100 Euro kostet ein „Neger“

Nein, es handelt sich nicht um das Inserat einer Escort-Service-Agentur. Es geht auch nicht um das Geld, das ein Tagelöhner auf dem Arbeiterstrich z.B. in Dortmund aushandeln kann. 100...

Nein, es handelt sich nicht um das Inserat einer Escort-Service-Agentur. Es geht auch nicht um das Geld, das ein Tagelöhner auf dem Arbeiterstrich z.B. in Dortmund aushandeln kann. 100 Euro mußte unlängst eine 78jährige Frau dafür berappen, daß sie einem 11jährigen den Begriff „Neger“ an den Kopf geworfen hatte. Was war geschehen?

Wenn man den Angaben der Boulevardpresse glauben kann, befuhr die alte Dame einen Radweg in Höhe einer Bushaltestelle und klingelte, da Kinder darauf standen.  Der genaue Ablauf des Geschehens vom 09.Januar 2014 ist nicht mehr feststellbar. Jedenfalls gab es einen verbalen Schlagabtausch, bei dem der dunkelhäutige Bengel (was man hoffentlich noch schreiben darf) mit „Nutte“ begann, worauf der „Neger“ folgte und schließlich „häßliche alte Frau“. Die ursprünglich mitangeklagte Ohrfeige soll es nicht gegeben haben. Sie dürfte aber der Grund sein, weshalb es überhaupt zu der Anklage kam. Anstatt das Verfahren nun einzustellen, hielt es die Richterin für angebracht, die besagten 100 Euro Strafe zu verhängen, nicht ohne mit erhobenem Zeigefinger zu bemerken: „Früher war ,Neger‘ üblich. Aber auch Sie hatten genug Zeit, dieses Wort aus Ihrem Sprachgebrauch zu streichen.“

Es wäre jetzt müßig, die sprachlichen Wurzeln des inkriminierten Wortes zu erörtern. Fakt ist, daß die herrschende Kaste immer mehr Begriffe der deutschen Sprache mit einer Art Bannfluch belegt. Das Ziel dieses Treibens ist offensichtlich: Wer die Sprache beherrscht, beherrscht auch das Denken. Es geht um Abgrenzung nach innen und außen gleichermaßen. An der Wahl der Worte erkennen sich nicht nur die Mitglieder obskurer Sekten sondern auch die nicht weniger obskuren Kreise, die sich als Eliten unserer Zeit betrachten. Wer aus ihrer Sicht verbal daneben greift, wird sofort erkannt und ausgegrenzt. Wenn der erhobene Blick oder die ernsthafte Ermahnung  nicht genügen, müssen schärfere Sanktionen her. Dann werden der Ausschluß aus dem Verein, die Abmahnung und Kündigung des Arbeitnehmers oder eben auch juristische Mittel eingesetzt, um die Lufthoheit über die veröffentlichte Meinung zu bewahren.

Dabei spielt es auch keine Rolle, wenn die Grenzen zur Lächerlichkeit überschritten werden. Der einst bekannte „Sarotti-Mohr“ ist seit mehr als zehn Jahren Geschichte ebenso wie die schon aus gesundheitlichen Gründen abzulehnenden „Negerküsse“. Das Firmenlogo des Dachdeckers Ernst Neger steht seit einiger Zeit in der Kritik und dürfte bald verändert werden wie die Werbetafel (siehe oben) eines Fahrradhändlers aus dem Harz bereits verschwunden ist.

Der Sprachpolizei entgeht  nichts, ihre freiwilligen Helfer durchstreifen das Netz und setzen ihre nervigen Kommentare unter jede Äußerung, die ihrem „Geschmack“ widerspricht. Ihre geistige Verwandtschaft zur „Heiligen Inquisition“ oder anderen Überwachungsmechanismen der vergangenen Jahrhunderte sehen sie nicht, Orwells Buch „1984“ haben sie inhaltlich nie zur Kenntnis genommen. Beleidigungen wie „Schweinefleischfresser“, „Kartoffel“ oder „Scheiß-Deutscher“ überhören oder entschuldigen sie in dem festen Glauben, einer höheren Sache zu dienen. Dabei sind sie nur die Schuhputzer einer Gesellschaft, in der ökonomische Interessen über allem stehen. Arbeiterstrich und Escort-Service sind nur ein unbedeutendes Symptom ihrer Auswüchse.

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