„Harz“-lich Willkommen heißt es im Harz – nun auch für Asylbewerber?

Auf der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber ist Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht auf die Idee gekommen, das Kinder- und Erholungszentrum in Güntersberge künftig als Nebenstelle für die Zentrale Aufnahmestelle...

Auf der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber ist Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht auf die Idee gekommen, das Kinder- und Erholungszentrum in Güntersberge künftig als Nebenstelle für die Zentrale Aufnahmestelle in Halberstadt zu nutzen. Das ehemalige DDR-Pionierlager hatte als eines der wenigen seiner Art die Wende überlebt und sich in den letzten 25 Jahren zu einem bekannten Kinder- und Erholungszentrums entwickelt. Anfang des Jahres mußte der Trägerverein allerdings Insolvenz anmelden. Anlaß war die Rückforderung von Fördermitteln durch das Landesjugendamt.

Dennoch rechneten sich die Verantwortlichen gute Chancen für einen dauerhaften Weiterbetrieb aus. Schließlich gibt es bislang rund 37 000 Übernachtungen pro Jahr und 5 000 Schüler, die hier ihre Klassenfahrten machen. Noch wirbt die Einrichtung damit, „neben den zahlreichen Angeboten im Freizeit- und Bildungsbereich für Kinder, Familien, Jugendliche oder Firmen/Vereine, engagiert in verschiedenen internationalen Projekten und Austauschprogrammen“ zu sein. Doch damit dürfte bald Schluß sein. Auch die Mehrheit der 23 Beschäftigten wird sich eine neue Arbeit suchen müssen. Da hilft es auch nicht, daß sich Landtagsabgeordnete desöfteren auf Veranstaltungen des internationalen Euro-Camps im Harz ablichten ließen. Auch die Lage des Objektes – abseits des Ortes Güntersberge im Wald – wird nicht viel helfen. Minister Stahlknecht läßt bereits ein Konzept erarbeiten und noch offene juristische Fragen klären.

Die stark steigende Zahl der Asylbewerber fordert Konsequenzen seitens der Politik. Man müßte allerdings zuerst die Ursachen des Problems angehen, dennoch wird weiter an den Symptomen kuriert. Statt die mindestens 600 000 abgelehnten Asylbewerber endgültig in ihre Heimat zurückzuführen, werden immer neue Unterkunftsmöglichkeiten gesucht. Private Wohnungen werden angemietet, öffentliche Einrichtungen wie Kasernen, Lehrlingswohnheime oder eben auch Jugendherbergen umgewidmet. Selbst Luxusunterkünfte werden zur Unterbringung genutzt, so das Vier-Sterne-Hotel am Stausee in Bautzen, das „Bonotel“ in Köln, das „Hotel Europa“ in Bäumenheim (Bayern), „Zum Kronprinzen“ in Plauen/Vogtland oder der „Pappritzer Hof“ in Dresden. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

Der Unmut der Anwohner bricht sich immer häufiger in Versammlungen und anderen Formen des Protestes Bahn. Mehr als „Verständnis“ für „Ängste“, die „abgebaut“ werden müßten, kann man in den Reaktionen von Vertretern aus Politik und Medien nicht finden – aber auch nicht erwarten. Hier ist ein grundsätzlicher Richtungswechsel notwendig.

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