Zweiter Weltkrieg und kein Ende: 278,7 Milliarden Euro Reparationsforderung

Das griechische Parlament hat die Reparationsforderungen Griechenlands auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. Der stellvertretende Finanzministers Dimitris Mardas beruft sich auf die Ergebnisse eines Parlamentsausschusses, der sich mit den Entschädigungen...

Das griechische Parlament hat die Reparationsforderungen Griechenlands auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. Der stellvertretende Finanzministers Dimitris Mardas beruft sich auf die Ergebnisse eines Parlamentsausschusses, der sich mit den Entschädigungen befaßt, die im Zusammenhang mit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg stehen. Diese Forderungen sind nicht neu, es wurden in der Vergangenheit auch schon Beträge in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro genannt.

Bei den Regierenden in Berlin trifft dieses Ansinnen bislang auf wenig Gegenliebe. Obwohl sonst schnell  das Scheckbuch gezogen wird, wenn Forderungen von organisierten Opfergruppen auf dem Tisch liegen und auch die Wünsche Israels stets auf offene Ohren treffen, liegt hier der Fall etwas anders. Es ist nicht nur die Tatsache, daß Reparationszahlungen als vertraglich abgegolten anzusehen sind: Der Betrag ist einfach zu hoch, um eben mal schnell aus der Portokasse gezahlt zu werden. Außerdem riecht die Verknüpfung der Reparationsfrage mit der griechischen Schuldenkrise stark nach Erpressung.

Es gibt aber auch Politiker, die dem Ansinnen Griechenlands positiv gegenüberstehen. Wie nicht anders zu erwarten, fordert Linken-Chef Riexinger von der Bundesregierung Bewegung in dieser Sache, so soll sie zumindest über die im Zusammenhang mit einer Anleihe aus dem Jahr 1942 stehenden Beträge verhandeln. Manuel Sarrazin (Grüne) will den Fall vor dem Internationalen Gerichtshof austragen lassen. Sigmar Gabriel (SPD) ergibt sich in wohlfeilen Sprüchen über die Verantwortung Deutschlands für Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, denen es sich immer wieder stellen müsse.

Keine Rolle in der Debatte spielt die Griechische Volksbefreiungsarmee (ELAS), die seit 1942 einen Partisanenkampf aufnahm, der fern der Regeln der Haager Landkriegsordnung geführt wurde. „Die ELAS war aufgrund ihres Vorgehens, das sich auch gegen die eigenen Landsleute richtete, nicht unumstritten und wurde in der Nachkriegszeit von der regierenden Rechten als kommunistischer Terrorverband dargestellt.“ So steht es dazu ganz klar bei Wikipedia, einer Quelle, die auch jedem bundesdeutschen Politiker fernab der Geschichtswissenschaft zur Verfügung steht. Der Kampf ging auch nach dem Abzug der letzten deutschen Truppen im August 1944 weiter und mündete schließlich im Griechischen Bürgerkrieg, der bis 1949 andauerte.

Inwieweit die Geldforderungen griechischer Politiker Opfer und Schäden einbeziehen, die aus diesen Kämpfen entstanden sind, auch darüber wurde bislang nichts berichtet. Es dürfte juristisch schwer zu klären sein, wo die Verantwortung der damaligen Reichsregierung aufhört und die der Griechen selbst beginnt. Nicht zuletzt aus diesem Grunde gilt die Reparationsdebatte als seit langem abgeschlossen. Und das sollte sie auch bleiben, eine Vergiftung der Beziehungen zwischen beiden europäischen Völkern ist das letzte, was wir brauchen können. Es ist jedoch zu befürchten, daß Alexis Tsipras und seinen politischen Handlangern hierzulande genau das gelingen könnte.

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