Handball-EM: Wintersinfonie in Breslau und Krakau!

von Lutz Dessau Zupackend und beweglich in der Abwehr, eine variable Angriffsgestaltung mit unbekümmerten Aktionen, nicht zu vergessen ein bärenstarker Torhüter Andreas Wolff von der HSG Wetzlar: Die deutschen...

von Lutz Dessau

Zupackend und beweglich in der Abwehr, eine variable Angriffsgestaltung mit unbekümmerten Aktionen, nicht zu vergessen ein bärenstarker Torhüter Andreas Wolff von der HSG Wetzlar: Die deutschen Handballer um den isländischen Trainer  haben während der EM in Polen für ihren Sport allerbeste Werbung betrieben. Im Krakauer Finale, das die DHB-Vertretung durch ein 34:33 in der Verlängerung gegen Norwegen erreicht hatte, wurde Spanien in dieser Höhe völlig unerwartet mit 24:17 (10:6) bezwungen. Deutschland ist Europameister – das verdient allerhöchsten Respekt!

Vor dem Turnier in Polen waren die Töne aus dem deutschen Lager eher verhalten bis leicht optimistisch gewesen: 14 EM-Debütanten, dazu Verletzungen von gestandenen Akteuren wie Uwe Gensheimer oder Abwehrchef Patrick Wienczek, zudem eine Hammer-Vorrundengruppe. Doch „mit Dingen, die ich nicht beeinflussen kann, befasse ich mich gar nicht“, diktierte Sigurdsson den Journalisten kurzerhand in die Blöcke. Zurückhaltend äußerte er sich auch mit Blick auf die Ziele: „Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren guten Handball gespielt.“ Daran wolle man anknüpfen.

Der Vorrunde mit den Spielen gegen Spanien (29:32), Schweden (27:26) und Slowenien (25:21) folgten in der Hauptrunde zunächst Erfolge über Ungarn (29:19) und Rußland (30:29), ehe sich die DHB-Truppe mit einem 25:23 über die favorisierten Dänen ins Halbfinale katapultierte. Die deutsche Mannschaft, mit einem Durchschnittsalter von 24,9 Jahren die jüngste des Turniers, setzte die taktischen Vorgaben, auch die während der Auszeiten erteilten, meist fabelhaft um: Spiel breiter gestalten, Freiwürfe herausholen, enger in der Abwehr stehen, keine weiteren Zwei-Minuten-Strafen – Sigurdssons knappe, präzise Ansagen fanden Gehör.

Angesichts der zur Schau gestellten Homogenität fällt es schwer, Spieler herauszuheben – vielleicht neben Wolff den nervenstarken Sieben-Meter-Schützen Tobias Reichmann oder den gebürtigen Bremer Finn Lemke (SC Magdeburg) im Zentrum der Abwehr. In einem Punkt sind sich indes alle einig: Deutschland verfügt über einen äußerst breiten Kader und ist im Männer-Handball wieder wer! LD

Der deutsche Kader:

Torhüter: Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach); Andreas Wolff (HSG Wetzlar);

Linksaußen: Rune Dahmke (THW Kiel);

Rückraum links: Steffen Fäth (HSG Wetzlar), Christian Dissinger (THW Kiel), Finn Lemke (SC Magdeburg), Julius Kühn (VfL Gummersbach);

Rückraum Mitte: Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten), Niclas Pieczkowski (TSG N-Lübbeke), Simon Ernst (VfL Gummersbach);

Rückraum rechts: Steffen Weinhold (THW Kiel), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf);

Rechtsaußen: Johannes Sellin (MT Melsungen), Tobias Reichmann (KS Vive Kielce/Polen);

Kreis: Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Erik Schmidt (TSV Hannover-Burgdorf).

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