Drohkulissen rund um Tröglitz

Auch am Tag 4 nach dem Hausbrand in einem Ortsteil der Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis ist noch immer nicht bekannt, wer das Feuer verursacht hat. Die Mutmaßungen etablierter Politiker...

Auch am Tag 4 nach dem Hausbrand in einem Ortsteil der Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis ist noch immer nicht bekannt, wer das Feuer verursacht hat. Die Mutmaßungen etablierter Politiker gehen weiter in Richtung „Fremdenfeindlichkeit“, Beweise dafür stehen immer noch aus.

Umso  heftiger fallen die Forderungen aus, mit denen der „Kampf gegen Rechts“ künftig geführt werden soll. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff ruft in Endzeitstimmung die beschwörende Parole „Wir weichen keinen Schritt zurück“ aus. Thorbjörn Jagland, Generalsekretär des Europarats, will die „Alarmglocken in Europa schrillen“ lassen, der thüringische SPD-Landesvorsitzende Andreas Bausewein fordert, Fremdenhaß und Rechtsextremismus schon „im Keim zu ersticken“. Charlotte Knobloch wünscht wieder einmal das Verbot der NPD.

Aber auch in den sozialen Netzwerken findet ein Schlagabtausch statt. Die Stunde unehrenhafter Ritter der Tastaturen und sonstiger  Foren-Trolle hat geschlagen. So manch biederer Bürger wird hierbei zum geistigen Brandstifter. So wurden die Mitglieder der „Tröglitzer Gemeinschaft“ mit Sprüchen wie „Knallt diese scheiß Nazis endlich ab!“ oder „Euer kleines beschissenes Faschodörfchen sollte man auch gleich ganz in Brand setzen!“  bedacht. Wirklich ernst nimmt diese Drohungen niemand, weshalb sie auch über „Facebook“ hinaus kaum Beachtung fanden und auch keine polizeilichen Ermittlungen nach sich ziehen dürften.

Anders verhält es sich mit Mordphantasien, die den Landrat des Burgenlandkreises Götz Ulrich erreichten: „Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, daß die Maßnahmen der Französischen Revolution angedroht werden“. Garniert werden die Berichte über diese Vorkommnisse mit zeitgenössischen Bildern, auf denen Hinrichtungen durch die Guillotine  dargestellt sind. Ist nun wirklich damit zu rechnen, daß eines Nachts die Häscher eines finsteren Femegerichtes an der Tür des Landrates schellen, um ihn aufs Schafott zu schleppen, wo der „Vollstrecker“ im schwarzen Frack und Zylinder wartet?

Sicher nicht. Die Polizei ermittelt trotzdem und das ist auch gut so. Es ist zu wünschen, daß endlich einmal Täter ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden. Es ist ferner sehr zu wünschen, daß die Öffentlichkeit darüber informiert wird, wer hinter solchen Straftaten steckt. Sind das wirklich „Rechtsextremisten“ oder kommen sie aus ganz anderen politischen Gefilden? Sind es vielleicht völlig unauffällige Personen, die am Abend unter dem Einfluß bewußtseinstrübender Substanzen zu Berserkern des Internets werden? Möglich ist alles und es wäre zu begrüßen, wenn einigen dieser Vögel der „Spaß“ vergehen würde, ihren Mitmenschen in solcher Weise nahe zu treten.

Dem Appell „Wir müssen unsere moralische und gesellschaftliche Pflicht in den Vordergrund stellen“, den Rainer Haseloff in Tröglitz ausgab, könnte in diesem Zusammenhang bedingungslos zugestimmt werden. Wären es da nicht eben diese Politiker selbst, die immer wieder Zweifel an ihren Maßstäben in Sachen Pflicht und Moral aufkommen ließen.

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