Asylprotestierer der Woche

Nein, es geht nicht wieder um Sachsen – auch nicht um NPD, AfD oder Pegida. Diesmal kommen die „besorgten Bürger“ aus einer ganz anderen Ecke. Seit Monaten sucht die...

Nein, es geht nicht wieder um Sachsen – auch nicht um NPD, AfD oder Pegida. Diesmal kommen die „besorgten Bürger“ aus einer ganz anderen Ecke.

Seit Monaten sucht die Verwaltung der Bundeshauptstadt Berlin nach neuen Unterkünften für Asylbewerber. Turnhallen wurden beschlagnahmt und wo immer sich ein freies Grundstück findet, werden Container für die ungebetenen Gäste aufgestellt. Ob den Bürgern das gefällt ist den Regierenden ziemlich egal. Proteste werden mit der Nazikeule niedergemacht, die Teilnehmer in die rechte Ecke gestellt. Presse- und sonstige Medienvertreter erfüllen eifrig die ihnen zugewiesene Rolle des Moralapostels.

Letzten Mittwoch jedoch war alles anders. 150 Personen demonstrierten vor dem Rathaus Neukölln. Nicht gegen Asylanten – nein – für die Erhaltung einer Wagenburg, die sich zufällig  auf einem Gelände befindet, container1aauf dem künftig „Geflüchtete“ in modularen Unterkünften untergebracht werden sollen. Dafür müssten die noblen Herbergen verschwinden oder zumindest Platz machen. Für die Bewohner ist das eine Katastrophe. Wer hat schon mitten in Berlin ein Grundstück von 8000 m² zur freien Verfügung? So etwas gibt man nicht freiwillig her, auch nicht, wenn man 3000 m² behalten dürfte. Für die immerhin 20(!) Bewohner wäre das eine nicht hinzunehmende Zumutung!

Um was für eine elitäre Ansammlung handelt es sich bei den Herrschern der Wagenburg an der Kiefholzstraße in Neukölln? Die Eigenbezeichnung lautet „Radikal Queerer Wagenplatz Kanal“, es hausen „mehrheitlich Geflüchtete, Migrant_innen, Schwarze Menschen, Rrom_nja und Menschen of Color, die gegen Rassismus, Klassismus, Sexismus und Inter* Trans* Homo Diskriminierungen kämpfen“ in den an lateinamerikanische Favelas erinnernden Klabachen. Die eigenartige Sprache, in der die Selbstbeschreibung abgefasst ist, weist auf eine sektenartige Struktur des Personenkreises hin. Ohne Kenntnis des außerirdischen Geschwurbels gibt es kein Miteinander bei der Pflege dieses prekären Lebensstils!

Normalerweise betätigt sich diese Art Mensch am Rande des politisch links angesiedelten Lagers, krakeelt gegen alles, was man für „Faschisten“, „Rassisten“ oder sonst nicht existenzwürdig hält und gebraucht dabei gern Gegenstände, um sie dem gegnerischen Lager um die Ohren zu werfen. Jetzt geht es aber um die eigene armselige Existenz, da geht man auch mal gegen Zuwanderer auf die Straße, notdürftig versteckt hinter den Forderungen „mitreden“ zu wollen und für ein „Projekt“ einzutreten.

Wer nun glaubt, Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey würde in diesem Fall durchgreifen und die zwanzig Hanseln in die Schranken weisen, sieht sich getäuscht. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ brachte die SPD-Politikerin ihr Interesse an einer einvernehmlichen Lösung zum Ausdruck. Den protestierenden Bewohnern bot sie ein Gespräch an, die sich in dem Berliner Blatt ausführlich selbst darstellen und ihre krude Weltsicht darlegen konnten. Die Kommentare unter dem Artikel fallen dagegen weniger freundlich aus. Den Titel „Asylprotestierer der Woche“ haben sich die „radikalen Queeren“ deshalb redlich verdient.

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