Die Bilderberger: Mythos und Realität

Verkommt die Demokratie zur Staffage? Anläßlich der bevorstehenden Bilderberg-Konferenz, die dieses Jahr vom 9. -12 Juni 2016 in Dresden stattfinden wird, hat die sächsische NPD für Donnerstag, den 9....

Verkommt die Demokratie zur Staffage?

Anläßlich der bevorstehenden Bilderberg-Konferenz, die dieses Jahr vom 9. -12 Juni 2016 in Dresden stattfinden wird, hat die sächsische NPD für Donnerstag, den 9. Juni um 18.30 Uhr auf dem Postplatz in Dresden eine Kundgebung unter dem Motto „Volksherrrschaft durchsetzen – „Bilderberger“-Macht brechen – Heimlichtuerei beenden!“ angemeldet. Zur Pressemitteilung geht es hier: https://npd-sachsen.de/newsletter/npd-protest-gegen-bilderberger-konferenz-am-9-juni-2016-in-dresden/

Wir veröffentlichen an dieser Stelle einen Report des sächsischen NPD-Vorstandsmitgliedes und DS-Redakters Thorsten Thomsen zum Thema „Bilderberger“, der in der Druckausgabe der Deutschen Stimme im August 2015 erschienen ist:

Alljährlich trifft sich eine illustre Schar von Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Finanzwelt und Medien bei den Bilderberg- Konferenzen, um sich – angeblich »rein privat« – über politische und ökonomische Fragen auszutauschen. Kritiker bezweifeln indes, daß es sich bei den Treffen nur um lockere Gesprächsrunden handelt, sondern gehen vielmehr davon aus, daß dort abgeschirmt von der Öffentlichkeit und jeglicher demokratischen Kontrolle weltpolitisch bedeutsame Weichenstellungen vorweggenommen werden.

Thorsten Thomsen

Auch in diesem Jahr [gemeint ist das Jahr 2015, d. Red.] machte die Teilnehmerliste der Bilderberg- Konferenz, die vom 11. bis zum 14. Juni in Telfs bei Innsbruck stattfand, nicht den Eindruck eines informellen Kaffeekränzchens. Angereist waren unter anderem der ehemalige EUKommissionspräsident Manuel Barroso, der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, Neocon-Chefstratege Richard Perle vom American Enterprise Institute, Karstadt-Eigentümer René Benko, EZB-Direktor Benoit Coeuré, Springer- Verlagschef Matthias Döpfner, Siemens-Vorstand Joe Kaeser, der britische Schatzkanzler George Osborne, Belgiens Regierungschef Charles Michel, Google-Vorstand Eric Schmidt, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der niederländische Premier Mark Rutte sowie zahlreiche Vertreter der Finanzindustrie. Mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen saß erneut ein hochrangiges Mitglied der Bundesregierung mit am Bilderberg- Tisch.

Pyramide der Macht

Die Zusammenkunft in Österreich war bereits die 63. ihrer Art. Angefangen hatte alles 1954 im holländischen Städtchen Oosterbek, wo Prinz Bernhard der Niederlande Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft ins Nobelhotel »Bilderberg« geladen hatte, das der diskreten Runde fortan ihren Namen geben sollte. Prinz Bernhard war einst ein besonders eilfertiger Hitler-Anhänger, der 1933 nicht nur in die NSDAP, sondern auch in die Motor-SA, das NS-Fliegerkorps und die Reiter- SS eingetreten war. Nachdem die Wehrmacht 1940 die Niederlande besetzt hatte, machte sich der deutsche Prinz nach Großbritannien auf und arbeitete als holländischer Verbindungsoffizier für die Alliierten. Nach dem Krieg wurde aus dem vormaligen Nationalsozialisten ein gnadenloser Verfolger von Niederländern, die mit den Deutschen kollaboriert hatten. Zweiundzwanzig Jahre hatte Bernhard schließlich den Bilderberger- Vorsitz inne, ihm im Amt folgten unter anderem Ex- Bundespräsident Walter Scheel, der ehemalige NATO-Generalsekretär Peter Carrington und der frühere EU-Kommissionsvizepräsident Étienne Davignon. Derzeit amtiert Henri de Castries, CEO des französischen Versicherungskonzerns AXA, als Bilderberg-Chef. Die erste Geige spielt allerdings nicht der Vorsitzende, denn der hierarchische Aufbau der Bilderberg-Gruppe gleicht einer Pyramide. An der Spitze steht ein innerer Kreis, die Advisory Group, dessen Mitglieder auf Lebenszeit ernannt werden. Der Advisory Group gehört auch der Bankier und Milliardär David Rockefeller an, der als Graue Eminenz und – neben Henry Kissinger – wichtigster Drahtzieher der Bilderberger gilt. Der schwerreiche Amerikaner, der jüngst seinen 100. Geburtstag feierte, ist der Enkel des Großindustriellen und Standard- Oil-Gründers John D. Rockefeller sen. und leitete von 1960 bis 1981 die Chase Manhattan Bank. David Rockefeller ist auch Mitbegründer der Trilateralen Kommission und war zeitweise Präsident des höchst einflußreichen Council on Foreign Relations (CFR).

