Terror und Islam: Der große Selbstbetrug

In Belgien gilt derzeit die höchste Terrorwarnstufe, nachdem eine Anschlagsserie die Hauptstadt Brüssel erschütterte, bei der nach bisherigen Informationen rund 30 Todesopfer und über hundert Verletzte zu beklagen sind....

In Belgien gilt derzeit die höchste Terrorwarnstufe, nachdem eine Anschlagsserie die Hauptstadt Brüssel erschütterte, bei der nach bisherigen Informationen rund 30 Todesopfer und über hundert Verletzte zu beklagen sind. Offenbar hat sich die Terrororganisation »Islamischer Staat« zu den Anschlägen bekannt.

DS-Redakteur Jürgen Gansel

DS-Redakteur Jürgen Gansel

»Nach den brutalen Terroranschlägen von Paris waren wieder – wenn auch leiser als sonst – die Stimmen der Islam-Versteher zu hören. Sie behaupten, islamische Fundamentalisten und Terroristen würden die Quelle des Islam – den Koran – mißdeuten. Wahr ist, daß sie viele Aussagen des Korans nur wörtlich nehmen.«

Diese einleitenden Sätze schrieb unser Autor Jürgen Gansel in einem Beitrag für die Februar-Ausgabe der Deutschen Stimme. Durch die heute bekannt gewordene Tragödie von Brüssel gewinnt seine Analyse erneut bedrückende Aktualität:

»Die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus verstellt den Blick auf die Ursachen des Terrors«

Hier setzt die Islam-Kritik des 1972 geborenen Politologen Hamed Abdel-Samad an. Er hält die Unterscheidung von Islam und Islamismus für Unfug, solange Muslime im Koran das unmittelbare, nicht relativierbare und starr zu befolgende Wort Allahs sehen. In seinem neuesten Buch rechnet er mit der Person und dem Wirken des islamischen Religionsstifters ab. Mohammed – 570 oder 573 in Mekka geboren und 632 in Medina gestorben – gilt im Islam als der Letzte aller Propheten, die von Gott entsandt wurden. Für Muslime ist er eine unfehlbare religiöse Autorität, deren überlieferten Handlungsweisen (den »Hadithen«) ein normativ bindender und zeitloser Charakter zugesprochen wird. Abdel-Samad hält viele Muslime noch heute für Gefangene der mysteriösen Figur Mohammed aus dem 7. Jahrhundert: »Der Islam hat einen Geburtsfehler. Er ist sehr früh in seiner Geschichte politisch erfolgreich geworden und hat bereits zu Lebzeiten des Propheten Mohammed einen Staat gegründet.« Daraus folgt nach Abdel-Samad die ewige Verquickung von Staat und Religion, von Politik und Glaube: »Der Islam ist von Anfang an politisch geworden. Anders als Jesus war Mohammed nicht nur ein Prediger, sondern auch Staatsoberhaupt, Feldherr, Finanzminister, Gesetzgeber, Richter und Polizist in einer Person. Politik, Wirtschaft, Kriege und Gewalt vermischten sich somit mit der Religion von Anfang an. Das ist das Ur-Problem.«

© „Hamed Abdel-Samad (2013)“ von Freud - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

© „Hamed Abdel-Samad (2013)“ von Freud – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

In der Biographie Mohammeds ist zu lesen, daß er alleine in seinen letzten acht Lebensjahren mehr als 70 Kriege führte. Genau dieses kriegerische, auf Machtgewinn und

Missionierung zielende Leben Mohammeds wird im Koran idealisiert, weil das dort Geschriebene als das direkte, unverfälschte Wort Gottes gilt. Wäre der Koran bloß ein historisch- kritisch gelesenes Dokument über einen Staatsgründer und Kriegsherren, der vor 1400 Jahren sein religiöses Erweckungserlebnis hatte, wären dessen Auswirkungen auf das Hier und Heute begrenzt. Völlig unbestritten enthält auch die Bibel neben den typischen Passagen eines Religionstextes blutrünstige Darstellungen und gewaltbejahende Aussagen. Nur deshalb konnte es im Namen Christi zu den Kreuzzügen und den Hexenverbrennungen kommen. Beginnend mit den Säkularisierungsschüben der Renaissance und natürlich in der Hochzeit der europäischen Aufklärung las und interpretierte man die Bibel aber historisch-kritisch. Die biblischen Texte wurden fortan aus ihrem Entstehungszusammenhang heraus gedeutet und nicht mehr als Wort oder Handlungsauftrag Gottes gewertet. Und vor allem wird die Bibel in Europa seit Jahrhunderten nicht mehr als Anleitung zur Gewaltanwendung begriffen.

