Volksrente statt Rutschpartie auf den Finanzmärkten!

von Lutz Dessau Die Altersvorsorge ist auch hierzulande zu einem gut Teil dem (privaten) und durchaus glitschigen Finanzsektor anvertraut worden. Hierbei empfiehlt es sich durchaus, das Kleingedruckte in den...

von Lutz Dessau

Die Altersvorsorge ist auch hierzulande zu einem gut Teil dem (privaten) und durchaus glitschigen Finanzsektor anvertraut worden. Hierbei empfiehlt es sich durchaus, das Kleingedruckte in den Verträgen, die meist in reißerischer Manier angeboten werden, zu lesen.

VolksrenteNa, haben auch Sie gerade einen Anruf von Ihrem Versicherungsvertreter erhalten? „Jedem zweiten Neurentner droht von 2030 an ein Leben in Armut; die Rente wird bestenfalls Hartz-IV-Niveau erreichen“, konfrontiert er Sie mit der jüngsten Horrormeldung aus dem Merkel-Paradies. Deshalb sei es einmal mehr wichtig, endlich private Vorsorge zu treffen, sagt der Vertreter. „Wollen Sie der Letzte sein?“

Doch Vorsicht! Der Teufel steckt auch hier im Detail, sprich, im Kleingedruckten. So heißt es im Standardschreiben eines großen Konzerns, der unter anderem fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen mit einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung anbietet: „Leistungen bei Erleben: Bei der Ermittlung der möglichen Gesamtleistung wurde – ausgehend von den vorhandenen Anteilen und dem aktuellen Kurs – eine zukünftig gleichmäßige Wertentwicklung … angenommen. Da fondsgebundene Anlagen keine gleichmäßige Wertentwicklung erfahren, ergeben sich auch bei gleichen Hochrechnungssätzen zukünftig andere Werte.“ Die Ergebnisse können also höher oder auch niedriger ausfallen als die im ersten Teil des Schreibens angegebenen Zahlen, die laut Konzern ausschließlich „Illustrationszwecken“ dienten.

Verlockend klingt zumindest auf den ersten Blick das Wörtchen „Überschußbeteiligung“, also die vereinbarte Partizipation der Versicherungsnehmer an den Überschüssen aus dem Geschäft des Versicherers. Auch hier hilft ein Blick ins Kleingedruckte, um die Euphorie nicht ins Uferlose abgleiten zu lassen: Die Höhe der Beteiligung „hängt von vielen Einflüssen ab. Diese sind – allein schon wegen der langen Vertragslaufzeit – nicht vorhersehbar und von uns nur begrenzt beeinflußbar.“ Zu den Einflußfaktoren zählten dabei „die Entwicklung der versicherten Risiken und der Kosten, bei Zusatzversicherungen auch die Entwicklung an den Kapitalmärkten“. Die Höhe der künftigen Überschußbeteiligung kann also nicht garantiert werden!

Kunde trägt Risiko der Wertminderung

Volksrente1Zum Anlagestock, der aus den für die Kunden angelegten Geldern besteht, ist in einem anderen Schreiben des Konzerns – selbstredend auch im kleingedruckten Teil – zu lesen: „Der Wert der Anteileinheit richtet sich nach der Wertentwicklung des Anlagestocks. (…) Da die Entwicklung der Werte des Anlagestocks nicht vorauszusehen ist, können wir den Geldwert der Leistung – außer im Todesfall – nicht garantieren. Sie haben die Chance, insbesondere bei Kurssteigerungen der Wertpapiere des Anlagestocks einen Wertzuwachs zu erzielen; bei Kursrückgängen tragen Sie das Risiko der Wertminderung.“

(Unter Provisionsdruck stehende) Versicherungsvertreter wissen schon, warum sie ihren Kunden vielfach die Ohren volllabern, nur die Lichtseiten herausstreichen und auf schnelle Unterzeichnung des Vertrages drängen.

Strafe für „Unruhestifter“

Unter „Ausschlußtatbestände“ heißt es übrigens: „Sofern nichts anderes vereinbart ist“, wird keine Leistung gewährt, „wenn die Berufsunfähigkeit verursacht ist: … unmittelbar durch Krieg, Bürgerkrieg Brennende Barrikaden1aoder innere Unruhen, sofern der Versicherte auf Seiten der Unruhestifter teilgenommen hat“. Was geschieht also, wenn der Kunde irgendeines Versicherungskonzerns von seinem Widerstandsrecht gemäß Artikel 20 (4) Grundgesetz Gebrauch macht und gegen jene aufsteht, die dabei sind, Deutschland als demokratischen und sozialen Staat abzuschaffen und das Staatsvolk gleich mit? Dabei kann es passieren, daß zunächst friedliche Proteste in Unruhen münden, bei denen der Versicherungsnehmer so schwer verletzt wird, daß Berufsunfähigkeit eintritt. Nach Lesart des Konzerns erlischt dann folglich der Leistungsanspruch.

Versicherungsschutz hingegen besteht – was kaum überraschen kann -, sofern die Berufsunfähigkeit „außerhalb der territorialen Grenzen der NATO-Mitgliedsstaaten verursacht wurde“ und der Versicherte als Mitglied der Bundeswehr oder der Polizei an „Friedensmissionen“ von NATO, UNO, EU oder OSZE teilgenommen hat. Entsprechen doch die mit den „Friedensmissionen“ verbundenen kriegerischen Einsätze so recht dem Geschmack der global agierenden Finanz-Oligarchie, der ein nomadischer Charakter innewohnt und die ihre Ausgangsbasis an der US-Ostküste hat. Organisationen wie NATO oder auch EU werden dabei als Rammböcke genutzt, um Breschen zu schlagen. Starke Nationen (bisweilen auch „Schurkenstaaten“ genannt) mit stabilen, vom Staat geschaffenen Leitplanken sind ihr ein Dorn im Auge, da derartige Strukturen naturgemäß die besten Bremsen gegen Spekulations-Geschäfte darstellen.

Entstaatlichung auch im Bereich der Altersvorsorge

In einmal entstandene Lücken stoßen nicht zuletzt die Versicherungskonzerne mit ihren oft der Spekulation dienenden „Finanzprodukten“. Ein gerüttelt Maß an Verantwortung trägt auch hier die Politik, die Altersvorsorge-Maßnahmen in weiten Teilen dem rutschigen Parkett der globalen Finanzwelt überantwortet und sie somit zu einem guten Teil entstaatlicht hat.

Dagegen wendet sich die NPD vehement. Sie fordert seit Jahren eine Bürgerversicherung im Sinne einer auf dem Solidarprinzip aufbauenden Volksrente, in die auch Politiker, Unternehmer, Beamte und Freiberufler einzahlen.

 

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