Klartext von Rockefeller

In seinen Memoiren Erinnerungen eines Weltbankiers bekannte David Rockefeller: »Einige meinen gar, wir sind Teil einer geheimen Kabale, die gegen die besten Interessen der Vereinigten Staaten arbeitet. Sie charakterisieren meine Familie und mich als ›Internationalisten‹ und glauben, wir hätten uns zusammen mit anderen in der Welt verschworen, eine mehr global integrierte politische und wirtschaftliche Struktur – wenn Sie so wollen –, eine Eine-Welt aufzubauen. Wenn das die Vorwürfe sind, bekenne ich mich schuldig und bin stolz darauf.« Eine Ebene unter der Advisory Group ist in der Bilderberg- Pyramide der Lenkungsausschuß, das so genannte Steering Committee, angesiedelt, dem neben dem Vorsitzenden auch zwei Generalsekretäre angehören. Aktuell gehören dem Gremium neben Manuel Barroso und Richard Perle bekannte Köpfe wie der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, Ex-Weltbank-Chef Robert Zoellick oder der frühere italienische Ministerpräsident Mario Monti an. Erst auf der dritten, der untersten Ebene des Bilderberg-Systems befinden sich die weder der Advisory Group noch dem Steering Commitee angehörigen Gäste der jährlichen Konferenzen, die allesamt zur Verschwiegenheit verpflichtet werden. Im Jahr 1991 ließ David Rockefeller einmal mehr die Maske fallen, indem er erklärte: »Wir sind der Washington Post, der New York Times, dem Time Magazine und anderen großen Medien dankbar, deren Direktoren unseren Treffen beiwohnten und sich an ihr Versprechen, Diskretion zu wahren, beinahe vierzig Jahre lang gehalten haben. Es wäre uns unmöglich gewesen, unseren Plan für die Welt zu entwickeln, hätten wir all diese Jahre im hellen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gestanden. Aber die Welt ist jetzt entwickelter und vorbereitet, sich in Richtung auf eine Weltregierung zu bewegen, die niemals wieder Krieg kennen wird, sondern nichts als Frieden und Wohlstand für die ganze Menschheit. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Bankiers der Welt ist der in den vergangenen Jahrhunderten praktizierten nationalen Selbstbestimmung sicherlich vorzuziehen.« Ideologie des Geldes Während einige Autoren wegen solcher Aussagen in den Bilderbergern eine Art »Weltregierung« zu erkennen meinen, hält Daniel Estulin, Autor des Standardwerkes Die wahre Geschichte der Bilderberger, dies für illusorisch und sieht in der Gruppe vielmehr eine Vereinigung von Politikern, Wirtschafts- und Finanzlenkern, die vor allem von ökonomischen Interessen geleitet werden. Getreu dem Motto des Ahnherren des angelsächsischen Liberalismus Adam Smith, nach dem es allen zugute komme, wenn jeder nur an sich selber denke, gehen Bilderberger davon aus, mit ihrem persönlichen Profitstreben letztlich der gesamten Menschheit einen Dienst zu erweisen. Der Publizist warnt daher vor Übertreibungen: »Die Bilderberg-Gruppe ist keine Geheimgesellschaft, kein böses, allsehendes Auge. Es gibt keine Verschwörung, obwohl eine Menge Leute mit ihren infantilen Fantasien die Gruppe als eine solches ansehen. Die Bilderberg-Konferenz ist ein Treffen von Menschen, die eine bestimmte Ideologie repräsentieren.« Bestätigt wird diese Einschätzung durch eine Aussage von Dennis Healey, der 30 Jahre lang Mitglied im Lenkungsausschuß der Bilderberger war. Der britische Guardian zitierte den früheren Labour-Minister 2001 mit den Worten: »Zu behaupten, wir strebten nach einer Eine-Welt-Regierung, ist übertrieben, aber nicht gänzlich unfair.« Bilderberg sei »eine Möglichkeit, Politiker, Industrielle, Finanziers und Journalisten zusammenzubringen.« Man sei vor allem »daran interessiert, jüngere Politiker, deren Stern im Steigen begriffen ist, einzubeziehen und sie mit Finanzleuten und Industriellen zusammenzubringen, die ihnen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse vermitteln können. Dies erhöht die Chance, eine sensible globale Politik zu betreiben «, so Healey. Der Machtforscher und Managementprofessor an der britischen Cranfield-Universität Andrew Kakabadse veröffentlichte 2011 ein Buch mit dem Titel Bilderberg People – Elite Power and Consensus in World Affairs, für das er 13 Mitglieder des Bilderberg-Netzwerkes befragte. In der Wirtschaftswoche beantwortete auch er die Frage, welche Ziele die diskrete Gesellschaft verfolgte, in einer ähnlichen Weise: »Da trifft sich eine Gruppe von Leuten, die ihre Weltsicht und Philosophie durchsetzen wollen.« Durch die Teilnahme an einer Konferenz der Bilderberger würden sich viele Türen öffnen. »Mit einigen der wichtigsten Leute in der Welt zu fraternisieren, ist wie eine Droge«, so Kakabadse. »Es befördert die Teilnehmer in die am meisten bewunderten Zirkel der Macht.«