Der Umgang mit den »Kuffar«

In der islamischen Welt ist das anders: Mohammeds Leben und seine Appelle aus dem 7. Jahrhundert gelten vielen Muslimen als Vorbild für das 21. Jahrhundert und der Koran als weder veränderbares noch hinterfragbares Wort Gottes, dessen Gesetzen kritiklos zu folgen ist. Besonders fanatisch am Vorbild des Propheten und der ersten Generation von Gläubigen orientieren sich die Salafisten (»al-Salaf al-Salih«, also »Die frommen Altvorderen«), die sich vielfach zum Dschihad bekennen und von Sicherheitsbehörden als potentielle Terroristen eingestuft werden. Wenn heutige Salafisten die »Kuffar« – ein verächtlicher Ausdruck für »Ungläubige« – zu bekehren versuchen und im Weigerungsfall auch unterdrücken und bekämpfen wollen, können sie sich unmittelbar auf Mohammed beziehen. Der arabische Begriff »Kafir« – Plural: »Kuffar« – bedeutet »Gottesleugner« und kommt mit seiner Wortwurzel im Koran etwa 500 Mal vor, um die Gegner Mohammeds zu bezeichnen. Er hatte die Welt und Gläubige und Ungläubige eingeteilt und erfand den »Dschihad als Dauerbeschäftigung der Muslime« (Abdel-Samad).

In allen eroberten Gebieten stellte Mohammed Andersgläubige vor die Alternative, entweder zu konvertieren, Kopfsteuer zu zahlen oder getötet zu werden. Vor seinem Tod versprach er, daß alle Ungläubigen von der arabischen Halbinsel vertrieben werden, damit dort nur noch Muslime leben. Auch die von unterworfenen Christen zu zahlende Kopfsteuer (die »Dschizya«) ist im Koran begründet. In Sure 9:29 heißt es: »Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und den Jüngsten Tag glauben (…), bis sie in Demut Tribut entrichten.« Der irakische Sender Ischtar berichtete 2014, daß Kämpfer des »Islamischen Staates« in den eroberten Gebieten Nichtmuslime vor die Wahl stellten, entweder zum Islam überzutreten, Kopfsteuer zu zahlen oder zu sterben. Auch hier zeigt sich die Terrormiliz »IS« im Einklang mit dem Koran und der islamischen Tradition.

Aufklärung hier, Wahabismus dort

Als Europa im 18. Jahrhundert die Aufklärung und damit die Entdogmatisierung des Christentums erlebte, entstand in der arabischen Welt mit dem Wahabismus eine der radikalsten Ausprägungen des Islam – übrigens lange bevor europäische Kolonialmächte im Vorderen und Mittleren Orient auf den Plan traten. Somit war der islamische Extremismus keinesfalls, wie die hiesigen Islam- Versteher behaupten, eine Reaktion auf die europäischen Kolonialherren, sondern er wurzelt tief in den Traditionen und der Gedankenwelt des frühen Islam. Kernland des puristisch- traditionalistischen Wahabismus ist Saudi-Arabien, das politisch, finanziell und militärisch überall auf der Welt die Verbreitung eines doktrinären Islamismus unterstützt. Es ist deshalb kein Zufall, daß ein Blogger wie Raif Badawi gerade in Saudi-Arabien wegen der »Beleidigung des Islams« zu zehn Jahren Haft und tausend Peitschenhieben verurteilt wurde. Sein Vergehen: er hatte Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet. Saudi-Arabien ist Hüter der heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina. Mekka ist mit dem Zentralheiligtum der »Kaaba« als symbolischem »Haus Gottes« der zentrale Wallfahrtsort der Muslime, zu dem anläßlich der »Haddsch« jährlich rund 2,5 Millionen Muslime pilgern. Mekka und Medina sind nach islamischem Recht für Nichtmuslime gesperrt. Wenn in Saudi-Arabien die harmlose Meinungsäußerung eines Moslems zur Gleichstellung verschiedener Religionen mit langjähriger Haft und fast endlosen körperlichen Bestrafungen geahndet wird, wirft das ein grelles Schlaglicht auf die Verachtung gegenüber »Ungläubigen«. Von dort ist es nur ein kurzer Weg zur Gewaltanwendung gegen die »Feinde des Islam«, sobald Gewalt möglich und sinnvoll erscheint.

