Neueste „Errungenschaft“ unseres Bildungssystems: Schulschließung wegen Lehrermangels

Seit der politischen „Wende“ in den Jahren 1989/90 haben insbesondere in Mitteldeutschland viele Schulen schließen müssen. Waren es zunächst die veränderten Strukturen, die zahlreiche Gebäude mitsamt ihren Lehrern überflüssig...
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Seit der politischen „Wende“ in den Jahren 1989/90 haben insbesondere in Mitteldeutschland viele Schulen schließen müssen. Waren es zunächst die veränderten Strukturen, die zahlreiche Gebäude mitsamt ihren Lehrern überflüssig machten, so schlossen viele Schulen in den vergangenen Jahren wegen des Schülermangels infolge der demographischen Katastrophe und der Abwanderung.

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Geschlossene Schule in Elbenau

Inzwischen wuchs der Lehrermangel von Jahr zu Jahr. Regelmäßig zu Beginn des Schuljahres wurde das Thema im Rahmen Kleiner Anfragen und Anträge in den Landesparlamenten behandelt, debattiert und dann wieder zu den Akten gelegt. Die Folge war, dass die Zahl der Stundenausfälle ständig anstieg. Im letzten Herbst hatte sich im anhaltischen Köthen die Lage so zugespitzt, dass bei der Sekundarschule „Völkerfreundschaft“ ganze Klassen zu Hause bleiben mussten. Ein Drittel der Lehrer war erkrankt. Die verbliebenen Pädagogen konnten sich vor Überstunden kaum retten, die Zusammenlegung von Kursen oder das gleichzeitige Unterrichten zweier Klassen in benachbarten Räumen führten nicht mehr zum Ziel. Vertretungen aus anderen Schulen scheiterten an bürokratischen Hindernissen.

Mittlerweile haben die Landesregierungen erkannt, dass sie an einer verstärkten Einstellung neuer Pädagogen nicht vorbeikommen. Die verstärkte Konkurrenz um den Lehrernachwuchs führt jedoch dazu, dass Freie Schulen immer größeren Schwierigkeiten haben, den Unterricht abzusichern. In Hedersleben will nun die Evangelische Johannes-Schulstiftung die Reißleine ziehen und die von ihr geführte Sekundarschule schließen. Die Eltern protestieren und wollen sich selbst um Personal kümmern. Es ist fraglich, ob sie angesichts der Tatsache, dass Lehrer an öffentlichen Schulen bis zu 500 Euro im Monat mehr verdienen können, erfolgreich sein werden.

Dabei ist die Misere hausgemacht. Viele Schulen in freier Trägerschaft entstanden nur deshalb, weil staatliche Schulen am selben Standort geschlossen wurden. Sie konnten die vorgeschriebene Zweizügigkeit nicht gewährleisten. Private Einrichtungen dürfen jedoch auch nur eine Klasse pro Jahrgang haben. Das verstehe wer will!

So lief es auch in Hedersleben, wo es zu DDR-Zeiten eine Polytechnische Oberschule gab, die nach dem Kosmonauten Sigmund Jähn benannt war. Mit der Schulreform 1991 verlor sie ihren Namen und wurde in eine Grund- und Sekundarschule geteilt, letztere später wegen Schülermangels geschlossen. 2010 erfolgte ein Neustart als „Genehmigte Ersatzschule“, 2013 gab es die staatliche Anerkennung.

Der Bestand der pädagogischen Einrichtung schien gesichert. Doch ein Blick auf die aktuellen Stellenausschreibungen im Netz zeigt, dass Lehrkräfte in den Fächern Englisch, Geschichte, Mathematik, Kunst und Sport fehlen. Nun ist Schluss. Für die 76 Schüler bedeutet das, dass sie sich im kommenden Schuljahr eine neue Bildungseinrichtung suchen können. Eine unbürokratische Lösung ist im gegenwärtigen Bildungssystem nicht möglich und scheinbar auch nicht gewollt. Und genau daran muss sich etwas ändern!

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