Amtskirchen in der Krise

Die Zahl der Kirchenaustritte wird seit Jahrzehnten immer wieder heiß diskutiert. Trotz aller Debatten und Erklärungsversuche führender Kirchenvertreter schwanken die Zahlen auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr haben sie...

Die Zahl der Kirchenaustritte wird seit Jahrzehnten immer wieder heiß diskutiert. Trotz aller Debatten und Erklärungsversuche führender Kirchenvertreter schwanken die Zahlen auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr haben sie erneut Rekordwerte erreicht. Waren es im Jahr 2013 noch 178.805 Personen, die der katholischen Kirche den Rücken kehrten, so stieg ihre Zahl laut Statistik der Deutschen Bischofskonferenz 2014 auf 217.716 bundesweit. Noch drastischer fällt der Rückgang bei den evangelischen Landeskirchen aus. Hier gab es 2014 insgesamt 286.000 Austritte, der Gesamtmitgliederverlust dürfte, Sterbefälle eingeschlossen, bei ungefähr 420.000 liegen.

Auch diesmal gibt es zahlreiche Interpretationen und Deutungen, die den nackten Zahlen folgen. Laut Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) sollen die Ursachen in den „Irritationen durch das neue Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge“ zu finden sein. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx kommt der Sache schon näher, wenn er feststellt, „dass wir Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen“.

In den Kommentarspalten der Tagespresse geht es wesentlich deutlicher zu. Die zahlreichen Missbrauchsskandale (samt anschließenden Vertuschungsversuchen) werden ebenso angeprangert wie die Milliardeneinnahmen der Amtskirchen durch staatliche Subventionen und Kirchensteuer. Der Eifer der „Kirchenfürsten“ bei der Anpassung an den „Zeitgeist“ (der eher ein Ungeist ist), die Huldigung fremder Religionen und die negativen Folgen der „Individualisierung in europäischen Gesellschaften“ werden einer scharfen Kritik unterzogen. Kein Verständnis gibt es für die Verdunkelungsaktionen in Köln und anderswo, die sich gegen Bürger richten, die friedlich von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen. Stichworte wie „Kirchenasyl“ oder „gemeinsames Fastenbrechen“ kennzeichnen ein Szenario, das immer stärker auf Ablehnung stößt.

Mit knapp 24 Millionen Mitgliedern ist die römisch-katholische Kirche in Deutschland jedoch weiterhin die größte Religionsgemeinschaft. An zweiter Stelle liegen die evangelischen Landeskirchen mit jetzt 22,6 Millionen Angehörigen. Stark im Wachsen ist eine andere Zahl: Die „Deutsche Islamkonferenz“ schätzte 2012 die Anzahl der Muslime an der Gesamtbevölkerung in Deutschland bei etwa 7 %, was ungefähr 5,6 Millionen Menschen wären. Eine Entwicklung, die nicht überall Begeisterung auslösen dürfte.

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