Kommunale Trägerschaft für Krankenhäuser im ländlichen Raum!

Droht die Gesundheitsversorgung in Teilen des Landes zusammenzubrechen? Als aktuelles Beispiel für den drohenden Kahlschlag kann der Landkreis Vorpommern-Greifswald stehen. Lutz Dessau So scheint das Greifswalder Uni-Klinikum offenbar zu...

Droht die Gesundheitsversorgung in Teilen des Landes zusammenzubrechen? Als aktuelles Beispiel für den drohenden Kahlschlag kann der Landkreis Vorpommern-Greifswald stehen.

Lutz Dessau

So scheint das Greifswalder Uni-Klinikum offenbar zu beabsichtigen, sowohl die Kinderstation in Anklam endgültig dichtzumachen als auch aus der Kreiskrankenhaus Wolgast gGmbH – hier ist Greifswald Mehrheitsgesellschafter – womöglich wichtige Abteilungen auszugliedern.

Rückblende: Am 12. Dezember 2005 wandten sich bei der entscheidenden Abstimmung im Kreistag des Alt-Kreises Ostvorpommern nur die beiden NPD-Abgeordneten gegen den Verkauf der Wolgaster Einrichtung an das Uni-Klinikum Greifswald. Alle anderen politischen Kräfte stimmten – von einigen Enthaltungen einmal abgesehen – für die Veräußerung. Ein Schritt, der sich nunmehr ganz offensichtlich als folgenschwer erweist und der hie und da recht hektische Betriebsamkeit ausgelöst hat. »Zehn Jahre zu spät sammeln jetzt CDU und SPD in Wolgast Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses; zehn Jahre zu spät stellen CDU und Linke entsprechende Anträge im Kreistag Vorpommern-Greifswald«, nahm der NPD-Abgeordnete Michael Andrejewski die Etablierten aufs Korn. Pikant dabei, »daß es seinerzeit eine linke Landrätin war, die den Verkauf durchgepeitscht hat und daß es eine rot-rote Landesregierung war, die massiven Druck auf den damaligen Landkreis Ostvorpommern ausübte, das Krankenhaus zu verkaufen«, erinnerte Andrejewski an die Mitverantwortung der SED-Nachfolger.

Eine raumfremde Macht

Mit dem vor zehn Jahren erfolgten Verkauf »wurde die Kontrolle sozusagen an eine raumfremde Macht abgegeben, der der ländliche Raum naturgemäß nicht viel bedeutet. Die Universitätsmedizin Greifswald will ökonomisch gut dastehen; dazu muß sie kostengünstig arbeiten und am kostengünstigsten ist es nun mal, möglichst viele Leistungen und Abteilungen an einem Ort zusammenzufassen – und das natürlich in Greifswald. Schon gar nicht wird die Universitätsmedizin nachvollziehbarerweise Verluste hinnehmen wollen. Im Fall des Wolgaster Kreiskrankenhauses sollen es in den letzten beiden Jahren etwa 2,2 Millionen gewesen sein, angeblich verursacht durch zu hohe Personalkosten und sinkende Patientenzahlen.« Auch die gleichfalls von Greifswald betriebene Anklamer Kinderstation sei offenbar ebenfalls »nicht mehr profitabel«. Daraus folge: »Solche Einrichtungen elementarer Daseinsfürsorge hätten niemals in die Hände von Leuten fallen dürfen, die zuallererst in den Kategorien von Ertrag und Gewinn denken. Gesundheitsvorsorge ist eine Kernaufgabe des Staates«, stellte Andrejewski einmal mehr klar.

Die NPD-Fraktion hält deshalb Krankenhäuser in privater Trägerschaft im ländlichen Raum für nicht geeignet, die gesundheitliche Grund- und Regelversorgung auf Dauer und verläßlich sicherzustellen. Dasselbe betrifft öffentliche Krankenhaus-Träger, die ihren Sitz (wie beispielsweise die Universitätsmedizin Greifswald) außerhalb ländlicher Gebiete haben. Davon ausgehend, fordert die NPD per Antrag vom Land eine Politik, »die darauf hinwirkt, daß die Krankenhäuser im ländlichen Raum wieder ausschließlich in kommunale Trägerschaft überführt werden.«

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