© „Supplicating Pilgrim at Masjid Al Haram. Mecca, Saudi Arabia“ von Ali Mansuri. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

© „Supplicating Pilgrim at Masjid Al Haram. Mecca, Saudi Arabia“ von Ali Mansuri. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

Der ägyptische Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad wird nicht müde zu betonen, daß zahllose Suren und Verse im Koran Gewalt verharmlosen, fordern und verherrlichen. Er verweist auf 206 (!) Passagen im Koran, die Gewalt und Kriege verherrlichen: »Es gibt im Koran 25 direkte Tötungsbefehle, die Allah an die Gläubigen ausspricht. Warum behauptet man, der ›Islamische Staat‹ würde den Koran falsch interpretieren? Die Gotteskrieger interpretieren gar nichts. Sie setzen nur das um, was im Koran unmißverständlich steht.« Abdel-Samad überrascht deshalb auch nicht die Mordlust des islamistischen Terrorismus und die Menschenverachtung des »Islamischen Staates«. Für ihn verunstalten die Dschihadisten den Islam nicht etwa zur Unkenntlichkeit, sondern sie bringen dessen Wesen zur Kenntlichkeit. Er schreibt: »Eine scharfe Trennung zwischen Islam und Islamismus kann es nur geben, wenn Muslime sich vom islamischen Gottesbild lösen, einen Gott, der die Menschen fernsteuert und sie 24 Stunden am Tag überwacht. Ein eifersüchtiger, wütender Gott, der die Menschen für kleine Delikte mit der Höllenqual bestraft, aber selber nicht in Frage gestellt werden darf.« Ein Unterschied zwischen Islam und Islamismus dürfe erst gemacht werden, wenn die islamische Kernbotschaft relativiert werde, wonach der Mensch nur erschaffen sei, um Gott zu dienen und seine Gesetze auf Erden zu vollstrecken.

Fast jeder Terrorist ist ein Moslem

Niemand bestreitet, daß es auch friedliche Muslime gibt, die Gewalt als Mittel der Islam- Verbreitung ablehnen. Das Problem ist – abgesehen davon, daß Muslime im für sie kulturfremden Europa nichts verloren haben –, daß sich die gewaltablehnenden Muslime womöglich weniger auf den Koran berufen können als die muslimischen Gewaltanhänger. Der Koran gilt als wörtliche Offenbarung Allahs an den Propheten Mohammed, dessen Auftrag auch die gewaltsame Verbreitung der Botschaften Allahs war. Aus dem Steinbruch von 114 Suren und 6236 Versen können sich Muslime aller Schattierungen bedienen, um ihre Lesart des Islam zu rechtfertigen. Dazu gehören eben auch die 25 direkten Tötungsbefehle, die Allah laut Abdel-Samad an die Gläubigen ausspricht. Man muß nicht nur an den »Islamischen Staat«, Boko Haram, al-Quida und Salafisten denken, um für die letzten 20 Jahre festzustellen: Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist, aber (fast) jeder Terrorist ist ein Moslem! Zum Jahresende 2015 wurde eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov veröffentlicht, derzufolge auch in Deutschland die Angst vor Terror des »Islamischen Staates« wächst und zwei Drittel der Befragten mit einem Anschlag rechnen.

Die Deutschen müssen nun endlich die Differenzierung von an sich gutem Islam und etwas böserem Islamismus aufgeben und erkennen, daß der Islam in Europa eine Fremd- und Feindreligion ist. Eine Fremdreligion ist er, weil er Religion und Politik zu einem Religionstotalitarismus verschmilzt, an dessen Ende ein Regime von Gottesgelehrten steht, was jeder europäischen Geistes- und Staatstradition widerspricht. Und eine Feindreligion ist der Islam, weil er mit seiner Idee eines universalen Kalifats Europa zum Eroberungsraum erklärt hat und die Völker Europas der Weltgemeinschaft der Muslime (»Umma«) einverleiben will. Muslime haben neben der Verteidigung des Islam, was völlig legitim ist, die religiöse Pflicht, die Welt der Ungläubigen zu unterwerfen, bis der Islam auf dem gesamten Globus herrscht. »Die Grenze des Islam ist die Grenze der Welt«, heißt es in muslimischen Quellen. Will Europa nicht zu Eurabia werden, muß es den Abwehrkampf gegen die Islamisierung entschlossen führen.

Jürgen Gansel

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