Die letzte Rettung in der Asylkrise: Schauspielunterricht

Die Zeit der Willkommensklatscher ist vorbei. Erst wurden die Wellen der „Flüchtlinge“, wie die Glücksritter aus dem Orient und Afrika meist genannt werden, so groß, dass es rein technisch...

Die Zeit der Willkommensklatscher ist vorbei. Erst wurden die Wellen der „Flüchtlinge“, wie die Glücksritter aus dem Orient und Afrika meist genannt werden, so groß, dass es rein technisch nicht mehr möglich war, das Willkommens-Theater für jeden Ankömmling aufzuführen.

Asylheim_Jürgenstorf2Dann zog der Alltag ein in die Unterkünfte. Egal ob Baumarkt, Turnhalle, Containerdorf oder Hotel – Berichte über kriminelle Handlungen der (unwillkommenen) Gäste kamen fast täglich in die Medien. Immer offener zeigte sich der Protest von Anwohnern, die nicht einverstanden waren mit den Ausmaßen der illegalen Einwanderung. Nach und nach zerplatzten auch die Lügen von den „Fachkräften“, die dringend gebraucht würden. Die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht ließen die Befürworter der galoppierenden Überfremdung endgültig in die Defensive geraten.

Nicht geändert hat sich die Situation im Umfeld der Asylsuchenden. Zwar kamen in den letzten Monaten deutlich weniger Personen über die Grenzen. Ihre Zahl liegt aber immer noch im Tausenderbereich. Die Abschiebungen gehen schleppend voran und die wenigen Hundert Iraker oder Syrer, die enttäuscht in ihre Heimat zurückkehren wollen, fallen nicht ins Gewicht.

Die Belastung der mit der Bewachung, Versorgung oder Betreuung beschäftigten Bürger ist unverändert hoch. Deshalb werden Gelder in die Hand genommen und Programme aufgelegt, um die Betroffenen irgendwie bei Laune zu halten. So bietet die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Magdeburg einen sogenannten Workshop an, in dem ein „Interkulturelles Training für die Arbeit mit Geflüchteten“ auf dem Programm steht.

Die Einladung richtet sich an „haupt- und ehrenamtliche Personen, die mit Geflüchteten arbeiten oder in ihren Arbeitskontexten mit Geflüchteten zu tun haben“ und wurde vom Kultusministerium als „Lehrerfortbildungsveranstaltungen weiterer Träger“ anerkannt.

Wer nun erwartet hätte, dass die entnervten Pädagogen eine Beratung erhalten würden, bei der Polizeibeamte, Seelsorger, Psychologen oder Völkerkundler das Wort erhalten, sieht sich getäuscht. Stattdessen wird die Veranstaltung von zwei Theaterpädagoginnen aus Berlin und Potsdam geleitet. Sie sollen ein Training durchführen, bei dem es laut Programm darum geht, „Verständnis für andere zu entwickeln und sich gleichzeitig mit den eigenen Werten, Gefühls-, Denk- und Verhaltensmustern auseinanderzusetzen“.

Die Situation des mit Asylanten beschäftigten Personenkreises scheint inzwischen so prekär zu sein, dass man ihnen Schauspielunterricht anbietet, um überhaupt irgendwie helfen zu können. Aber auch die Damen vom Theater haben eine ganz spezielle Strategie, das Leben zu meistern. So arbeitet Ute Z. (den vollständigen Namen möchten wir aus Rücksicht verschweigen) bei einem Kabarett, in dem „über den ganz normalen Irrsinn des Alltags, aber auch über die zahlreichen Kuriositäten in der ‚großen‘ Politik“ gespöttelt und sinniert wird. Als Zielgruppe werden die sogenannten normalen Bürger oder „andere psychisch kranke Menschen“ genannt.

Diese Informationen befinden sich im Programm der Friedrich-Ebert-Stiftung natürlich nicht. Ob sich so die Schwierigkeiten des interkulturellen Dialoges, der nonverbalen Kommunikation in den geplanten Rollenspielen tatsächlich lösen lassen, ist fraglich. Sicher ist nur eins: das ganze Theater kostet viel Geld. Geld, das an anderer Stelle dringend gebraucht würde. Und sicher gebe es für die Teilnehmer wie für die Veranstalter sinnvollere Aufgaben, denen sie sich widmen könnten.

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