Freundschaft hier gelassen haben, kommt nur beiläufig zu Wort. Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass man sich Zuneigung nicht erkaufen kann. Wenn sich also die Menschen auf den Weg machen, um anderswo ihr Glück zu versuchen, dann sind es wirtschaftliche Not und die Aussicht auf ein besseres Leben.

„Tendenziell sind die EU-Migranten jung und überdurchschnittlich gut ausgebildet.“ (Welt) Schwammiger geht es nicht! Die Aussage des Springer-Blatts soll zumindest auf den ersten Blick positive Resonanzen beim Leser bewirken. Wenn man die anderen Angaben, die Redakteur Leubecher in seinem Artikel untergebracht hat, zusammenrechnet, verfliegt jedoch der schöne Schein.

Andrea_Nahles_2010-5,_Speyer,_Naturfreundehaus90 Prozent der EU-Zuwanderer sind im erwerbsfähigen Alter (also 10% nicht). Trotzdem beziehen „knapp 440 000 EU-Ausländer Hartz IV oder Sozialhilfe“. Das sind noch einmal gut zehn Prozent, was zusammen schon über 20 Prozent der EU-Bürger hierzulande ausmacht. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles möchte deshalb die Sozialleistungen für diese Zielgruppe beschränken. Die Aussicht auf Erfolg ist jedoch alles andere als sicher – Nahles könnte in Karlsruhe scheitern.

Völlig außer Betracht bleiben jene Zuwanderer speziell vom Balkan, die sich irgendwo in den Großstädten niederlassen und mit ihren Familien von Einnahmen aus Bettelei oder zweifelhaften Geschäften leben. Am Kapitel mit der Überschrift „Roma“ möchte sich kaum jemand die Finger verbrennen, also lässt man es lieber sein.

Asyl_Eisenberg_1aRechnet man die mindestens eine Million (registrierter – von den anderen hat man schon lange nichts mehr gehört) „Asylzuwanderer“ hinzu, so „erreichten die Zuzüge von Ausländern 2015 mit rund zwei Millionen ein Allzeithoch“ (Welt). Wenn man die Fortzüge abzieht, bleibt immer noch ein Plus von 1,14 Millionen. Und es geht so weiter: „61 Prozent aller Asylanträge in der EU im ersten Quartal 2016“ wurden in Deutschland gestellt. Schöne Aussichten!

Man kann dem Redakteur der „Welt“ kaum vorwerfen, er würde in diesem Fall lückenhaft berichten oder Tatsachen verdrehen. Seine offen bekundete Verwunderung darüber, dass die Briten für den Austritt aus der EU gestimmt haben, obwohl dort 2015 nur halb so viele EU-Bürger als nach Deutschland einreisten und die Asylanträge mit 39 000 im Vergleich zu unseren Zahlen gering sind, verwundert dann doch. Auf die Idee, dass die Bürger hier wie dort diese jahrzehntelange Entwicklung nicht mehr hinnehmen wollen, kommt er nicht.

Ein Blick allein auf die „Sonntagsfrage Bundestagswahl“ hilft nicht weiter. Hier kommt die Große Koalition meist noch deutlich auf über 50 Prozent der Stimmen, im Bunde mit den anderen Befürwortern der Einwanderungspolitik sollen es immer noch über 80 Prozent sein, die ein „weiter so“ wünschen. Aber: auch in Großbritannien lagen die Befürworter eines Verbleibs bei der Europäischen Union in den Umfragen vorn – das Ergebnis sah bekanntlich anders aus. Und nicht vergessen: In Österreich muss in einigen Wochen neu gewählt werden. Die Einschläge kommen wirklich näher und erfolgen in immer kürzeren Abständen!

 

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