Hotel

Quelle: By Raro42 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Karrieresprungbrett

Tatsächlich haben sich die Bilderberg- Konferenzen oft als Karrieresprungbrett erwiesen, auch für deutsche Politiker. So nahm Helmut Schmidt im Jahr 1973 im schwedischen Saltsjöbaden erstmals am Bilderberger- Tisch Platz, ein Jahr später wurde er Bundeskanzler. Ähnlich verhielt es sich mit Helmut Kohl, der 1982 im norwegischen Sandefjord bei den Bilderbergern zu Gast war und kurz darauf Amtsinhaber Schmidt durch ein konstruktives Mißtrauensvotum stürzte. Beteiligt am Sturz des SPD-Politikers war damals auch Otto Graf Lambsdorff, der mit Kohl zusammen nach Sandefjord gereist war. Angela Merkel wurde im Frühjahr 2005 von den Bilderbergern nach Rottach- Egern geladen und konnte nur wenige Monate später in das höchste Regierungsamt gelangen. Bei Peer Steinbrück klappte es hingegen nicht: Er reiste 2011 zur Bilderberg-Konferenz ins schweizerische St. Moritz, wurde im Jahr darauf von der SPD zum Kanzlerkandidaten nominiert, scheiterte dann jedoch 2013 bei der Bundestagswahl. Angesichts der Teilnahme von Ursula von der Leyen an der diesjährigen Konferenz in Telfs stellt sich natürlich die Frage, ob sich dort bereits die nächste Kanzlerkandidatin der Union vorstellte. Der eigentliche Skandal an den Bilderberg-Konferenzen ist somit die Tatsache, daß gewählte Abgeordnete, Minister, Staats- und Regierungschefs sowie Spitzenvertreter internationaler Organisationen unter Ausschluß der Öffentlichkeit und ohne demokratische Legitimation mit Vertretern der atlantischen Finanzoligarchie und Industriekapitänen vertraulich zusammensitzen und womöglich weitreichende Entscheidungen treffen, ohne darüber Rechenschaft abzulegen. Dies kritisiert auch der Münchner Mediensoziologe Rudolf Stumberger, der gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte: »Es ist ja schon so, daß, wenn sich die Reichen und Mächtigen zusammensetzen und über die Welt reden, wir als Bürger davon in irgendeiner Art und Weise früher oder später betroffen sind. Das sehen wir ja gerade ganz konkret an dem, was auf den Finanzmärkten passiert. Und daher ist das schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn diese Treffen fernab jeder demokratischen Öffentlichkeit stattfinden.« Für Stumberger kommt dies einer »Re-Feudalisierung« gleich, denn: »Das heißt, daß neben den offiziellen Strukturen, neben den demokratischen Strukturen, die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbsternannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab.«

Von wegen »privat«

Auch für Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster und Autor des 2004 erschienenen Buches Hirten & Wölfe: Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen, ist die fehlende Transparenz und die ebenso nicht vorhandene demokratische Legitimation der Akteure das eigentliche Problem. »Das Wichtige und Interessante ist eben, daß diese informellen Netzwerke aus zwei Richtungen gesehen werden können. Sie können einerseits gesehen werden als etwas, was notwendig ist, was man aber transparent machen muß. Oder sie können gesehen werden als etwas, das nicht transparent gemacht werden muß, sondern das als eine Tür dient, hinter der dann auch heikle Entscheidungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit gefällt werden«, so Krysmanski. Wie weit der Einfluß der Bilderberger wirklich reicht, läßt sich erahnen, wenn Teilnehmer den Verschwiegenheitsschleier ein wenig lüften und im nachhinein damit prahlen, beispielsweise die Einführung des Euro schon besprochen zu haben, bevor das Thema überhaupt auf die politische Agenda gesetzt wurde. Daher ist die Mär von dem »privaten Charakter« der Konferenzen eine handfeste Lüge, wie auch der Soziologe Krysmanski feststellt, wenn er sagt: »Abgesehen mal von familialen Bezügen, aber alles, was mit politisch relevanten Inhalten und Diskussionen und Entscheidungen zu tun hat, ob das in vertraulichen Beratungen erfolgt oder im Parlament selber, kann niemals privat sein beziehungsweise ist immer irgendwie öffentlich.« Demokratie wird am Ende zur reinen Staffage, wenn einflußreiche Kreise Pläne im Geheimen schmieden, von denen die Bevölkerung keinen blassen Schimmer hat.

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