„Das erste Opfer ist das syrische Volk!“

DS im Gespräch mit Lahoud Lahdo (dritter von links), Vertreter der syrischen Position in Brüssel   DS*: Herr Lahdo, der Empfang der »Alliance für Peace and Freedom (APF)« hier...

DS im Gespräch mit Lahoud Lahdo (dritter von links), Vertreter der syrischen Position in Brüssel

 

DS*: Herr Lahdo, der Empfang der »Alliance für Peace and Freedom (APF)« hier in Syrien – welches Ziel verfolgen Sie damit und welche Ergebnisse erwarten Sie?

Der Sinn dieses Besuches besteht einerseits darin, dem syrischen Volk bewußt zu machen, daß nicht die gesamte europäische Bevölkerung gegen Syrien oder gegen die syrische Regierung eingestellt ist, andererseits auf europäischer Seite dafür zu werben, die Sanktionen, die gegen das syrische Volk gerichtet sind, zu beenden. Deshalb empfangen wir eine Delegation mit Persönlichkeiten aus Europa und wollen diesen die Gelegenheit geben, Syrien und syrische Amtsträger zu besuchen.

DS*: Warum denken Sie, daß die Bürger in Europa gegen das syrische Volk sind?

 

Weil die Medien in der Europäischen Union die europäischen Bürger fest im Griff halten. Alle diese Medien vermitteln an die Europäer die Informationen, die nur einem Ziel gewidmet sind: An diesem Krieg gegen die syrische Regierung teilzunehmen. Darum sind die Informationen die diese Medien vermitteln, nicht korrekt. Die Medien in Europa vermitteln den europäischen Bürgern nicht die ganze Realität.

DS*: Aber es gibt dennoch einige Konflikte zwischen der regulären syrischen Armee und der Bevölkerung?

Überhaupt nicht, das ist nicht wahr. Wir hören in den europäischen Medien, daß die syrische Armee ihr eigenes Volk tötet. Das ist absolut nicht wahr. Die syrische Armee bekämpft die Terroristen und Menschen, die bewaffnet sind. Aber wenn eine wirkliche Opposition gebildet wird, dann kann sie nicht bewaffnet sein. Akzeptieren Sie eine bewaffnete Opposition in Europa? Kein Land würde eine bewaffnete Opposition in seiner Heimat akzeptieren. Anhand einfacher Beispiele können wir Ihnen auf Videos zeigen, damit Sie das selbst sehen und sich davon überzeugen können, daß die syrische Armee, beim Einzug in eine Stadt, vom syrischen Volk mit Willkommensgrüßen, Sympathie und Begeisterung empfangen wird. Wenn andererseits irgendwo eine Stadt durch sogenannte IS-Krieger erobert wird, die plündernd durch die Stadt ziehen, dann sehen Sie keine Bevölkerung, denn die IS-Krieger töten alles, essen alles weg, und rauben alles.

DS*: Sagen Sie uns bitte mehr über das Verhältnis zwischen Präsident Assad und dem syrischen Volk?

Ich denke, wir haben zwei Möglichkeiten, um dieses Verhältnis zu beschreiben. Erstens anhand der Wahlen. Die Wahlen, die letztes Jahr stattgefunden haben, führten zu einem Sieg des syrischen Präsidenten Assad, der diese mit einem hohen Stimmenanteil von mehr als 80 Prozent gewonnen hat. Wenn der Präsident nicht die Unterstützung des syrischen Volkes hätte, so könnte er nicht in seinem Amt bleiben.

Die gleiche Situation zeigt sich in allen Städten, wo über 70 Prozent der Bevölkerung unter dem Schutz der syrischen Regierung steht. Es gab dort keine Ausschreitungen, weder gegen die Regierung noch gegen ihre Einrichtungen. Alles ist in Ordnung.

Es ist sehr wichtig, daß wir klar und deutlich zu Europa sprechen. Es geht um die Sanktionen und das Embargo gegen die syrische Regierung. Dies richten sich nicht wirklich gegen die syrische Regierung, sondern gegen das syrische Volk. Die syrische Regierung selbst werden diese Sanktionen nicht besonders hart treffen. Der syrischen Regierung wird nicht viel passieren. Das erste Opfer ist die syrische Bevölkerung, die am meisten an Sanktionen leiden wird. Darum ist es besonders wichtig, klar und deutlich Europa zu sagen, daß diese Sanktionen beendet werden müssen, damit das syrische Volk endlich wieder frei atmen kann.

Ein einfaches Beispiel: Die Flugtickets haben früher zwischen dreißig und vierzig Dollar gekostet, jetzt bezahlen sie über 100 Dollar für ein Flugticket. Wer zahlt dafür? Das syrische Volk!

DS*: Ein anderes Thema. Wer liefert die militärische Bewaffnung an ISIS, die sich an den Kämpfen gegen die syrische Regierung beteiligt?

Es gibt verschiedene Wege der Versorgung der IS-Kämpfer. Aber die wichtigste und die am meisten genutzte Route, die deren Versorgung sicherstellt, kommt direkt aus der Türkei. Das ist der einzige bedeutende Weg, auf dem die Bewaffnung und die Versorgung zu diesen Menschen kommt. Wenn ich sie als Menschen bezeichnen darf,- das ist eine ISIS-Organisation. Vom Irak würde nichts kommen, außer den Sachen, die wir von der irakischen Armee bekommen hätten. Nach unseren Gesichtspunkten hilft die Türkei den IS-Kämpfern mit der Logistik und auch in allen anderen Bereichen.

Die Situation in Palmira ist eine besondere Situation, die wir uns anschauen sollten. Hier helfen die in der sogenannten »Koalition« zusammengeschlossenen Staaten der ISIS. Wie ist es möglich, daß 12 000 Menschen in Palmira einfallen und diese Stadt einnehmen – und daß keiner der dreiundachtzig Staaten, welche einen Teil der Koalition sind, diese IS-Kämpfer bezahlt? Kein Land bezahlt sie? Das ist unmöglich. Für mich bedeutet das eine indirekte Erlaubnis, in Palmira einzufallen. Eine direkte oder indirekte,- für mich ist es eine erlaubte Invasion in Palmira. Mit anderen Worten, es gibt jemanden, der diese dreiundachtzig Staaten unter Kontrolle hält, welche ISIS bekämpfen.

Herr Lahdo, vielen Dank für diese klaren Aussagen!

 

Für die Übersetzung aus dem Englischen: Roman Boxow

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