Länger arbeiten für „Flüchtlinge“?

Es war schon starker Tobak, was der ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in der „Zeit“ vom Stapel gelassen hat. Angesichts der gegenwärtigen Krise meint er: „Wir sollten den Flüchtlingsstrom zum Anlass...

Es war schon starker Tobak, was der ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in der „Zeit“ vom Stapel gelassen hat. Angesichts der gegenwärtigen Krise meint er: „Wir sollten den Flüchtlingsstrom zum Anlass für eine neue Agenda 2010 nehmen“. Und weiter: „Mehr Geschäftsmodelle für Geringqualifizierte werden erst dann rentabel, wenn der Lohn für einfache Arbeit fällt.“ Der ohnehin erbärmliche Mindestlohn soll auch abgeschafft werden, um die unqualifizierten Einwanderer irgendwie in Arbeit zu bringen.

Und auch für die ältere Generation hat er Zumutungen parat: „Wir sollten lieber das Rentenalter heraufsetzen, um die Flüchtlinge zu ernähren. Die Alten werden im Übrigen gebraucht, um die Flüchtlinge anzulernen.“ So viel Frechheit macht erst einmal sprachlos. Soweit noch Foren zugelassen werden, tobt die Volksseele. Darunter sind viele Beiträge, die den ifo-Chef persönlich angreifen. Das ist verständlich aber letztlich ungerecht. Sinn hat schließlich nur ausgesprochen, was im Umfeld des „Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.“, kurz ifo genannt, längst gefordert wird. Und genau so, wie einst die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Schröder im Auftrag neoliberaler Kreise die Agenda 2010 verbrochen hat, sollen erneut radikale Kürzungen im sozialen System erfolgen.

Im Prinzip kann man Hans-Werner Sinn für seine gnadenlose Offenheit dankbar sein. Erfolgreicher Widerstand setzt Wissen voraus. Dem Geschwätz über einwandernde „Fachkräfte“, die nebenbei unsere demographischen Probleme lösen, dürfte damit endgültig der Boden entzogen sein. Und auch dem ifo-Präsidenten scheint klar zu sein, dass er mit seinen Vorschlägen nicht durchkommen wird. Er fordert deshalb, die Zuwanderung zu begrenzen. Die Staaten Europas müssten „die gemeinsame Außengrenze sichern – und wenn das nicht passiert, eben doch die eigenen Grenzen. Eine Welt ohne Grenzen, in der sich jeder nimmt, was er gern hätte, kann nicht funktionieren.“

Es fragt sich nur, warum bisher niemand aus der regierenden Pseudo-Elite diese Binsenweisheit ausgesprochen hat. Und: Bei Frau Merkel scheint sie immer noch nicht angekommen zu sein!

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