Erster Drohbriefschreiber gefaßt!

Im Fall der Brandstiftung von  Tröglitz gibt es nichts Neues zu vermelden. Die von Politik und Medien aufgebaute Drohkulisse, die sich überwiegend auf anonym verfaßte Schreiben per Post oder...

Im Fall der Brandstiftung von  Tröglitz gibt es nichts Neues zu vermelden. Die von Politik und Medien aufgebaute Drohkulisse, die sich überwiegend auf anonym verfaßte Schreiben per Post oder im Internet stützt, bekommt dagegen erste Risse.

Noch am Anfang dieser Woche konnte man auf der Netzseite der „Deutschen Welle“ die reißerische Überschrift „Morddrohung für Nazi-Gegner“ finden. Zu diesen zählte laut DW auch Lutz Trümper, Oberbürgermeister von Magdeburg. Drei Briefe hatten Anfang März das Büro des SPD-Politikers erreicht. Sie enthielten Todesdrohungen, versehen mit SS-Runen und Hakenkreuzen. Entsprechend entsetzt zeigt sich Trümper in einem Gespräch mit Reportern der Deutschen Welle: „Es war das erste Mal, daß ich so etwas erlebt habe“ und legte sofort nach: „Das scheint mit der aktuellen Debatte um Pegida und ähnliche Bewegungen gegen Flüchtlinge und den Islam zu tun zu haben, wie wir sie vor allem im Osten Deutschlands momentan in den größeren Städten erleben.“ Klare Kante gegen Rechts, wie man es von Politikern seines Schlages nicht anders erwarten konnte. Mit der Verwendung der Vokabel „scheint“ hatte er sich aber ein Hintertürchen offen gelassen. Ahnte er, daß es auch andere Gründe für die Drohungen geben könnte?

In diesem Fall gab es sie tatsächlich. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Nord gegenüber der „Volksstimme“ in Magdeburg bekannt gab, wurde der Täter inzwischen gefaßt. Es soll sich um einen 51-Jährigen aus dem Landkreis Harz handeln, der mit einer falschen Spur seinen ehemaligen Abteilungsleiter aus Rache für seine Entlassung mit der Straftat belasten wollte. Ein politischer Hintergrund ist somit auszuschließen.

Ist der Fall damit erledigt? Keinesfalls. Der Name und die Adresse des Abteilungsleiters standen auf dem Kopf der Drohbriefe. Auch die Deutsche Welle berichtete in ihrem Artikel davon, daß der Absender ermittelt sei. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt noch der Falsche unter Verdacht stand: Hatte der Beschuldigte irgendeinen Bezug zur sogenannten rechten Szene? Das ist kaum anzunehmen. Warum wurden dann sowohl von Lutz Trümper als auch dem Verfasser des Artikels Behauptungen formuliert, die klar in diese Richtung wiesen? Zur Ergänzung sei gesagt, daß auch die Drohungen gegen den thüringischen Ministerpräsidenten Ramelow lediglich vom Inhalt her bekannt sind. Auch in weiteren Fällen sind die Absender bislang unbekannt geblieben.

Magdeburgs OB hatte sicher anderes im Sinn, als er seiner Hoffnung Ausdruck gab, daß der Fall gut dokumentiert und von der Öffentlichkeit beobachtet zum Abschluß kommen solle, „weil wir so etwas als Gesellschaft nicht dulden können“. Wir auch nicht. Deshalb werden wir diesen und die anderen Fälle im Auge behalten. Versprochen!

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