Zwielichtige Partnerschaft im Bildungswesen – ein Konzern kauft sich ein

Der Einfluß internationaler Konzerne auf die Politik in Berlin oder Brüssel ist allgemein bekannt. Wer dabei jedoch nur an Lobbyisten denkt, die an Netzwerken spinnen, in denen „unabhängige“ Volksvertreter...

Der Einfluß internationaler Konzerne auf die Politik in Berlin oder Brüssel ist allgemein bekannt. Wer dabei jedoch nur an Lobbyisten denkt, die an Netzwerken spinnen, in denen „unabhängige“ Volksvertreter zappeln, hat nicht die ganze Problematik im Auge. Auch auf anderen Wegen wird zunehmend Einfluß ausgeübt, wie folgendes Beispiel zeigt:

Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wurde Anfang August 2014 zwischen dem Medieninstitut der Länder (FWU Institut für Film und Bild GmbH) und der Microsoft Deutschland GmbH ein Rahmenvertrag geschlossen. Ihm werden von beiden Seiten „wesentliche Vereinfachungen und enormes Einsparungspotential bei der Beschaffung neuester Software für Deutschlands Schulen und Bildungseinrichtungen“ bescheinigt. Der neue FWU-Vertrag soll im Unterscheid zu seinem Vorgänger aus dem Jahr 2010 „viele Möglichkeiten der Online-Nutzung von Software“ enthalten, um „für Schulen, Lehrende und Schüler/innen gemeinsam eine moderne und zukunftssichere Lernumgebung zu gestalten.“ Eine wahre Wundertüte also!

Es unbestreitbar, daß Digitalisierung und Vernetzung der Informationsflüsse zügig voranschreiten und sich in angemessener Form im Lehrbetrieb wiederfinden müssen. Die Beschaffung der dazu benötigten Software soll laut Angaben der FWU mittels des Vertrages nicht nur vereinfacht werden, sondern auch enormes Einsparpotential beinhalten. Man könnte diese Herangehensweise aber auch als Kombination aus Bequemlichkeit und Geiz beschreiben. Dafür ist das Medieninstitut der Länder bereit, Microsoft deutschlandweit die Möglichkeit zu eröffnen, über seine Angebote Zutritt zu sämtlichen allgemein- und berufsbildenden Schulen sowie übergeordneten Verwaltungseinrichtungen wie Schulämtern oder Ministerien zu erhalten. Selbst für Kindertagesstätten stehen spezielle Programme bereit, die das Weltbild eines global agierenden Konzerns anstelle von Märchen und Sagen vermitteln. Der Staat entledigt sich großer Teile seines Bildungsauftrags und gibt sie in Hände, die er nicht mehr kontrollieren kann und wahrscheinlich auch gar nicht mehr kontrollieren will.

Verlockend scheint, daß Lehrpersonal und Schüler Programme und Speicherplatz von Microsoft nicht nur dienstlich sondern auch privat nutzen können. Da die europäischen Rechenzentren des Konzerns in Dublin und in Amsterdam stehen, finden sich ihre persönlichen Daten im Ausland wieder. Wie Microsoft mit diesen Daten verfahren wird ist bislang nicht ersichtlich, die Arbeitsweise sozialer Netzwerke wie „Facebook“ läßt jedoch Ungutes erahnen.

Aber selbst wenn der Erkenntnisgewinn für den Konzernriesen gering sein sollte: Der gesamte Nachwuchs unseres Landes wird einer Produktschulung unterzogen, die auf alternative Betriebssysteme und Programme gezielt verzichtet. Was der Rahmenvertrag an Großzügigkeit und Engagement enthalten mag wird mehr als aufgewogen mit der Gewinnung zukünftiger Generationen von Kunden.

Warum findet dieses Vorgehen in Politik und Medien kaum Erwähnung, geschweige denn Kritik? Es sind nicht nur die bereits erwähnten Lobbyisten, die ihren Einfluß geltend machen. Es ist eine völlige Übereinstimmung in grundsätzlichen Entscheidungen, die vor allem der globalen Wirtschaft zu dienen haben. Begriffe wie „Volk“ oder „Nation“ spielen da nur die Rolle eines Störfaktors. Aber auch vermeintliche „Störfaktoren“ haben die menschliche Geschichte wiederholt grundlegend beeinflußt. Dessen sollten wir uns bewußt sein.

Print Friendly, PDF & Email

verwandt mit:

Watch Dragon ball super