Schule ohne Rassismus, Lehrer und Unterricht

Täglich grüßt das Murmeltier und jährlich der Lehrermangel in den Schulen. Regelmäßig zu Beginn des Schuljahres wird das Thema im Rahmen Kleiner Anfragen und Anträge in den Landesparlamenten behandelt,...

Täglich grüßt das Murmeltier und jährlich der Lehrermangel in den Schulen. Regelmäßig zu Beginn des Schuljahres wird das Thema im Rahmen Kleiner Anfragen und Anträge in den Landesparlamenten behandelt, debattiert und dann wieder zu den Akten gelegt.

So ist es auch im Herbst 2015. Im anhaltischen Köthen hat sich die Lage aber mittlerweile so zugespitzt, dass bei der Sekundarschule „Völkerfreundschaft“ ganze Klassen zu Hause bleiben müssen. Einem Bericht des MDR zufolge ist ein Drittel der Lehrer krank. Die verbliebenen Pädagogen können sich vor Überstunden kaum retten, die Zusammenlegung von Kursen oder das gleichzeitige Unterrichten zweier Klassen in benachbarten Räumen führen nicht mehr zum Ziel. Vertretungen aus anderen Schulen scheitern an bürokratischen Hindernissen.

Die GEW macht auf Krawall und fordert die Einstellung von 300 zusätzlichen Lehrern. Kultusminister Dorgerloh (SPD), ein praxisferner Kirchenmann, jongliert vor der Presse mit den Zahlen so lange, bis sie scheinbar passen. Am katastrophalen Ergebnis ändern sie nichts. Dabei ist die Misere hausgemacht.

Mit der Einführung des bundesdeutschen Bildungssystems in Sachsen-Anhalt im Jahr 1991 wurden zunächst einmal 6000 scheinbar überflüssige Lehrer entlassen. Ein Teil davon schien politisch nicht mehr tragbar zu sein, die meisten jedoch hatten einfach die „falschen“ Unterrichtsfächer studiert. Neben Staatsbürgerkunde oder Russisch waren es die oft überzähligen Pädagogen aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften oder Sport, in denen die Stundenzahl drastisch verringert wurde. Diesem ersten Schritt folgte ein weiterer Stellenabbau in den folgenden Jahren. Wer aus Altersgründen ausschied, wurde oft nicht ersetzt. Lukrative Angebote zur Frühverrentung ergänzten die Fehlentwicklung.

Begründet wurde das alles mit der sinkenden Schülerzahl als Folge der demographischen Katastrophe, die wie ein Naturereignis hingenommen wurde. Abiturienten orientierten sich in der Folge auf andere Berufe, Lehrerabsolventen verließen Sachsen-Anhalt in Richtung Westen. Der Lehrkörper alterte inzwischen langsam aber stetig. In der Sekundarschule „Völkerfreundschaft“ beträgt der Altersdurchschnitt derzeit 53 Jahre. Wenige junge Lehrer stehen immer mehr Kollegen gegenüber, die um die 60 sind und nur noch den Ruhestand fest im Blick haben. Und die eben – oft als Folge von Überlastung – auch häufiger krank sind.

Schule_ohne_Rassismus1Die Schulpolitiker beschäftigten sind derweil mit „wichtigeren“ Dingen. Die Grundschulzeit wurde auf sechs Jahre verlängert und dann wieder auf vier gekürzt, „Gender Mainstreaming“ implementiert und schließlich das Förderschulsystem mittels „Inklusion“ ruiniert. Politische Kampagnen im Rahmen des „Kampf gegen Rechts“ wurden – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – oft wichtiger als der Unterricht selbst. Selbstverpflichtungen in DDR-Manier gipfelten in Titeln wie „Schule ohne Rassismus – mit Courage“, deren in schwarz-weiß gehaltenes Logo das Denken bestimmter Funktionäre (ungewollt) beschreibt.

Nun ist das Geschrei groß. Finanzminister Bullerjahn (SPD) zieht sich im Alter von 53 Jahren aus der Politik zurück. Die Pläne des derzeitigen Kultusministers sind noch nicht bekannt. Im März 2016 finden Landtagswahlen statt, die Zeichen stehen auf Veränderung. Egal, wer die Verantwortung für die Schulpolitik übernehmen wird, leicht wird die Aufgabe nicht. Die „Flüchtlingskrise“ kommt auch im Bildungswesen an und könnte ihm den letzten Stoß versetzen, wenn nicht endlich gehandelt wird.

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