Zweckentfremdete Sporthallen trüben das Wintermärchen der deutschen Handballer

Die jüngste Mannschaft des Turniers wurde völlig überraschend Handball-Europameister. Am Montag wurde die Siegertruppe, die sich trotz großem Verletzungspech von Spiel zu Spiel steigern konnte, in der Berliner Max-Schmeling-Halle...

Die jüngste Mannschaft des Turniers wurde völlig überraschend Handball-Europameister. Am Montag wurde die Siegertruppe, die sich trotz großem Verletzungspech von Spiel zu Spiel steigern konnte, in der Berliner Max-Schmeling-Halle gefeiert. Doch die in Breslau und Krakau mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung erkämpften Siege kommen nicht von ungefähr.

Nach dem Europameister-Titel 2004 und dem Erfolg bei der Heim-Weltmeisterschaft 2007 wurde ein Problem, mit dem man schon lange zu kämpfen hatte, ignoriert.

Heiner_BrandSo schlug der ehemalige Nationaltrainer Heiner Brand schon damals Alarm, als beim Supercup-Endspiel zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt phasenweise nur zwei Deutsche auf dem Parkett standen. Brand fand diese Entwicklung sehr bedenklich und forderte, daß dies gestoppt werden muß. Ein Lösungsvorschlag, den Brand damals in der „Handballwoche“ machte, war die Einführung einer „Deutschen-Quote“. Er setzte auf eine konsequente Förderung deutscher Talente in der Handball-Bundesliga.

Das wurde nicht überall mit Wohlwollen aufgenommen. So lehnte u.a. der Handball-Klub HSV Hamburg die Quote für deutsche Spieler ab. Wer nicht hören will, muß dann bekanntlich fühlen. So hat sich vor einigen Tagen der deutsche Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 wegen Insolvenz mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Bundesliga (HBL) abgemeldet.

Bei dieser Handball-Europameisterschaft konnte man auch von Nationalmannschaften sprechen, die diese Bezeichnung verdient haben. Ob Spanien, Norwegen, Ungarn oder eben Deutschland, mit diesen Mannschaften kann sich der jeweilige Fan identifizieren. So überrascht es auch nicht, daß unsere Mannschaft am Sonntag nach ihrem Wintermärchen in Krakau voller Inbrunst die deutsche Nationalhymne geschmettert hat.

Mit dem Titel hat die junge Truppe nicht nur eine starke Turnierleistung gekrönt, sie hat sich auch direkt für die Olympischen Spiele im Sommer und die Weltmeisterschaft 2017 qualifiziert.

Diese Erfolge sollen dann auch für neuen Schwung im Nachwuchsbereich sorgen. Doch die im Sommer 2015 ausgerufene Willkommenskultur schafft auch hier Hindernisse.

So möchte der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Bob Hanning, die Kinder, „die uns jetzt zulaufen, gewinnen“. Aber Hanning, der auch Geschäftsführer beim Bundesligisten Füchse Berlin ist, berichtet über die Lage in der Hauptstadt: „Wir haben Anfragen, aber können die Kinder nicht aufnehmen, weil die Hallen mit Flüchtlingen gefüllt sind. Auch das ist ein ernst zu nehmendes Problem!“

Wünschen wir den EM-Helden auch in Brasilien und Frankreich maximale Erfolge und daß trotz zweckentfremdeter Sporthallen weiterhin deutsche Talente mit dem Herz am rechten Fleck zur Nationalmannschaft stoßen.

Klaus Beier

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