„Die Bildungsarbeit ist der Schlüssel“

Mit der Wahl des jungen Politikwissenschaftlers Ronny Zasowk zum Leiter des Amtes Bildung im Parteivorstand der NPD wurde die bewährte Tradition der Schulungswochen wieder aufgenommen und die Bildungsarbeit der...

Mit der Wahl des jungen Politikwissenschaftlers Ronny Zasowk zum Leiter des Amtes Bildung im Parteivorstand der NPD wurde die bewährte Tradition der Schulungswochen wieder aufgenommen und die Bildungsarbeit der Partei intensiviert. Die DS* sprach mit ihm.

DS: Herr Zasowk, daß in einer politischen Partei auch Bildungsarbeit stattfindet, erscheint selbstverständlich. In der NPD allerdings gab es seit den 80er Jahren ein bildungspolitisches Gesamtkonzept, das von Ihnen seit Ihrer Wahl zum Leiter des Amtes Bildung im Parteivorstand, also ab 2011, fortgesetzt und erneuert wurde. Können Sie uns bitte erörtern, was es damit auf sich hat und wo die Besonderheiten liegen?

Das Bildungskonzept besteht aus zwei Bereichen. Auf der einen Seite sind die Führungskräfteschulungen zu nennen. Die Führungskräfteschulung ist ein einwöchiger Lehrgang, bei dem den Teilnehmern das nötige theoretische und praktische Rüstzeug an die Hand gegeben wird, das sie brauchen, um Führungsverantwortung in der NPD zu übernehmen. Ähnlich wie in den 80er und frühen 90er Jahren nehmen etwa 10-15 Kameradinnen und Kameraden an den Lehrgängen teil. Die Zahl ist absichtlich recht gering, um eine effektive Lernatmosphäre zu schaffen. Intensive Seminare sind nicht möglich, wenn daran zu viele Personen teilnehmen. Der zweite Bereich ist das Schulungsangebot für Landesverbände.

DS: Zwischen 1987 und 1994 wurden nach diesem Konzept intensiv politische Nachwuchskräfte der Partei geschult. Danach endete diese Periode abrupt. Woran lag das? Können Sie uns mehr zur Geschichte der Schulungswochen erzählen?

In den 80er Jahren übernahm der spätere Parteivorsitzende Udo Voigt den Bildungsbereich. Mit der Wahl Udo Voigts in den Parteivorstand wurde daraus das eigenständige Amt Bildung im Parteipräsidium. Voigt stellte dem Vorstand eine Konzeption vor, mit der es möglich werden sollte, künftige Funktionsträger der Partei weltanschaulich zu schulen und ihren Fähigkeiten entsprechend in den Verbänden einzusetzen und zu fördern.

In der Zeit nach 1987 wurden im von einer Gönnerin zur Verfügung gestellten Haus im oberitalienischen Iseo einwöchige Schulungen durchgeführt, bei denen das primäre Ziel war, Führungskräfte für die Partei zu gewinnen und auszubilden. Mit dem neuen Schulungskonzept sollten die bisherigen unsystematischen Schulungen der Vergangenheit angehören. Ein wesentliches Ziel dieser neuen, akademieähnlichen Schulungen war auch, die stetige Fluktuation in der Mitgliedschaft zu reduzieren. Über sieben Jahre hinweg wurden in Iseo mehr als 300 Nationaldemokraten geschult.

Im Jahr 1994 bat die Gönnerin, die der NPD das Schulungsobjekt in Iseo überlassen hatte, überraschend um Rückgabe des Hauses. Das Objekt war seit 1994 für die Partei verloren und die Lehrgangskonzeption ließ sich danach weder inhaltlich, konzeptionell noch mit dieser Intensität fortsetzen.

DS: Wie viele NPD-Funktionsträger gingen bisher durch die Schulungsarbeit des Amtes Bildung?

An den Iseo-Schulungen in den 80er und 90er Jahren sollen es insgesamt etwa 300 gewesen sein. Und an den Führungskräfteschulungen, die wir im Oktober 2012 wieder aufleben lassen haben, haben bisher etwa 80 NPD-Mitglieder teilgenommen. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Wochenendschulungen in Landesverbänden durchgeführt.

DS: Was hat sich unter Ihrer Leitung im Vergleich zu der früheren Bildungsarbeit in Iseo verändert?

