Ansturm auf Europa

Neu und erstmals vollständig übersetzt: Jean Raspails apokalyptischer Klassiker »Das Heerlager der Heiligen« ist aktueller denn je Eine Armada kaum seetüchtiger Kähne mit einer Million hungernder Inder an Bord...

Neu und erstmals vollständig übersetzt: Jean Raspails apokalyptischer Klassiker »Das Heerlager der Heiligen« ist aktueller denn je

Eine Armada kaum seetüchtiger Kähne mit einer Million hungernder Inder an Bord bricht auf, um schließlich in Südfrankreich anzulanden. Es ist die Vorhut unzähliger Elendsmassen aus der Dritten Welt, die auf der Suche nach einem besseren Leben Kurs auf Europa nehmen wollen. Doch anstatt diesen Ansturm abzuwehren, nehmen die Europäer die Invasoren mit offenen Armen auf.

Thorsten Thomsen

Von schlechtem Gewissen und postkolonialen Schuldkomplexen geplagte Medienvertreter, Intellektuelle, Politiker und Kirchenmänner überbieten sich in Humanitätsappellen. Die schon in Frankreich lebenden Immigranten sehen indes ihre Chance gekommen, sich mit den Ankömmlingen zu verbünden, um an ihren früheren Kolonialherren Rache zu nehmen. Angestachelt und instrumentalisiert werden sie dabei von einer politischen Linken, für die nun der revolutionäre Umsturz greifbar nah erscheint.

Als die Schiffe einen Strand in der Nähe des französischen Badeortes St. Tropez erreichen, weichen die Soldaten vor der Flut der Hungerleider zurück. Die gesamte Infrastruktur in der betroffenen Region bricht bald zusammen, und fast die gesamte dort lebende Bevölkerung, außer ein paar Alten und Kranken, flieht vor der Einwanderungsflut in den Norden des Landes. Nur eine kleine Schar von Einheimischen leistet erbitterten Widerstand gegen die Invasion, während in den Metropolen schon die ersten Rassenkrawalle ausbrechen.

Treffsichere Voraussagen

Es mutet beinahe gespenstisch an, mit welcher Prophetie der französische Schriftsteller Jean Raspail, der unlängst seinen 90. Geburtstag feierte, in seinem 1973 erschienenen Roman Le Camp des saints jene Entwicklungen vorwegnahm, mit denen sich Europa heute konfrontiert sieht. Nur einen Unterschied gibt es: Sind es bei Raspail Armutsflüchtlinge aus der Gangesregion, die an einem Ostersonntagmorgen an der südfranzösischen Küste ankommen, haben wir es heute mit einer Wanderungswelle aus Nord- und Schwarzafrika zu tun. Die Bilder von der italienischen Mittelmeerküste, der spanischen Exklave Ceuta in Marokko und aus Calais lassen erahnen, daß Raspail nicht übertrieben hat.

Ansonsten ähneln die realen Geschehnisse auf frappierende Weise der mit bitterböser Ironie angereicherten Fiktion Raspails – auch was die Reaktionen der Europäer auf die beginnende Invasion anbelangt. Wie im Roman breiten die herrschenden Kräfte in Politik und Medien, die Intellektuellen und die Kirchen den Zuwanderern aus dem Trikont den roten Teppich aus, und wie bei Raspail sind die Europäer nur noch selbstvergessene Lemminge, die nach jahrzehntelanger linksliberaler Indoktrination nicht mehr in der Lage sind, die anbrandende Flut als Gefahr zu begreifen und das Eigene zu verteidigen.

Es gibt sogar Übereinstimmungen bis ins Detail: In Raspails Dystopie tritt ein Journalist und Herausgeber einer auflagenstarken Wochenzeitung namens Clément Dio auf, der eigentlich Ben Souad heißt, nordafrikanischer Abstammung ist und dessen pseudohumanistische Agitation aus seinem unbändigen Haß auf »den weißen Mann« gespeist wird. Er wirkt wie eine Blaupause für die heutigen »Antirassisten« in den zahllosen Lobbyverbänden, die es kaum noch abwarten können, daß die westliche, europäisch geprägte Welt unter der Last der massenhaften Landnahme zusammenbricht und elendig krepiert. Dio und seine euro-asiatische Freundin Iris Na-Chan wanzen sich bei den Neuankömmlingen an, bekommen am Ende jedoch die Folgewirkungen der Massenzuwanderung am eigenen Leib zu spüren. Eine Warnung, die vor allem jene zur Kenntnis nehmen sollten, die mit »Refugees welcome«-Shirts ihre regelrechte Gier nach Überfremdung zum Ausdruck bringen.

Im Sinne des Autors

Vor vielen Jahren gab es mit Das Heerlager der Heiligen bereits eine deutsche Übersetzung von Raspails Klassiker, die in mehreren Auflagen erschien, jedoch schon seit geraumer Zeit restlos vergriffen ist. In einem Beitrag für die F.A.Z. schrieb Lorenz Jäger seinerzeit über das Buch: »Raspails Roman ist grotesk-apokalyptisch bis zur Obszönität, er schwelgt im Häßlichen, Grausamen, und vielleicht war dies der Preis für die visionäre Kraft. Der Autor verlängerte, wie Orwell in der negativen Utopie ›1984‹, die Linien seiner Gegenwart. Die traurigste Rolle spielen die Kerenskis der multikulturellen Gesellschaft – jene, die an Dialog glauben, aber gleich vom ersten Ansturm am Strand überrannt werden.«

Der Verlag Antaios nahm sich der verdienstvollen Aufgabe an, eine Neuauflage und -übersetzung des Buches zu besorgen, die nun unter demselben Titel erschienen ist. Noch während der Arbeiten an dem Werk stieß Übersetzer Martin Lichtmesz beim Vergleich mit dem Original auf Ungeheuerliches: Die erste deutsche, die Fassung von Hohenrain aus dem Jahr 1985, war nicht nur massiv gekürzt, der Übersetzer nahm darüber hinaus den bereits damals überholten Text der Erstausgabe aus dem Jahre 1973 als Vorlage, den Raspail 1985 anläßlich der dritten französischen Auflage zum Teil erheblich verändert hatte.

Ungeschminkte Wahrheit

Lichtmesz schrieb dazu in einer Arbeitsstudie auf der Netzseite des Magazins Sezession: »Insbesondere wurden viele Stellen gestrichen, in denen Raspail die Perspektive umkehrt, und dem Abendland zeigt, wie es in den Augen der ›Verdammten dieser Erde‹ aussieht – auf keinen Fall so, wie sich das die Asylantenumarmer und Betreiber der ›Willkommenskultur‹ so vorstellen. Aber auch andere großartige Szenen, Details und Dialoge wurden entfernt, die das Buch reicher, doppelbödiger und abgründiger machen. Andere wiederum wurden komplett sinnentstellend übertragen oder sind wesentlicher Pointen beraubt worden.«

Die Neuauflage von Antaios ist daher gut 100 Seiten länger als die alte. Eine Anschaffung lohnt sich darum auch dann, wenn man das Buch bereits in der alten Hohenrain-Ausgabe besitzt. Nun kann Das Heerlager der Heiligen nämlich erstmals in deutscher Sprache so gelesen werden, wie es der Autor selbst intendiert hat. Soviel sei an dieser Stelle schon mal verraten: Die Übersetzung von Martin Lichtmesz eröffnet ganz neue Sichtweisen und läßt das Unheil, das Europa droht, noch plastischer erscheinen. Wer es vertragen kann, der ungeschminkten Wahrheit ins Auge zu sehen, sollte sich dieses Lektüreerlebnis nicht entgehen lassen.

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