Wir haben uns in der Konzeption recht stark an der Konzeption der Iseo-Schulungen orientiert, aber wir haben einige Themen natürlich anpassen müssen, die politische Lage, aber auch die Situation der NPD hat sich seither ja doch verändert. Wir legen viel Wert auf praktische Einheiten wie Persönlichkeitsentwicklung und Rhetorik, da es uns wichtig ist, den Teilnehmern aufzuzeigen, wo sie ihre Stärken und Schwächen haben. Vielen, vor allem jüngeren Mitstreitern, ist das oft gar nicht so bewußt.

DS: Kann man schon eine Bilanz ziehen? Woran bemißt man eigentlich den Erfolg der parteiinternen Bildungsarbeit?

Ich bekomme von den Teilnehmern im Nachgang der Schulungen natürlich Rückmeldungen, ob und in welchem Umfang ihnen die Schulungswoche persönlich weitergeholfen hat. Bisher waren die Rückmeldungen stets sehr positiv, eigentlich konnte jeder etwas für seine Arbeit im eigenen Verantwortungsbereich mitnehmen. Viele der Teilnehmer haben mittlerweile Verantwortung auf Landesebene übernommen, weshalb man davon ausgehen kann, daß die Führungskräfteschulungen zur Professionalisierung der Parteiarbeit beitragen.

DS: Bitte verdeutlichen Sie nochmal, an wen sich dieses Angebot richtet, welches ist die Zielgruppe und was sind die Zugangsvoraussetzungen für die Teilnahme an einem solchen Lehrgang?

Die wesentliche Zielgruppe sind NPD- und JN-Mitglieder, die zeitnah Führungsverantwortung auf Ortsbereichs-, Kreisverbands- oder Landesverbandsebene übernehmen wollen oder sollen. Sie sollen nicht ins kalte Wasser geworfen werden, was oft zu Frustration führt, sondern sollen adäquat auf die auf sie wartenden Herausforderungen vorbereitet werden. Die Kameraden können sich nur für die Führungskräfteschulung bewerben, wenn sie auch eine Empfehlung durch ihren Landesvorstand oder durch den Parteivorstand vorweisen können.

DS: Wie müssen wir uns das vorstellen: Ist das eine völlig zwanglose Atmosphäre, oder wird schon in relativ strenger und disziplinierter Form »unterrichtet«? Gibt es eigentlich auch eine Art Abschlußtest?

Die Schulungen finden selbstverständlich in kameradschaftlicher Atmosphäre statt, aber es wird schon darauf geachtet, daß alle Teilnehmer pünktlich und ausgeschlafen zu den Seminaren erscheinen. Die Schulungsblöcke sind ähnlich wie in der Universität 90-Minuten-Blöcke, davon jeweils vier pro Tag, so daß den Teilnehmern schon einiges abverlangt wird. Die Seminare sind aber keine vorlesungsähnlichen Monologe, sondern finden interaktiv statt. Ich bin der Auffassung, daß man am meisten lernt, wenn man eigene Gedanken formuliert und sie reflektiert, statt einfach nur Wissen eingepaukt zu bekommen. Auch wir als Referenten lernen durch die Fragen und Antworten der Teilnehmer eine Menge, muß dadurch doch immer wieder das eigene Wissen hinterfragt, die geistige Perspektive gewechselt und über den eigenen Tellerrand geschaut werden. Wir haben uns bei der Konzeption dazu entschieden, uns vom Stil her an Universitätsseminaren zu orientieren. Schulungen auf niedrigem Niveau bringen die Partei nicht weiter. Ja, das Ganze wird durch einen Abschlußtest abgerundet, durch den die Teilnehmer herausfinden können, wo sie nach einer Woche intensiver Lehrgänge stehen und in welchen Bereichen sie noch nacharbeiten müssen. Am Ende der Woche führen wir mit allen Teilnehmern Einzelgespräche durch, werten die Tests aus und geben ihnen Hinweise, wo sie ihre Stärken haben und für welche Arbeitsbereiche innerhalb der Partei sie besonders geeignet sind.

DS: Jetzt haben wir viel über Geschichte, aber auch über Form und Ablauf der Schulungswochen gehört, nun wäre es schön, noch einen kleinen Einblick in die Inhalte zu erhalten, ohne zu viel verraten zu wollen.

Die Führungskräfteschulungen können aufgrund der Tatsache, daß sie auf »nur« eine Woche begrenzt sind, die Themen nur oberflächlich »ankratzen«. Bei den meisten Themen handelt sich um Komplexe, die an Universitäten ganze Semester füllen. Daher können wir natürlich nur Impulse geben, in die Themen einführen und ein grundsätzliches Verständnis wecken. Wir beschäftigen uns im Rahmen der Schulungswochen mit weltanschaulichen und programmatischen Themen, Konzepten wie der raumorientierten Volkswirtschaft, aber vermitteln auch praktisches Wissen unter anderem in den Bereichen Verbandsarbeit, Versammlungsrecht, Führungsstile und Persönlichkeitsentwicklung. Insgesamt stehen etwa 20 unterschiedliche Themen auf dem Lehrplan. Die Rhetorikseminare sind besonders intensiv, weil sie aus einem Wechsel aus Theorie- und Praxisblöcken bestehen. Unter anderem müssen die Teilnehmer vor der Kamera zeigen, was sie gelernt haben.

DS: Wer stand bisher als Schulungskraft zur Verfügung?

Den Großteil der Seminare leiten der wissenschaftliche Mitarbeiter des NPD-Parteivorstands, Stefan Lux und ich. An einzelnen Schulungswochen haben auch noch der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt, das ehemalige NPD-Parteivorstandsmitglied Matthias Faust, und das rheinland-pfälzische Landesvorstandsmitglied Safet Babic mitgewirkt.

DS: Ihre Bildungsarbeit scheint mir wichtig als Voraussetzung für einen dauerhaften politischen Erfolg der Nationaldemokraten; ohne geschultes politisches Personal geht nichts, schon gar nicht für eine politische Kraft, die dermaßen »im Feuer« steht, wie die NPD. Welchen Eindruck haben Sie: Wird die Bedeutung der Schulungsarbeit in der Partei angemessen wahrgenommen?

Der Beginn im Jahr 2012 war noch etwas holprig, viele gingen wohl davon aus, daß die Neuaufstellung des Amtes Bildung wieder ein kurzes Strohfeuer wie so oft in der Vergangenheit sein wird. In den letzten Jahren gab es ja immer wieder mal Verantwortliche im Bereich Bildung, die dann aber kaum Aktivitäten entfaltet haben. Aber mittlerweile können die Führungskräfteschulungen als etabliert gelten. Im April hat bereits der sechste Durchgang stattgefunden. Die meisten Verbände melden regelmäßig Teilnehmer an. Immer mehr Landesverbände führen auch Schulungen in ihrem Bereich durch, bei denen sie Seminare des Amtes Bildung buchen. Wir haben einen Themenkatalog entwickelt, aus dem sich die Verbände Seminare für eintägige oder Wochenend-Schulungen heraussuchen können. Das Angebot wird zunehmend stärker genutzt, weshalb ich davon ausgehe, daß der Schulungsarbeit in der Partei mittlerweile ein angemessener Wert zukommt. Aber Fakt ist auch: die starke Fluktuation in der NPD hat ihre Ursache auch darin, daß viele Funktions- und Mandatsträger nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Dem muß entgegengewirkt werden! Deswegen halte ich die Bildungsarbeit für einen Schlüsselbereich, wenn es darum geht, die NPD zukunftsfähig aufzustellen.

Herr Zasowk, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

 

Zur PERSON:

Ronny Zasowk, Jahrgang 1986, ledig. Geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Cottbus. Zasowk ist Diplom-Politikwissenschaftler und studiert derzeit nebenberuflich an der Fernuniversität Hagen »Governance«.

Schon als Schüler und Jugendlicher ist Ronny Zasowk politisch interessiert und frühzeitig aktiv in parteifreien Zusammenhängen im Süden Brandenburgs.

Politischer Werdegang: Seit 2006 Mitglied der NPD, seit 2007 Kreisvorsitzender NPD Lausitz, seit 2008 stellvertretender Landesvorsitzender Brandenburg, seit 2011 Amtsleiter Bildung, seit 2014 Amtsleiter Politik und Bildung und stellvertretender Parteivorsitzender

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